LUXEMBURG
NICO PLEIMLING

Déi gréng Norden sorgen sichum massives Bienensterben

Ungefähr 80 Prozent der heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen. Doch in immer größeren Teilen der Welt gehen die Bestände oft dramatisch zurück. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Im vergangenen Winter sind in Luxemburg besonders viele Bienen gestorben und die Imker sehen sich nun mit hohen finanziellen Kosten konfrontiert, um ihre Bienenvölker neu aufzubauen. Déi gréng Norden sind der Meinung, dass der Staat die Imker dabei unterstützen muss, denn die Rolle der Bienen ist überaus wichtig für die Bestäubung der Pflanzen und damit der Landwirtschaft.

Hauptursachen Varroa-Milbe und Viren

Im Kanton Clerf sind die Bienenvölker in einem nie da gewesenen Ausmaß dezimiert worden, zahlreiche Bienenstöcke wurden vollständig entvölkert. Als Hauptursachen für das Bienensterben im Laufe eines Jahres werden oft die vor rund 25 Jahren nach Luxemburg eingeschleppte Varroa-Milbe und die durch diese Parasiten übertragenen Viren genannt, und dies obwohl seit mehr als zehn Jahren ein landesweites intensives Zuchtprogramm zur Selektion einer resistenteren Biene der „Fédération des Unions d’Apiculteurs du Grand Duché du Luxembourg“ (FUAL) durchaus von Erfolg gekrönt ist.

Verbot von drei Neonicotinoiden

Ehemals gefürchtete Bienenkrankheiten, wie Akariose, Nosemose, Kalkbrut und Faulbrut seien heute kaum noch ein Problem. Die Ursachen des weltweiten Bienensterbens konnten allerdings bis heute wissenschaftlich nicht abschließend geklärt werden. Indes gab es bereits 2008 in Deutschland und auch anderswo massive Bienenverluste durch den Einsatz von bienenschädlicher Saatgutbeizung. Auch mit Neonicotinoiden belasteter Pollen (z.B. Maispollen) steht im Verdacht, das Leben der Winterbienen um bis zu zwei Monate zu verkürzen, mit dem Resultat, dass im Spätherbst normal bevölkerte Bienenkästen in den Monaten Februar bis März plötzlich bienenleer sind.

Die Europäische Union hat im letzten Monat mit einem Verbot von drei der bienengefährdenden Neonicotinoiden den einzig richtigen Schluss gezogen. Eine Maßnahme, die allerdings erst in drei Jahren spürbare Ergebnisse erzielen kann.

Die Bienen werden Jahr für Jahr dezimiert und die Imker müssen die Verluste selber tragen. Würden sie aber ihre Bienenbestände nicht neu aufbauen, indem sie Völker oder Schwärme kaufen, so hätte dies schwerwiegende Folgen für die Bestäubung.

Gesunde Ernährung, zum Beispiel Obst und Gemüse, aber auch 80 Prozent aller wilden Pflanzen sind von der Bestäubung durch Insekten abhängig. Wenn diese nicht mehr sichergestellt ist, haben wir ernst zu nehmende Probleme. Zuerst würden vermutlich Obst und Gemüse teurer, dann würden Produzenten erhebliche Einkommenseinbußen hinnehmen müssen.

Parlamentarische Anfrage von Camille Gira

Durch den Einkauf von Ersatzvölkern oder die Entsorgung des alten Wabenmaterials stemmen sich die Imker momentan alleine gegen die historisch starke Dezimierung ihrer Bienenbestände.

„Verluste wie im letzten Winter sind für die Imker finanziell nicht haltbar! Da die Bienen eine wichtige Rolle für die Vielfalt der Blüten und somit auch der Früchte spielen, müssen schnell hygienische und auch finanzielle Maßnahmen ergriffen werden. Die Imker müssen hierbei vom Staat unterstützt werden.“, warnt der grüne Nord-Abgeordnete Camille Gira, der am gestrigen Mittwoch auch eine parlamentarische Anfrage an den Landwirtschaftsminister Romain Schneider weitergeleitet hat. Er will unter anderem wissen, welche Bienenschäden von den Imkern seit 2010 bis heute gemeldet wurden, wie viele Bienenschäden in den letzten drei Jahren untersucht wurden und welche Resultate jene Untersuchungen ergeben haben. Weiter will Camille Gira wissen, ob und in welcher Höhe betroffene Imker für ihre Bienenverluste im vergangenen Winter entschädigt werden.