LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Regierung will „Nation Branding“-Strategie bis zum zweiten Halbjahr 2015 stehen haben

Das gestrige Rendez-vous der außen- und wirtschaftspolitischen Ausschüsse des Parlaments zur „Nation Branding“-Strategie für Luxemburg war zwar bereits von langer Hand geplant. Die „LuxLeaks“ getauften Enthüllungen vergangene Woche um günstige Steuervorentscheidungen für internationale Konzerne haben dem Thema allerdings eine topaktuelle Note verliehen. Die rezenten Angriffe auf Luxemburg würden zeigen, dass eine solche Strategie wichtiger denn je sei, unterstrich Außenminister Jean Asselborn (LSAP). „Unser Land ist sehr verletzlich, wenn der Finanzplatz ins Visier gerät“, erklärt die Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, Francine Closener, „weil Luxemburg weltweit vornehmlich wegen seines Finanzplatzes bekannt ist“.

Andere Bilder in die Köpfe

Die Schweiz ist zwar auch international dafür bekannt, aber den Menschen kommen sofort eine Menge anderer Facetten in den Sinn - Schokolade, Präzisionsuhren, Urlaub in den Bergen - wenn sie auf die Alpenrepublik angesprochen werden. Auch Luxemburg müsse danach trachten, dass seine Trümpfe international besser zur Geltung kommen, etwa die Natur, die historischen Stätten, das Tourismusangebot, die sprachliche und kulturelle Vielfalt, aber auch die vielfach erprobte Rolle des Großherzogtums als neutraler „ehrlicher Makler“ zwischen anderen, größeren Ländern. „Des valeurs positives véhiculées par l’image du Luxembourg seront établies et utilisées par les différents acteurs et dans les campagnes médiatiques officielles pour lesquelles le Gouvernement mettra à disposition les moyens nécessaires. Une approche systématique visera à mesurer, établir et gérer la réputation du Luxembourg“, heißt es im Koalitionsprogramm.

Gesamte Bevölkerung implizieren

Bis zu Beginn der luxemburgischen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2015 soll die Strategie stehen. Ausgearbeitet wird sie von einem Komitee, in dem nicht nur verschiedene Ministerien, sondern auch verschiedene Institutionen, wie etwa die Handelskammer und der großherzogliche Hof vertreten sind. Für die Entwicklung der Strategie sind im kommenden Jahr 380.000 Euro im Staatshaushalt vorgesehen. Glaubwürdig und authentisch soll sie sein, die „Marke Luxemburg“, einzigartig und kohärent. Und sie soll nicht nur von den Entscheidern aus Politik und Wirtschaft getragen werden, sondern von der gesamten Bevölkerung. Nach Abschluss einer Bestandsaufnahme mit Umfragen bei Ansässigen und Grenzgängern, Diskussionsgruppen und Interviews mit Entscheidern bis Weihnachten, sollen die Bürger in einer zweiten Phase über Ateliers und eine Diskussionsplattform in die Suche nach dem neuen „Brand“ für das Land eingebunden werden. Aus all diesen Elementen soll die neue Marke dann herausgeschält werden, die anschließend validiert und dann umgesetzt wird.