SIMONE MOLITOR

Einen besonders großen Platz wurde der nationalen Literatur während der „Assises culturelles“ Ende Juni nicht eingeräumt. Und auch im Kulturentwicklungsplan finden sich kaum konkrete Ideen oder Maßnahmen, die diesem Sektor dienlich sein könnten. Die Idee, eine Art Literaturagentur zu schaffen, die eine ähnliche Vermittlerrolle übernehmen könnte wie im Musikbereich das Exportbüro music:LX, hat sich nicht konkretisiert, dabei war sie bereits während der ersten Auflage der „Assises“ diskutiert worden. Die Umsetzung eines solchen Projekts als Drehscheibe für die heimische Literatur würde den Bekanntheitsgrad unserer Autoren und damit gleichzeitig unseres Landes - Stichwort „Nation branding“ - im Ausland sicherlich steigern. Das wird der Stand auf der Frankfurter Buchmesse, wohin Luxemburg nach langer Abwesenheit in diesem Herbst mit über 50 Büchern reist, gewiss auch. Obwohl die Auswahl der Werke teils kritisch kommentiert wurde, ist die Rückkehr zu diesem bedeutenden Event zweifelsohne ein wichtiger Schritt. Aber eben trotzdem nur ein Schritt von vielen, die unternommen werden müssten oder gar könnten, um den Luxemburger Literaturbetrieb voranzubringen.

Doch bevor wir zu sehr von internationalen Bestsellerlisten und Preisen träumen, sollten wir uns mit der Wahrnehmung der luxemburgischen Literatur in unserem eigenen Land beschäftigen. Wird sie denn ausreichend wahrgenommen? Und wenn ja, wird sie auch wertgeschätzt? Über 100 Bücher luxemburgischer Schriftsteller erscheinen pro Jahr in unseren Verlagen. Wie viele dieser Werke können Sie auflisten? Wie viele Gegenwartsautoren nennen? Diese Fragen werden bei mehr als einem betretenes Schweigen bewirken. Ob wir uns diesbezüglich aber so sehr von unseren Nachbarländern unterscheiden, darf angezweifelt werden. Denn würde man in Deutschland oder Frankreich nach den Namen zeitgenössischer Schriftsteller fragen, wären zweifelsfrei ebenfalls viele überfordert.

Wen kann man aber für diesen mangelnden Bekanntheitsgrad verantwortlich machen? Die Politik, da sind sich viele einig. Desinteresse wird ihr nicht selten vorgeworfen. Mehr Mittel zur Förderung der Literatur werden gefordert. Ja, Geld kann vieles bewirken, ein Allheilmittel ist es trotzdem nicht. Systematischer müssten Werke einheimischer Autoren in den Schulen behandelt werden. Seit auf Initiative des „Centre national de littérature“ didaktisches Material zur Verfügung gestellt wird, ist dieser Weg zumindest geebnet. Seit das Angebot an Veranstaltungen rund ums Buch zugenommen hat, ist auch die Aufmerksamkeit gestiegen. Seit mehr Literaturkritiker am Werk sind, finden sich auch mehr Buchbesprechungen in den Medien. Es gibt durchaus Positives zu vermelden. Dass es seit der Auflösung des nationalen Schriftstellerverbands dagegen keine Organisation mehr gibt, die für die gemeinsamen Interessen eintritt, ist der Sache nicht förderlich. Dass seit Monaten keine nationale Bestsellerliste mehr veröffentlicht wird, ebenso wenig. Letztlich haben sich noch dazu die Lesegewohnheiten allgemein geändert.

Sicherlich könnte die Politik in diesem Kontext mehr als einen wichtigen Hebel in Gang setzen. An manchen Schrauben muss derweil andernorts gedreht werden. Wann haben Sie eigentlich zuletzt ins Luxemburgensia-Regal gegriffen? Kochbücher zählen nicht.