LUXEMBURG-KOCKELSCHEUER
PATRICK WELTER

Luxemburgische Umweltverbände rufen zum Protest gegen Verschlimmbesserung der europäischen Umweltdirektiven auf

Zum internationalen Tag der Biodiversität warteten die beiden großen luxemburgischen Umweltverbände leider nicht mit guten Nachrichten auf. Natur&ëmwelt und Mouvement écologique (Méco) machten in einer gemeinsamen Pressekonferenz darauf aufmerksam, dass, gerade unter einem luxemburgischen Kommissionspräsidenten, die beiden wichtigsten und erfolgreichsten Naturschutzdirektiven Gefahr laufen ins Schussfeld von Lobbyisten zu geraten. Hintergrund: Kommissionspräsident Juncker hat seinen Umweltkommissar angewiesen, die geltenden Naturschutzvorschriften der EU einem „Fitnesstest“ zu unterziehen. Es kann durchaus heißen, dass nichts passiert, andererseits sind Versuche zu erwarten, die Vorschriften zu verwässern.

Es geht nicht um „Landschaftsmuseen“

Roby Biwer, Präsident von natur&ëmwelt erinnerte daran, dass es durch Zersiedlung und industrialisierte Landwirtschaft zu einem dramatischen Artensterben in Europa gekommen ist. Die EU steuerte erstmals 1977 mit der Vogelschutzdirektive und dann 1992 mit der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, kurz Habitat-Richtlinie, dagegen. „Das war ein großer Sprung für die Naturschutzpolitik“, so Biwer. Die Schaffung von „Natura 2000“-Gebieten, die in der Folge auf Druck von Brüssel hin entstanden, habe einen wichtigen Beitrag zur Erholung des Artenbestandes geleistet. Luxemburg verfügt heute über 65 Natura-2000-Gebiete, sechs weitere durchlaufen gerade das Genehmigungsverfahren. Europa verfügt, laut Biwer, über ein großes Netz von Natura-2000-Gebieten. Er betonte, dass es um den Schutz von Arten in der europäischen Kulturlandschaft geht, der Mensch sei selbstverständlich Bestandteil dieser Naturschutzgebiete. Roger Schauls, Vize-Präsident des Méco meinte, dass es ausdrücklich nicht darum ginge, Landschaftsmuseen zu schaffen, sondern um das Ziel die Lebensräume der verschiedenen Arten zu erhalten.

Ökologie trägt auch ökonomische Früchte

Roby Biwer wies darauf hin, dass der aktive Naturschutz nicht nur ökologischen, sondern auch ökonomischen Nutzen bringt. Einem errechneten Schaden von 450 Milliarden Euro durch den Verlust von Biodiversität, steht eine errechnete „Systemleistung“ von Direktiven und Schutzgebieten in Höhe von 300 Milliarden Euro gegenüber. Die Ausweisung von Schutzzonen in der europäischen Kulturlandschaft schaffe „green Jobs“. Zum anderen trage sie zur Work-life-Balance der Bevölkerung bei.

„Natura 2000“ - ein eingespieltes System

In der Anfangszeit der Schutzgebiete sei es schwierig gewesen, mittlerweile beherrschten Verwaltung und Akteure die Handhabung. „Natura 2000“ schaffe auch Planungssicherheit für Anwohner und Betroffene. Der Fitness-Test könne ein Rückschritt sein. Biwer konstatierte, unterstützt von Méco-Präsidentin Blanche Weber, dass in Luxemburg zur Zeit alles optimal laufe. Die Luxemburgische Regierung sollte sich in der Zeit ihrer EU-Präsidentschaft, in der zweiten Jahreshälfte, dafür stark machen, dass an den Naturschutzdirektiven nichts geändert wird. Tatsache bleibe, dass Luxemburg mehr, statt weniger Naturschutz braucht.

Störche und Uhus sind wieder da

Der Umsetzung der Vogelsschutzdirektive und der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie haben in Luxemburg nachweisbare Erfolge gebracht. Einige Tierarten haben den via „Natura 2000“ angebotenen Lebensraum angenommen und sich wieder in Luxemburg angesiedelt. Dazu zählen der Schwarzstorch mit etwa 15 Brutpaaren und der Weißstorch, der auf Feuchtgebiete angewiesen ist, mit immerhin zwei festen Brutpaaren. Der Uhu war in den 1960ern fast ausgerottet, heute leben wieder zwanzig Brutpaare im Großherzogtum. Der Uhu schlägt relativ große Beute wie Tauben oder Rabenvögel und bremst so deren Ausbreitung. Nutznießer waren auch die scheue Wildkatze sowie der Kiebitz, der nach zehn Jahren 2015 wieder im Ösling gesehen wurde. Blanche Weber fand einen kurzen und knackigen Schlusssatz: „Finger weg von diesen Direktiven!“

www.naturemwelt.lu/naturagefor
www.meco.lu/naturagefor
www.naturealert.eu