LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Sechs Monate auf Bewährung: 42-Jähriger soll Arbeitsunfall erfunden haben

Am 8. Dezember 2018 stürzte ein 42-jähriger Mann bei Putzarbeiten in der Cafeteria eines Busunternehmens von der Leiter. Der Arbeiter behauptet, die Leiter sei weggekippt und er sei dadurch auf den Kopf gefallen. Am Montag musste sich der Arbeiter vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, den Arbeitsunfall fingiert zu haben.

Gegenüber den Unfallsachverständigen gab der Beschuldigte an, er sei die Leiter bis zum obersten Tritt hochgestiegen. Hier hätte er das Gleichgewicht verloren und sei rückwärts aus 1,70 Meter Höhe auf den Kopf gefallen.

Auf den Kopf gefallen?

Er habe den Arzt nicht unmittelbar nach dem Arbeitsunfall aufgesucht, weil er die vorhandenen Beschwerden als nicht so gravierend empfunden habe. Da der Arbeiter aber über Schmerzen klagte, schickte ihn sein Arbeitgeber in die Klinik zum Röntgen. Den behandelnden Ärzten berichtete er von dem Geschehen, ließ sich die Verletzungen entsprechend versorgen und erhielt anschließend eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Da sich durch den Arbeitsunfall die Schmerzen in der linken Schulter, die bis in den Bereich der Halswirbelsäule ausstrahlten, verstärkt hätten, hatte der Arzt zusätzlich Krankengymnastik und Massage verordnet.

Weil es den begründeten Verdacht für einen vorgetäuschten Arbeitsunfall gab, hatte das Busunternehmen als Arbeitgeber eine Untersuchung durch die Unfallversicherung verlangt. Der Versicherung kam der von dem Mitarbeiter erläuterte Ablauf hinsichtlich des Arbeitsunfalls verdächtig vor. Nach intensiven Untersuchungen kam die Unfallversicherung zu dem Ergebnis, dass der Mann den Arbeitsunfall vom 8. Dezember 2018 lediglich vorgetäuscht und sich auf diese Weise betrügerisch die Entgeltfortzahlung erschlichen habe.

Der Arbeiter bestritt am Montag, die Arbeitsunfähigkeit vorgetäuscht zu haben. Stattdessen gab er zu Protokoll, von den Unfallbeamten unter Druck gesetzt worden zu sein.

Sehr unlogisch

Wie es zu dem tragischen Sturz kam, wollte der Vorsitzende Richter von dem Beschuldigten wissen, der widersprüchliche Angaben zum Verlauf des Arbeitsunfalls gemacht hat. Wie kann ein 1,83 Meter großer Mann in einem 2,50 Meter hohen Raum eine Leiter von 1,70 Meter Länge bis zur obersten Stufe erklimmen? „Wie können Sie da noch putzen?“, fragte der Vorsitzende den Angeklagten. Der Angeklagte habe nach dem Unfall den Ort gereinigt und die Leiter weggetragen. Weder Blutspuren noch andere Spuren von einem Arbeitsunfall hätte es im Raum gegeben.

Die Staatsanwaltschaft vertritt die Auffassung, dass der Beweiswert der vorgelegten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen durch die Untersuchungen erschüttert beziehungsweise widerlegt sei. Der Angeklagte hätte während der Genesungszeit an einem Fußballturnier teilgenommen, hätte sogar in der Mannschaft mitgespielt und sich mit der Mannschaft zusammen ablichten lassen. Aufgrund des Gruppenfotos stehe fest, dass der Mitarbeiter die Arbeitsunfähigkeit vorgetäuscht hat. Am Fußballspiel hätte er nur als Zuschauer teilgenommen, so der Angeklagte.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft Guy Breistroff nannte das Verhalten des Angeklagten „reinen Betrug“. Der Ankläger forderte eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung - mit der Chance, der Unfallversicherung die 3.675 Euro zurückzuerstatten, die er unehrlich einkassiert habe.

Das Urteil wird am 6. Juni gesprochen.