CLAUDE KARGER

„Jenseits der Mosel, in den sanften Hügeln der Ardennen, liegt ein kleines Land wie aus einem Märchen“, schwärmte gestern die „Berliner Morgenpost“. Aber dem Blatt ist auch zu Ohren gedrungen, dass es dort eine „herrische Herrscherin“ mit ordentlich Durchbeißvermögen geben soll, die sogar „das Volk ans Meutern“ denken lasse, weshalb der Premier sie nun mal an die Kandare nehmen ließ. „Esch, Februar 2020. Die Nacht ist finster, die Sturmböen peitschen kieselsteindicke Regentropfen gegen die Fenster des „Hôtel de Ville““, beginnt ein anderes märchenhaftes Stück im republikanischen „T“, in dem ein Bote auf einem schwarzen Ross, ein nächtlicher Herold, eine Königliche Hoheit und ein treu dienender Gemeindehäuptling allerlei ausbaldowern... Aber die einzige Revolution weit und breit im Ländchen ist derzeit nur die epochale Vergratisierung von Bus, Bahn und Tram . Das ist sowas wie die Erfindung des Rades. Die düstere Seite dieser Errungenschaften ist natürlich, dass sie auch finstere Viecher wie diesen Coronavirus um den Globus jagen. Die Sauerei sorgt für massives Unbehagen. „Jetzt muss der Hipsterbart ab“ , schrob so gestern „L‘Essentiel“ im Netz über Empfehlungen der US-Gesundheitsbehörde fürs Maskentragen. Üppige Visagenbehaarung ist schlecht, „Hitlerschnauz“ ginge. Äh. Nee. Dann lieber ganz blank.