LUXEMBURG
MARCO MENG

Ist die Fondsindustrie für die Bedürfnisse der Nintendo-Generation bereit?

Gleich zu Beginn betonte Nasir Zubairi, vom „Wall Street Journal“ als einer der bedeutendsten Fintech-Investoren bezeichnet, dass er selbst nie auf einer Bank arbeitete und auch kein Banker, sondern Unternehmer sei. Was er damit gestern zum Ende der zweitägigen „Global Distribution Conference“ des luxemburgischen Fondsverbands Alfi zum Thema „Fintech“ ausdrücken wollte, war klar: Nicht das Produkt, sondern der Kunde solle im Fokus stehen. Ob man wolle oder nicht, die technologische Veränderung bewirke, dass die Welt in zehn bis fünfzehn Jahren mehr denn je von künstlicher Intelligenz beherrscht werde. Vieles davon, was man früher in Science Fiction-Filmen sah, werde bereits entwickelt. Einher gehe die technische Veränderung mit einem „Cult of me“, wie Zubairi es nannte, ein Individualismus - wenn man wolle Narzismus - der von sozialen Medien gefördert werde und dazu führe, dass Menschen immer mehr nach maßgeschneiderten Lösungen verlangten. Das könne die Finanzindustrie zwar ignorieren: Wolle sie aber weiterhin erfolgreich sein, müsse sie sich jetzt beeilen, um für die Zukunft bereit zu sein. „Innovationen sind nicht nur technische Erfindungen, sondern Innovationen sind Ideen, wie Dinge neu angepackt werden können“, erklärte Zubairi. „Ist die Finanzindustrie aber auf demselben Level wie die technische Entwicklung?“ Zubairi verwies auf die 2018 in Gesetze implementierbare EU-Direktive zu Bezahldienstleistungen, die bislang von der Branche nur wenig beachtet, gleichwohl aber fundamentale Auswirkungen auch auf die Fondsdistribution haben werde. Der Kunde wird dann Drittanbieter seiner Wahl beim Bezahlen nutzen können - eine Herausforderung, aber auch eine Chance für die Branche.

Richtige Strategie adaptieren

Wie nun auf die Fintech-Unternehmen, die meist von der Kundenseite aus entstanden sind, reagieren? Ignorieren? Als Konkurrenz sehen? Oder besser in sie investieren? Zubairi empfiehlt Letzteres. Fonds müssten im Umgang mit Fintechs und überhaupt mit der zunehmenden Digitalisierung die richtige Strategie finden, und die könne Kooperation mit Fintechs lauten. Auf die Frage aus dem Publikum, ob denn die vielen Vorschriften von Behördenseite nicht die Innovation bremse, meinte Zubairi, auch Regularien seien kein Argument, nicht innovativ zu sein. „Es sollten keine Entschuldigungen dafür gefunden werden, etwas nicht zu tun, sondern es sollten Lösungen gefunden werden,“ mahnte Zubairi.

Der Roboter empfiehlt...

Eines der großen Themen, mit denen sich die Fondsbranche beschäftigen muss, sind sogenannte Robo-Advisor. Aus den englischen Wörtern Roboter und Advisor (Berater) zusammengesetzt, sind damit digitalisierte und automatisierte Dienstleistungen gemeint, die sonst ein menschlicher Finanzberater vornahm. Technisch sei die Entwicklung hin zu mehr Robo-Advisor gar nicht aufzuhalten, meinte Bill Packman von Nutmeg aus London. Die Frage sei nur, ob man Teil der Entwicklung sein wolle oder nicht. Aus New York zugeschaltet meinte Mike Kane, Mitgründer von Hedgeable, während traditionelle Finanzberater eine oft stattliche Mindestanlagesumme verlangten, seien Robo-Advisor mit einer Mindestsumme von einem Dollar vor allem für junge Leute attraktiv. Interessant sei dabei auch, dass bei seinem Unternehmen rund die Hälfte der Kunden weiblich sei, was eher ungewöhnlich ist. „Asset Manager, die am alten Denken festhalten, werden zurückfallen“, brachte es Kane auf den Punkt. Roboadvisor könnten transparent und simpel den Menschen ein breites Spektrum an Anlagemöglichkeiten eröffnen, wobei Kane darauf verwies, dass selbst sehr wohlhabende Investoren mittlerweile auf Robo-Advisor zurückgriffen.

Neben der Frage, wie Investitionsempfehlungen noch verbessert werden können, ist eine andere, die zu beantworten ist, wer letztendlich für verlustbringende Robo-Empfehlungen verantwortlich ist, ähnlich der Frage nach der Schuld bei einem Unfall mit selbstfahrenden Fahrzeugen. Während die Zusammenarbeit zwischen Robo-Advisor-Anbietern und aktiv gemanagte Fonds vor allem durch hohe Fondsgebühren gebremst wird, prüfen die Behörden in der EU derzeit, wie Roboadvisor reguliert werden können. Ein Knackpunkt ist die Sorge vor systemischen Risiken: Was, wenn Robo-Advisor automatisiert einen Verkauf von bestimmten Positionen empfehlen und das zu einem Marktkollaps führt?