LUXEMBURG
LUC SPADA

Wer hat Angst vor dem großen Vogel, von Menschenhand erbaut? Eigentlich bin ich recht viel unterwegs und so gut ich kann, wenn auch phasenweise, denn es gibt Phasen, wo ich weniger, und Phasen, wo ich mehr, Angst habe, in ein Flugzeug einzusteigen, versuche ich, darauf zu verzichten, in ein Flugzeug zu steigen.

Zug finde ich super, da das Ding mehr oder weniger auf dem Boden unterwegs ist, Auto fahren ist auch ganz toll, aber nur, wenn ich selbst fahre und über lange Strecken hinweg. Tram, U-Bahn, Taxi, S-Bahn, alles kein Problem. Gondel wird schon schwieriger. Alles, was sich in der Luft bewegt, ist mir suspekt. So auch Vögel. Höhenangst habe ich nicht.

Ich verstehe einfach nicht, wie irgendwas fliegen kann, und auch wenn meine befreundeten Maschinenbauer sich die Zeit nehmen, mir zu erklären, warum gewisse, ich glaube es sind physikalische Gesetze, es ermöglichen, dass sich Dinge und Vögel in der Luft aufhalten können, ohne gleich auf dem Boden zu zerschellen, bleibe ich skeptisch.

So sehr ich es auch liebe, mir die Zeit in Zugabteilen mit meiner Steuererklärung oder im Auto mit Musikhören zu vertreiben, finde ich es aber auch ganz praktisch, in nicht einmal zwei Stunden eine Strecke hinter mich zu bringen, die auf dem Boden nicht unter acht Stunden machbar wäre. Und auch wird ein guter Freund von mir, ein Maschinenbauer, dieses Jahr in Indien heiraten, und ich habe weder die Kondition, noch verfüge ich über eine ausreichende Kraul-Technik, um zu Fuß und schwimmend mein Ziel zu erreichen.

Auch werde ich dieses Jahr vielleicht irgendwo arbeiten, wo ich hinfliegen muss, weil ich gleich einen Tag nach dieser Arbeit nach Luxemburg muss, um auch zu arbeiten.

Und ich möchte auch einmal so in den Urlaub fliegen, dass ich, wenn sicher am Reiseort angekommen, was ich ja bisher immer bin, mir nicht gleich schon wieder über den in zehn Tagen bevor-stehenden Abflug Gedanken machen muss. Und wirklich, es sind blöde Gedanken.

Das letzte Mal, als ich flog, war das nach Wien, und schon beim Einsteigen ins Flugzeug versuchte ich, einen Blick auf den Piloten zu werfen. Sieht er müde aus? Was für ein Sandwich isst er? Was, wenn sich eine Lebensmittelvergiftung anbahnt und der Co-Pilot von seinem Sandwich probierte? Dann deute ich jedes noch so kleine Detail als Zeichen dafür, dass der Flug in einer Katastrophe enden könnte. Wenn zum Beispiel ein Baby nicht aufhört zu schreien, könnte das doch ein Warnsignal sein. Oder der Steward unfreundlich ist. Irgendein Geräusch auftaucht, was ich bis dato noch nie wahrnahm. Diese Gedanken, darauf bestehe ich, finden nur im Flugzeug statt. Ich will sie nicht. Sie kommen einfach.

Ein Bekannter aus meinem Stammcafé erklärte mir, dass wenn das Flugzeug abstürzt, es nie sinnvoll ist, in der Mitte zu sitzen, weil die Maschine dort am leichtesten brechen kann. In Zukunft werde ich auf jeden Fall hinten im Flieger Platz nehmen.