LONDONCHRISTIAN SPIELMANN

…mit der teuersten Seilbahn der Welt in London über die Themse

Flugreisende, die vom Londoner City Airport mit der Docklands Light Railway (DLR), der Metrolinie, welche die Docklands mit der London Underground verbindet, gefahren sind, haben die Londoner Seilbahn Emirates Air Line sicher gesehen. Kurz vor den Olympischen Sommerspielen 2012 in London wurde die Gondelbahn eingeweiht, die auch noch unter dem Namen Thames Cable Car bekannt ist, und nach ihrem Sponsor, der Fluggesellschaft Emirates aus den Vereinigten Arabischen Emiraten benannt wurde.

Sponsoren gesucht

Ursprünglich sollte die Seilbahn von Greenwich hinüber zu den Docklands 25 Millionen Pfund kosten. Die Kosten, die integral von der Londoner Transportgesellschaft Transport for London (TfL) getragen werden sollten, schnellten aber rapide in die Höhe, weil u. a. keine Planungskosten und Landkäufe mit eingerechnet waren. Das Budget wurde auf 45 Mio. £ verbessert, um schließlich bei 60 Mio. £ (74 Mio. €) zu enden. Diese Summe überstieg um ein Vielfaches die geplante Investition von TfL, und die Londoner Seilbahn ist somit die teuerste der Welt. Es wurden also Sponsoren gesucht, und im Oktober 2011 stieg die in Dubai ansässige Fluggesellschaft Emirates mit 36 Mio. £ ein. Der Deal bestand darin, dass die Seilbahn für zehn Jahre den Namen der Fluggesellschaft tragen soll. Unter der Regie des britischen Baukonzern Mace begannen die Bauarbeiten im August 2011, u. a. die zwei Stationen und drei Seilbahnstützen, wovon eine in der Themse steht. Die Seilbahn selbst wurde vom österreichischen Seilbahnkonstrukteur Doppelmayr hergestellt.

Von der Halbinsel Greenwich zu den Docklands

Start der 1.103 Meter langen Seilbahn ist die Station Emirates Greenwich Peninsula neben der „The O²“-Arena (früher: Millenium Dome), die man mit der U-Bahn-Linie Jubilee erreicht (Station: North Greenwich). 34 Gondeln, die zehn Personen Platz bieten, wie zwei Fahrrädern, und rollstuhlgerecht sind, können etwa 2.500 Passagiere pro Stunde und pro Richtung transportieren. Die Geschwindigkeit liegt bei sechs Metern pro Sekunde. Der höchste Punkt liegt bei 90 Metern über der Themse, von wo man eine schöne Aussicht auf die „The O²“-Arena hat, auf die alten Kräne entlang des Royal Victoria Docks, die Canary Wharf und auf die Schleusen der Themse (DLR-Station Pontoon Dock). Mit etwas Glück kann auch den Start eines Flugzeugs vom nahen City Airport beobachten.

Des Weiteren erblickt man das Wahrzeichen der Olympischen Spiele 2012, den um seine Achse verdrehten 115 Meter hohen roten Turm „Orbit“. Der indische Künstler Anish Kapoor hat den 2.000 Tonnen schweren Turm entworfen, dessen Basis mit 900 Tonnen Stahl aus Luxemburg erbaut wurde. Lakshmi Mittal selbst hat der Stadt London den Turm gestiftet, als Dank für die Aufnahme seiner Familie in Großbritannien.

Ankunft ist in der Station Emirates Royal Docks. Gleich neben der Seilbahnstation befindet sich das „The Crystal“, eine Ausstellungshalle von Siemens, mit der weltgrößten Ausstellung, in der über die Zukunft der Städte experimentiert wird. Etwas weiter weg dient das „ExCeL Exhibition Centre“ heute als Ausstellungs- und Kongresszentrum. 2012 war es Schauplatz der olympischen Kampfsportwettbewerbe und des Gewichthebens.

Teuer, aber billiger als die O²-Arena

Der Fahrbetrieb der Emirates Air Line beginnt an Werktagen um 7 Uhr, an Samstagen um 8 Uhr und an Sonntagen um 9 Uhr. Von April bis September schließt die Seilbahn um 21 Uhr, sonst um 20 Uhr. Die Hin- und Rückfahrt kostet 8,8 £ (circa 10,6 Euro). Übrigens kann man auch zu Fuß über die „The O²“-Arena gehen, aber dieser Spaß in nur 50 Meter Höhe kostet 26 £ (rund 32 Euro). Somit ist der Flugspaß per Seil über die Themse preiswerter, nicht so anstrengend und sicher interessanter.


www.emiratesairline.co.uk