LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„The Other Side Of Hope“ von Aki Kaurismäki im Kino

Der Film „Toivon tuolla puolen“ (The Other Side Of Hope) vom finnischen Regisseur Aki Kaurismäki gewann vergangenen Freitag den Hauptpreis, den Grand Prix by Orange, beim siebten Luxembourg City Film Festival. Mitte Februar war der Film schon für die beste Regie mit dem Silbernen Bären auf der Berlinale ausgezeichnet worden.

Regisseur Kaurismäki geht in dem Film, der auf Deutsch „Die andere Seite der Hoffnung“ heißt, auf ein aktuelles Thema ein, die Flüchtlingsproblematik in seinem Heimatland Finnland.

Eine aparte Begegnung

Ein Gesicht taucht aus einem Kohlehaufen auf. Der syrische Flüchtling Khaled (Sherwan Haji) hat sich auf einem Schiff versteckt, das in Helsinki anlegt. Bei der dortigen Polizei stellt er einen Antrag auf Asyl und wird in ein Auffanglager gebracht. Hier freundet er sich mit Mazdak (Simon Husseim Al-Bazoon) an.

Auf der Flucht hat Khaled seine Schwester Miriam (Niroz Haji) aus den Augen verloren und hofft sie wieder zu finden. Währenddessen trennt Wikström (Sakari Kuosmanen) sich von seiner Frau (Kaika Pakarinen) und nimmt an einer Pokerparty teil, bei der er viel Geld gewinnt. Er kauft sich das schäbige Restaurant „Zum goldenen Krug“, samt Belegschaft: dem Koch Nyrhinen (Janne Hyytiäinen), der Praktikantin Mirja (Nuppu Koivu) und dem Portier Calamnius (Ilkka Koivula).

Khaled, der aus dem Lager abgehauen ist, begegnet Wikström zwischen den Mülltonnen des Restaurants, wo er eigentlich schlafen wollte. Es kommt zu einer Rauferei und schließlich sitzen beide mit blutigen Nasen im Restaurant. Wikström beschließt Khaled zu helfen, und er soll im Restaurant kleine Arbeiten verrichten.

Politisch unkorrekt

Viele Kritiker haben Kaurismäki vorgeworfen, die Situation der Flüchtlinge zu verniedlichen, weil er die politischen Umstände in seinem Heimatland nicht zu genüge kennt und daher verfälscht. Sicher kommen verschiedene Umstände dem in Sachen finnische Politik unkundigen Kinobesucher komisch vor, wie die falschen Papiere, die Khaled problemlos erhält, oder die Schwester, die nach Helsinki reisen kann, obschon Khaled abgeschoben wurde.

Kaurismäki bleibt seinem typischen Stil treu. Das Ambiente des Restaurants erinnert an die 1950er Jahre, Wikström fährt ein uraltes Auto, und alle rauchen wie Schlote. Und wiederum fragen sich bissige Kritiker, ob der Regisseur nicht wirklich in dieser fernen Epoche stecken geblieben ist, da er ein aktuelles Thema behandelt, das nicht unbedingt in ein anachronistisches Umfeld eingebettet werden müsste.

Man kann den Film aber auch als Plädoyer für die Menschlichkeit ansehen, mit der man jedem helfen kann. Dies steht im Gegensatz zur Politik, welche die syrische Stadt Aleppo als ungefährlich einstuft, und so soll Khaled wieder nach Syrien abgeschoben werden. Er widersetzt sich der Aufforderung und wird erneut zum Flüchtling, diesmal vor einer ignoranten und unmenschlichen Justiz. Mit viel bitterbösem Humor durchsetzt, spricht der Film viele Aspekte der Flüchtlingsproblematik an.