LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Die „Memorial Hans Gutmann Rally“ 2016 führte luxemburgische Sportflieger nach Georgien

Wenige Tage bevor das große Abenteuer los gehen sollte, sah alles danach aus, dass es nichts mit der 6. Auflage der „Memorial Hans Gutmann Rally“ für Sportflugzeuge werden würde. Wie soll man in Zeiten des Putsches und politischer Säuberungen mit ausländischen Privatmaschinen durch die Türkei fliegen? Aber es lohnt sich, ein international vernetztes Hobby zu haben. Irgendwo kennt man immer jemanden, der selbst etwas zu sagen hat oder einen kennt, der was zu sagen hat. Jean Birgen, Präsident des Organisationskomitees der Rally, konnte nach wenigen Tagen Entwarnung geben. Dank eines Fliegerfreundes in der türkischen Zivilluftfahrtverwaltung konnte die „Memorial Hans Gutmann Rally“ 2016 nach Tiflis in Georgien konnte doch vom 5. bis zum 13. August stattfinden. Die Rally ist nach dem österreichischen Piloten und Flugzeugbauer Hans Gutmann benannt, der bei einem Absturz in den Dolomiten ums Leben kam.

Aus Luxemburg waren drei Maschinen zum Treffpunkt in Ungarn gestartet. Von dort aus ging es dann mit zwölf einmotorigen Flugzeugen weiter. Zu den Startern gehörten neben den Luxemburgern, Piloten aus Deutschland, Polen, der Türkei, Italien, England und Österreich. Die Route verlief fast wie geplant, nur Istanbul musste umflogen und ein weit außerhalb liegender Flugplatz angesteuert werden. Dank des türkischen Freundes verlief der Flug über 1.000 Kilometer entlang der türkischen Schwarzmeerküste ohne jegliches administrative Problem.

„Ein flottes Land“

Dann erreichte das fliegende Dutzend Georgien. Jean „Jängi“ Birgen, erfahrener Pilot mit mehr als 3.500 Flugstunden, kommt total ins Schwärmen als er uns in der Redaktion des „Journal“ davon erzählt: „Ein superflottes Land, mit ganz feinen Leuten!“, lautet sein Urteil über Georgien. Ein Jahr zuvor war er gemeinsam mit Peter Sodermanns per Linienflug nach Georgien gereist um diese fliegerische „Terra incognita“ zu erkunden. Obwohl es an fliegerischer Infrastruktur fehle, sei der Empfang schon damals sehr herzlich gewesen, inklusive politischer Unterstützung. „Die Georgier sind ganz verrückt mit ‚Schengen‘!“ meint Birgen. Eine Einstellung die den beiden Organisatoren sehr viel geholfen hat.

Manches fehlt, aber alles klappt

Das erste Ziel in Georgien war die Stadt Batumi am Schwarzen Meer, die ihrem Ruf als „Côte d’Azur“ Georgiens mehr als gerecht wurde. Von dort aus ging es ins Landesinnere in Richtung Tiflis, der Hauptstadt Georgiens, das Flugfeld Natakhari etwas außerhalb der Stadt von einem Privatmann zusammen mit einem Hotel geplant und gebaut, wurde für die nächsten Tage zum Stützpunkt der Rally. Wieder meint Jean Birgen: „Toll, wenn auch vieles noch improvisiert ist“. Das Flugbenzin kam in Fässern auf dem Pickup, immerhin war die Pumpe schon elektrisch. Flugkarten gab es auch nicht. Die Piloten nutzten Straßenkarten zur Orientierung und wurden von der Bodenkontrolle von Orientierungspunkt zu Orientierungspunkt geleitet.

Ein Minister als Empfangskomitee

Der Besuch des fliegenden Dutzend aus Westeuropa machte vor Ort mehr als nur einen guten Eindruck. Das fliegerische Experiment wurde von der georgischen Politik honoriert. So besuchten der Minister für die EU und transatlantische Integration, David Bakradze, und der Kabinettschef des Tourismusministers gemeinsam mit einer großen Delegation die 24 Piloten auf dem Flugplatz. Die luxemburgischen Organisatoren bedankte sich mit Wein aus Schengen, einer Schengen-Flagge und gerahmten Bildern vom Start in Luxemburg - wo Robert Goebbels, Unterzeichner von „Schengen“ das Startsignal gegeben hatte.

„Wir haben uns auf dieser Rally mehr den touristischen Zielen als dem Fliegersport gewidmet“, meint Jängi Birgen, „allein schon aufgrund des schlechten Kartenmaterials.“ Aber die Eindrücke seien auch so überwältigend gewesen. Die Berge des Kaukasus steigen bis über 5.000 Meter Höhe an, zu den fliegerischen Zielen gehörte der Flugplatz von Mestia in 2.300 Metern Höhe. Es sei nicht einfach dort anzufliegen, der Platz habe aber immerhin eine Landepiste von 1.200 Metern Länge.

Von dort aus wurden die Teilnehmer mit Allradfahrzeugen bis in die höchstgelegenen und abgelegenen Dörfer des Gebirges gebracht. Überall sei die Gastfreundschaft mehr als herzlich gewesen, schwärmt Birgen Die Bilanz dieser Tour fiel für alle Teilnehmer ausgesprochen positiv aus. Insgesamt wurden 7.500 Kilometer zurückgelegt und je nach Motorstärke waren die Piloten zwischen 28 und 42 Stunden in der Luft.

Auf dem Rückweg sparte man sich den aufwändigen Trip durch die Türkei und nahm über das Schwarze Meer Kurs auf Burgas in Bulgarien.