LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Das Aufkommen der Flugzeugträger bedeutete das Ende der Großkampfschiffe

Bis zum Zweiten Weltkrieg fand eine „zünftige“ Seeschlacht auf Sichtweite zwischen großen bis an die sprichwörtlichen Zähne bewaffneten Schiffen statt. Nelson kämpfte 1810 noch hinter dicken Eichenplanken, im amerikanischen Bürgerkrieg gab es die ersten Panzerschiffe und um 1900 wurden mit den „Dreadnoughts“ die typischen Schlachtschiffe in Dienst gschaffen. Der Zweite Weltkrieg brachte dann das Ende der Riesen mit gewaltigen 38cm-Geschützen. Die Deutschen setzten auf U-Boote. Amerikaner, Japaner und Briten gingen in die Luft.

Vorspiel

Ein Vorspiel dazu liefert der Untergang der „Bismarck“ im Mai 1941. Das deutsche Superschiff hatte noch drei Tage vorher den Stolz der britischen Navy, das Schlachtschiff „Hood“ mit nur wenigen Salven versenkt. Den Todesstoß erhielt die „Bismarck“ von einem leichten „Swordfish“-Doppeldecker, der dem deutschen Stahlmonster mit seinem Torpedo das Ruder wegschoss. Das manövrierunfähige Schiff war verloren. Die „Swordfish“-Staffel war vom britischen Träger „Ark Royal“ aus gestartet – einem der ersten echten Flugzeugträger.

Am 7. Dezember 1941 zeigte die neue Waffe was wirklich geht: Vernichtende Angriffe über ganz lange Distanzen. Die japanische kaiserliche Marine hatte sechs Flugzeugträger unbemerkt bis auf rund 400 Kilometer Entfernung an Hawaii herangeführt. Im Morgengrauen starteten nach und nach rund 440 Maschinen von den Trägern. Ziel war die US-Flotte in Pearl Harbour. Als der Sonntagvormittag vorüber war lagen fünf große Schlachtschiffe zerstört auf dem Grund der Bucht. Dutzende weitere Schiffe waren gesunken oder beschädigt, hunderte Flugzeuge vernichtet, über 2.400 Amerikaner waren tot. Die japanischen Verluste waren nahezu lächerlich – 29 Flugzeuge, sechs Mini-U-Boote und 65 Gefallene. Was nach einem militärischen Erfolg klingt, war nur ein halber, denn alle amerikanischen Flugzeugträger waren nicht im Hafen….

Drei Tage später, vor der malaysischen Küste, wurden zum ersten Mal zwei Großkampfschiffe, die „HMS Prince of Wales“ und die „HMS Repulse“ von Marinefliegern auf offener See versenkt. Die Zeit der Schlachtschiffe war vorbei, der Pazifik gehörte den Flugzeugträgern.

Trägerschlachten

Im Mai 1942 kam es im „Korallenmeer“ (Bismarck-Archipel) zur ersten Trägerschlacht der Geschichte. Zentrale Waffen waren die Flugzeuge, die über lange Distanzen sowohl Luftkämpfe führen mussten, als auch Angriffe auf die gegnerischen Schiffe flogen. Von den beiden US-Trägern sank einer, von den drei japanischen Trägern ging einer unter, ein zweiter wurde schwer beschädigt.

Als die bedeutendste Trägerschlacht gilt die Schlacht um Midway Anfang Juni 1942. Drei US-Flugzeugträger mit 50 Begleitschiffen trafen auf vier japanische Träger mit einer Entourage von 150 Schiffen. Die Schlacht tobte für drei Tage über eine Distanz von mehreren hundert Kilometern. Nach unkoordinierten Angriffen mit hohen Verlusten gelang den USA bald ein Zusammenspiel von Torpedoflugzeugen und Jagdfliegern. Bald waren drei der vier japanischen Träger und ein Kreuzer vernichtet. Der vierte Träger, die „Hiryu“, wurde nach schweren Treffern selbst versenkt. Auf US-Seite sank der Träger „Yorktown“. Verluste auf US-Seite: Etwa 300 Gefallene. Bei den Japanern war der Blutzoll mehr als zehn Mal so hoch.

Bei allen Interventionen der USA in den letzten Jahrzehnten übernahmen die US-Flugzeugträger, immer umgeben von einem ganzen Flottenverband, wichtige Aufgaben. Sie griffen in Korea und Vietnam in die Kämpfe ein. Auch von Trägern aus wurde 1999 Serbien angegriffen und später Ziele in Afghanistan angeflogen. Außer den USA haben nur die Briten nach dem Zweiten Weltkrieg Träger aktiv eingesetzt. Bis zum Falklandkrieg 1982 galten die extra für den Einsatz auf Flugzeugträgern konzipierten britischen „Harrier“-Senkrechtstarter als flügellahm und veraltet. Wie sich zeigte ein fataler Irrtum – aufgrund ihrer hohen Wendigkeit schossen die Piloten die technisch überlegenen „Mirage“ der argentinischen Luftwaffe in großer Zahl ab. Zurzeit liegen US-Träger wieder vor Korea.

Ein Geschäft für wenige Werften

Schwimmende Inseln für Militärflugzeuge sind teuer

Luxemburg Die US Navy hat die meisten Flugzeugträger und lässt diese von der Werft der „Huntington Ingalls Industries“ in Newport herstellen. Sie ist der größte Schiffbauer der US-Marine. Erst Mitte April ist die USS Gerald R. Ford, der größte amerikanische Flugzeugträger, zur ersten Testfahrt ausgelaufen. Das Schiff ist der mit Baukosten von 13 Milliarden Dollar auch der teuerste Flugzeugträger der Welt. Huntington Ingalls Industries erhielt erst kürzlich einen Auftrag über 2,8 Milliarden US-Dollar, um den Flugzeugträger „USS George Washington” zu warten und zu modernisieren.
Da Flugzeugträger ein deutliches Zeichen der Machtdemonstration sind, sind angesichts der angespannten Lage in Asien dort viele Länder dabei, eigene Flugzeugträger zu bauen. China hat letztes Jahr seinen ersten selbstgebauten Flugzeugträger vom Stapel gelassen, was vor allem Indien wurmt: Dort ist man seit 2013 dabei, in der „Cochin Shipyard“ mit der „INS Vikrant“ den ersten eigenen Flugzeugträger herzustellen. Das Schiff kostet mindestens fünf Milliarden Dollar. Eigentlich sollte es dieses Jahr in Betrieb genommen werden: neusten indischen Zeitungsmeldungen zufolge soll es aber erst bis Ende 2020 soweit sein. Chinas erster selbst gebauter Flugzeugträger soll dann ebenfalls seinen Dienst aufnehmen. Bis dahin braucht China allerdings auch Flugzeuge, die auf dem starten und landen können. 

Technisch anspruchsvolle Schiffe
Gebaut wurde das Schiff seit November 2013 von der „China Shipbuilding Industry Corporation“ (CSIC) in Dalian. Derzeit verfügt China über einen einzigen einsatzfähigen Flugzeugträger, die Liaoning. Das Schiff wurde 2012 in Dienst gestellt. 1998 war das in der Ukraine gebaute Schiff unfertig für 20 Millionen US-Dollar an einen chinesischen Geschäftsmann verkauft worden, der das Schiff angeblich zu einem Hotelschiff umbauen wollte. Ein Trick der Chinesen, um an die Militärtechnik zu kommen. Während die Liaoning aber über einen herkömmlichen Antrieb verfügt, soll der neue chinesische Flugzeugträger einen nuklearen Antrieb erhalten – wie sämtliche US-Flugzeugträger einen haben.
Japanischen Medienberichten zufolge denkt auch Tokio über die Anschaffung eines Flugzeugträgers nach. Da ein solcher aber auch für Angriffe genutzt werden kann, würde das gegen Japans pazifistische Verfassung verstoßen. Japans Izumo-Zerstörer ist bislang nur für den Transport von bis zu 14 Helikoptern ausgelegt. 
Die britische Marine hat derzeit in der schottischen Werft Rosyth mit der „HMS Queen Elizabeth“ und der „HMS Prince of Wales“ zwei Flugzeugträger im Bau, die 2021 und 2023 in Betrieb genommen werden sollen und zusammen rund acht Milliarden Euro kosten. Die Werft in Rosyth war 1997 von der Royal Navy privatisiert und von der Babcock International Group gekauft worden. Frankreich und Italien gaben im Oktober bekannt, ihre Großwerften STX und Fincantieri zu fusionieren. Aus den Unternehmen entsteht damit der größte europäische Hersteller von Kreuzfahrtschiffen, Spezialschiffen für Offshoretechnik – und Militärschiffe aller Größen und Klassen. Italien wird mit 51 Prozent der Anteile die Leitung der neuen Werftengruppe mit den Hauptbetrieben in Triest sowie in Saint-Nazaire an der Atlantikmündung der Loire übernehmen. Dort können Schiffe bis zur Größe von Flugzeugträgern gebaut werden. Deutsche Werften wie die Thyssen-Krupp Marine System, die Lürssen-Gruppe oder Blohm & Voss bauen keine Flugzeugträger, sondern vor allem Kreuzer und U-Boote. MARCO MENG