LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Johan Vanneste verlässt den Findel

Der Aufsichtsrat der Flughafen Köln/Bonn GmbH hat Johan Vanneste (57) zum Vorsitzenden der Geschäftsführung bestellt. Am Montag fand eine Pressekonferenz des Flughafens Köln/ Bonn statt, auf der der Vertrag mit drei Jahren Laufzeit bekannt gegeben wurde. Die Bestellung erfolgt spätestens zum 1. Juni 2018, im Falle früherer Verfügbarkeit auch bereits zum 1. Mai 2018.
Vanneste führt seit 2014 den Flughafen Luxemburg. Der Belgier folgt auf Michael Garvens, von dem sich die Flughafengesellschaft Köln/Bonn zum Jahresende 2017 in beiderseitigem Einvernehmen getrennt hatte. Garvens wird vorgeworfen, das Unternehmen um mehrere Millionen Euro geschädigt zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Untreue. Garvens bestreitet dies vehement.
Die Neubesetzung kommt ungelegen, denn Lux-Airport hat einige Projekte zu bewältigen. Die Entscheidung traf auch die Belegschaft überraschend, die erst am Montag informiert wurde. Ein möglicher Nachfolger ist noch nicht in Sicht. Der Aufsichtsrat will in einer außerordentlichen Sitzung jemanden für den Übergang suchen.


Freude und Knatsch in Köln
In Köln zeigte man sich erfreut: Zur Personalentscheidung des Aufsichtsrates erklärte dessen Vorsitzender, Friedrich Merz: „Der Aufsichtsrat ist dem einstimmigen Vorschlag des Präsidialausschusses heute ebenfalls einstimmig gefolgt.“ Auf den Neuen warten nicht nur Entwicklungsaufgaben. Der Aufsichtsrat will auch einen Kulturwandel in der Führung der rund 1.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Flughafens und in der Kommunikation mit der Öffentlichkeit. Das sagt einiges über die bisherigen Zustände aus.
Am Kölner Flughafen ist mit Vanneste innerhalb weniger Monate eine zweite Spitzenposition neu besetzt worden. Mitte Dezember war bereits der frühere CDU-Politiker Friedrich Merz zum neuen Aufsichtsratschef gewählt worden. Er ist aber nicht unumstritten. Kritische Kontrolleure, aber auch etliche Mitarbeiter des Flughafens werfen Merz vor, die Aufklärung der gegen Garvens erhobene Vorwürfe zu verschleppen, berichtet „Der Spiegel“. Unter anderem, weil Merz keine weiteren Gutachten zu den mutmaßlichen Verfehlungen in Auftrag geben wolle. Auf Wunsch mehrerer Kontrolleure soll Merz sich rechtfertigen und erläutern, welche weiteren Schritte er plant. Einige Aufseher wollen, dass der Flughafen vorsorglich schon mal Schadensersatzansprüche gegen Garvens und andere Führungskräfte anmeldet.
Der Luftfahrtingenieur Vanneste, der den Großteil seiner Laufbahn im Luftverkehrssektor verbracht hat, hatte klare Vorstellungen. Sein Ziel war es, den Flughafen Luxemburg in den Hauptflughafen der Großregion mit den erstklassigen Qualitäten eines großen internationalen Hubs, aber mit dem Charme und der Effizienz eines regionalen Flughafens zu verwandeln. Jetzt droht sich das durch die Kündigung zu verschleppen.

Fracht und Passagiere am Findel
Der Findel und seine Betreibergesellschaft Lux-Airport befinden sich in Staatsbesitz. Noch im Februar gab Lux-Airport die neuesten Zahlen bekannt. Der Flughafen Luxemburg erzielte demnach über 938.000 Tonnen Luftfracht, was eine Steigerung von 14 Prozent gegenüber 2016 bedeutet und den Findel zum sechstgrößten Frachtflughafen in Europa macht. Damit hat der Flughafen zehn Jahre nach der Finanzkrise alte Werte wieder erreicht. Der Anstieg beruht auf der international gestiegenen Nachfrage.
Um das Frachtgeschäft zu unterstützen, hat der Flughafen seit 2017 mit dem Ausbau des Frachtvorfeldes begonnen. Dadurch erhöht sich die Zahl der Parkpositionen von acht auf zwölf. Die ersten beiden sollen im September 2018 betriebsbereit sein. Für den Ausbau werden rund 40 Millionen Euro investiert. Darüber hinaus soll die Landebahn nachts über zwei Jahr bis 2020 erneuert werden. Zuletzt war es Ende Februar zu Flugausfällen gekommen, nachdem eine Boing Stücke der Piste herausgerissen hatte. Der Zustand der Landebahn wird schon länger bemängelt. Die vier Kilometer lange Landebahn ist wichtig für Frachtflieger.
Größter Frachtflieger am Findel ist nach wie vor Cargolux vor Qatar Airways, Atlas Air, Silk Way und China Airlines. Aber auch die besondere Beziehung zum Flughafen Zhengzhou treibt das Geschäft mit bis zu 15 wöchentlichen Flügen an. Cargolux schloss im Mai 2017 einen Luftfracht-Kooperationsvertrag mit Emirates SkyCargo, die seit Juni Luxemburg anfliegen. 2017 begann der Flughafen Luxemburg ferner mit dem Bau der neuen Cargolux-Zentrale. Das Gebäude entsteht neben der Wartungshalle von Cargolux, auf dem Gebiet der Gemeinde Sandweiler.
Die Zahl der Passagiere stieg ebenfalls kontinuierlich auf zuletzt 3,6 Millionen im Jahr 2017. Sie entwickelte sich besser als bei Konkurrenten wie Metz-Nancy-Lorraine oder Saarbrücken. Schon länger müssen Regionalflughäfen zittern. Denn die EU-Kommission hat 2014 neue Regeln für Subventionen erlassen, um auf diese Weise den Subventionswettlauf zwischen Regionalflughäfen zu stoppen, von dem derzeit vor allem Billigflieger wie Ryanair profitieren. Ab 2024 gilt: Wer über drei Millionen Passagiere hat, soll keine Betriebsbeihilfen mehr erhalten. Der Findel könnte profitieren, wenn kleinere Konkurrenten schließen. Jedoch muss er sich auf neue Einnahmequellen aufbauen. Zuletzt hatte Lux-Airport 2017 den Terminal B eingeweiht, in dem sich auch neue Geschäfte befinden.