So verrückt es klingen mag, gestern beschäftigte sich das nationale Büro für Flurneuordnung (Office National du Remembrement; ONR) mit einer Spätfolge des Wiener Kongresses. Mit einer Reihe von Unterschriften wurde das Flurbereinigungsverfahren für den „Laserbann“ in der Gemarkung der Gemeinde Mertert-Wasserbillig abgeschlossen. Gestern wurde die Flurneuordnungsurkunde in Mertert unterzeichnet.
Der „Laserbann“ geht auf die Grenzziehung des Wienerkongresses im Jahr 1815 zurück. Der Ort „Lasa“, zu Deutsch Langsur, lag plötzlich in Preußen, links der Sauer. Seine landwirtschaftlichen Anbaugebiete, Felder und Weinberge, lagen auf der rechten, der luxemburgischen Seite der Sauer. Bauern und Winzer behielten ihre Grundstücke zwar, mussten zur Bewirtschaftung aber täglich über die Grenze, dafür gab es sogar eine eigene Grenzbrücke. So entstand der „Laserbann“.
Die Langsurer waren daher auch die ersten Deutschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg wieder ihren Fuß auf luxemburgischen Boden setzen durften, um ihrer Landwirtschaft nachgehen zu können.
Großflächige Verbuschung
Über Jahrzehnte hinweg ist die landwirtschaftliche Aktivität in dem Sauerörtchen immer weiter zurückgegangen. Die Weinbergterrassen verbuschten immer mehr, die Grundstücke wurden quasi aufgegeben. Um dem ein Ende zu machen, hat die Gemeinde Mertert 2004 einen Antrag auf Flurbereinigung im Laserbann gestellt, um das Gebiet wieder aufzuwerten.
Ziel war es, auf einer Fläche von 21 Hektar die Weinbergbrachen wieder zu reaktivieren und die Erträge der noch bewirtschafteten Weinberge zu verbessern. Auf einer Fläche von 6,31 Hektar wurden die bestehenden Weinberge neu geordnet und ihre Hanglage, etwa durch Miniterrassen, optimiert. Auf einer Fläche von 5,29 Hektar wurden Terrassen für den Bioweinbau vorbereitet, 2014 wurde dort der erste Biowein gelesen.3,5 Hektar Weinbergsbrache werden durch eine extensive Beweidung mit Ziegen vor der Verbuschung bewahrt.
Als Kompensationsmaßnahmen, z.B für Wegebau, wurden 83 Ar Streuobstwiesen angelegt.
Die Gesamtkosten für die Bodenverbesserung (Melioration) belaufen sich auf 1.584.352 Euro. Vor der Flurneuordnung belief sich die Zahl der Eigentümer auf 133, denen 577 Parzellen, von durchschnittlich 9,13 Ar Größe, gehörten. Heute sind es 174 Parzellen, die sich auf 54 Eigentümer verteilen. Die Parzellen sind im Schnitt 30,32 Ar groß.



