LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Herbstprogramm im Mudam konzentriert sich zu großem Teil auf Werke aus eigenem Bestand

Einen besonderen Fokus richtet das Mudam in seinem Herbstprogramm auf die eigene Sammlung, dies in gleich drei Ausstellungen. Wie Direktorin Suzanne Cotter gestern während der Vorstellung zu Recht bemerkte, sei diese noch zu wenig bekannt, dabei umfasst sie beinahe 700 Werke aller Medien von Künstlern aus Luxemburg und der ganzen Welt. In der Tat handelt es sich um die bedeutendste Sammlung für Gegenwartskunst in Luxemburg. „Deshalb möchten wir zum einen gezielter auf diese Kollektion aufmerksam machen und zum anderen die Gelegenheit nutzen, uns selbst Gedanken zu machen, wie wir sie in Zukunft weiterentwickeln wollen“, so Cotter.

Sammlungsaufbau ab den 1990ern

„Es ist uns wichtig, die Einzigartigkeit dieser Kollektion zu unterstreichen, denn auch wenn es sich um eine junge Sammlung handelt, so hat sie doch eine starke Identität“, bemerkte auch die zuständige Leiterin Marie-Noëlle Farcy. Wenngleich die 1960er Jahre als historischer Bezugspunkt für die Gegenwartskunst gelten, würden 80 Prozent der Werke aus dem Mudam-Bestand aus der Zeit ab 1990 stammen, präzisierte Cotter. Die erste Direktorin Marie-Claude Beaud habe sich damals auf diese Zeit konzentrieren wollen.

Bemerkenswertes Gemäldeensemble

Da es der Malerei bislang etwas an Präsenz in dem Museum gefehlt habe, werde ihr zum Saisonauftakt eine große Ausstellung gewidmet. Eine Auswahl an Gemälden insbesondere aus den Jahren 1980 bis 1990 von bedeutenden Künstlern wie Michel Majerus, Albert Oehlen, Tina Gillen oder Helmut Federle wird dem Publikum vom 29. September bis zum 7. April auf 400 m² Ausstellungsfläche neue Einblicke in die Sammlung gewähren. Diese Gemälde legten seinerzeit das Fundament für die Mudam-Sammlung. Dem Besucher wird die Gelegenheit geboten, unterschiedliche künstlerische Positionen zu erkunden, die das Medium Malerei hinterfragen.

Neuer Blick auf die dekorativen Künste

Eine weitere Ausstellung mit Kunst aus dem eigenen Bestand eröffnet am 5. Oktober unter dem Thema „Art & Craft“. Präsentiert wird ein Werkensemble von sechs internationalen Künstlern (Wim Delvoye, Vincent Ganivet, Gaylen, Gerber und Michelle Grabner, Grayson Perry und Elmar Trenkwalder). „Mit dieser Schau richten wir einen neuen Blick auf die dekorativen Künste. Für die Produktion ihrer Arbeiten greifen diese Künstler alle auf handwerkliche Techniken zurück, wobei sie sich aber künstlerische Freiheit lassen und Grenzen überschreiten“, erklärte Marie-Noëlle Farcy.

Ebenfalls aus der Mudam-Kollektion wird die monumentale Filminstallation „Le Détroit“ (1999-2000) des international bekannten kanadischen Künstlers Stan Douglas präsentiert (5. Oktober bis 10. März). Das raumfüllende Werk beinhaltet eine Vielzahl visueller, literarischer und historischer Bezüge, die der Künstler zu einer erzählerischen Einheit verschmelzen lässt.

Monografie des Künstlers Jeff Wall

Zum ersten Mal wird Jeff Wall, einer der bedeutendsten Gegenwartskünstler, ab dem 5. Oktober in Luxemburg in einer großen Einzelausstellung unter dem Titel „Appearance“ zu sehen sein. „Er hat das Genre der Fotografie erneuert und unseren Blick darauf verändert“, sagte Kurator Clément Minighetti. Rund 30 beispielhafte Werke des Kanadiers werden zu sehen sein, so etwa „Picture for Women“ (1979), „The Storyteller“ (1986), „Restoration“ (1993) und „Morning Cleaning, Mies van der Rohe Foundation, Barcelona“ (1999), das Ganze im Dialog mit einer Auswahl jüngerer Fotografien. Geboten wird somit ein einzigartiger Überblick über Walls Schaffen seit den 1970er Jahren. „Sein Werk erneuert sich ständig und ist mit der Zeit diverser geworden. Eine ganz besondere Beobachtungsgabe zeichnet ihn aus“, bemerkte Minighetti, der in diesem Kontext auch von fotografischen Gemälden sprach.

Rund ums Design

Die Installation „Beyond the New“, die ab dem 12. Oktober zu sehen ist, wurde von der Designerin Hella Jongerius und der Design-Theoretikerin Louise Shouwenberg konzipiert und stellt das System des Designs auf provokative Weise in Frage. Das Werk kreist um die Tatsache, dass Designobjekte im Alltagsleben ganz anders wahrgenommen werden als bei ihrer Präsentation in einem musealen Kontext.

Um Design geht es auch vom 19. Oktober bis zum 18. November während der fünften Auflage des „Design City LX Festival“ in Zusammenarbeit mit der Stadt Luxemburg. Ausstellungen, urbane Interventionen, Vorträge und Gespräche zum Thema „Me craft, You industry, We design“ werden in diesem Rahmen von den verschiedenen Kulturinstitutionen der Stadt organisiert.

Last but not least wird am Wochenende vom 10. und 11. November eine Performance-Serie des US-amerikanischen Choreografen Trajal Harrell geboten. Zusammen mit fünf Tänzern stellt er eine Auswahl seiner jüngsten Kreationen vor sowie „The Untitled Still Life Collection“ (2010). „Mit diesem Performance-Wochenende setzen wir die Idee fort, die wir mit dem ,Red Bridge Project‘ und den unglaublichen Performances von Anna Teresa De Keersmaeker und ihrer Kompanie Rosas gestartet haben. Diese Linie, das heißt diese Transdisziplinarität, wollen wir in unserem Programm verstärken, um zu verdeutlichen, dass dieses Museum ein lebendiger Ort ist“, bemerkte die Mudam-Direktorin abschließend.

Alle Infos unter www.mudam.lu