NIC. DICKEN

Die Erde zu beherrschen, sie sich „untertan“ zu machen und sie nach eigenem Gutdünken zu formen und zu gestalten, ist ein alter Traum der Menschheit. Sehr vieles konnte dabei in die Wirklichkeit umgesetzt werden mit entsprechend positiven Auswirkungen auf die Entwicklung und das Wohl der Menschheit. Die wichtigsten Eingriffe dürften im Bereich der Rohstoffbesorgung anzusiedeln sein, wo von Kohle- und Erzgruben über den Abbau von in Millionen Jahren entstandenen Erdöl- und Erdgasvorkommen bis hin zum maßlosen Raubbau an den natürlichen Reserven der tropischen Regenwälder ungeheure Mengen nutzbarer Substanz der Erde entzogen und einer an sich sinnvollen, weil dem Menschen dienlichen, Verwertung zugeführt wurden.

Dass diese Eingriffe insgesamt nicht ohne Folgen bleiben, zeigt im Großen der seit Jahrzehnten anhaltende Klimawandel, der durch das zunehmende Ungleichgewicht der natürlichen Abläufe beschleunigt wird und die Weltbevölkerung insgesamt vor neue Herausforderungen stellt, deren Ausmaß allenfalls geahnt, nicht aber exakt berechnet werden können.

Im Kleinen haben zahlreiche Erdeinbrüche über alten Kohlebergwerken gezeigt, dass das mit der dauerhaften Absicherung von Wunden, die dem Untergrund geschlagen wurden, auf dem wir leben, so eine Sache ist. Weder die Wirksamkeit noch die dauerhafte Haltbarkeit solcher „Sicherungsmaßnahmen“ kann aufgrund der anhaltenden geologischen Verschiebungen an der Oberfläche und im Innern einer längst noch nicht zur Ruhe gekommenen Erde garantiert werden.

So ist denn auch das, was am vergangenen Freitag auf der alten Schlackenhalde zwischen Esch-Alzette und Monnerich passierte, nicht das einzige, sondern vielmehr das bislang wohl spektakulärste Beispiel dafür, dass auch Luxemburg vor der Unbill selbstgeschaffener Bedrohungen durch eine nach strikten Naturgesetzen funktionierende Umwelt nicht gefeit ist. Wie wenig die Reaktivität eines in seiner Struktur gestörten Untergrundes sich berechnen und voraussagen lässt, hatte sich ja erst vor einigen Monaten auf der Monsterbaustelle Belval gezeigt und die Dauerbaustelle Autobahntunnel Remerschen - oder sollen wir auf den „Gousselerbierg“ verweisen? - wird uns, allen Untersuchungen und Studien zum Trotz, wohl noch jahrzehntelang beschäftigen.

Markante Eingriffe in die Natur, auch wenn wir das lange nicht wahrhaben wollten, sind und bleiben ein gefährliches Spiel mit Kräften, deren Ausmaße wir wohl nie ganz werden kalkulieren können. Und selbst wenn wir der Auffassung sein mögen, diese Schlackenhalde habe sich ja seit ihrer Anhäufung über die letzten 100 Jahre hinweg nicht bewegt, so müssen wir doch erkennen, dass ein solcher Zeitraum im Vergleich zur Erdgeschichte eher wie ein Klacks anmutet.

Die Erosion durch Überschwemmungen in den Regionen früherer Regenwälder, der Einsturz ehemaliger Bergwerksstollen, der Erdrutsch an der Schlackenhalde und die damit jeweils verbundenen Kosten sind Beispiele dafür, dass wir im Umgang mit unserer gewachsenen Umwelt im ureigenen Interesse sehr viel mehr Rücksicht und Fürsorge gelten lassen sollten.