LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Immer mehr Investoren legen ihr Geld im Sinne des Gemeinwohls an und unterstützen Themen, die bis vor kurzem noch von NGOs vertreten wurden

Bei den Fonds sind die Guten in der Mehrheit. Das jedenfalls vermittelt eine Studie von Preqin, die festgestellt hat, dass 53 Prozent der Fonds schriftlich fixierte Regeln für Investitionen in Umwelt, Gesellschaft oder soziale Belange festgelegt haben oder sie gerade erhalten. Verantwortung ist offenbar King bei den Fondsmanagern, nicht erst seit der norwegische Staatsfonds nicht mehr in Erdöl, Waffen und Zigaretten investieren will. Tatsächlich gehen „Asset Manager“ und sogar Pensionsfonds, aber auch reiche Individuen Themen an, die bislang eher von NGOs besetzt wurden. Und sie machen dabei Profit. Für die Themen „environment, social and governance“ hat sich das Kürzel ESG durchgesetzt. Es ist ein Must in der Branche.

Auch in Luxemburg ging es am Mittwochmittag um Investment mit Verantwortung. Rund 50 Interessenten waren der Einladung der „Luxembourg Private Equity & Venture Capital Association (LPEA)“ gefolgt. Der 2010 gegründete Verband zählt rund 160 Mitglieder in Luxemburg und hat sich neben der Außenvertretung und der Unterstützung der Regierung auch Veranstaltungen für die Mitglieder auf die Fahnen geschrieben. So fand Ende Februar unter „Managing Director“ Paul Junck beispielsweise ein Workshop zu „Initial Coin Offerings“ (ICO) statt und am 24. April gibt es eine Konferenz zu „Impact Investing“. In dieser Woche allerdings ging es darum, wie sich Geld mit einem guten Zweck verdienen lässt.

17 Ziele der UN leiten Investoren

Das erläuterte Hedda Pahlson-Moller, die selbst CEO von „Tiime“ ist und die Regierung berät. „Das Thema ist seit zehn Jahren aktuell“, versicherte die Expertin. Was aber ist gut? Pahlson-Moller verweist auf die Vereinten Nationen, die 17 nachhaltige Entwicklungsziele festgelegt haben, die „Sustainable Development Goals“, die sich in 169 Punkte unterteilen. Zu den 17 Schlagworten gehören beispielsweise keine Armut, kein Hunger, Gleichberechtigung, sauberes Wasser, Klimaziele oder nachhaltige Städte und Gemeinden. „Rund um diese Themen bauen wir ein Investment auf. Jeder Investor muss sich fragen, was das für ihn oder sie persönlich bedeutet“, unterstreicht die Expertin. „Das ist sehr persönlich. Aber diese Ziele sind es wert.“ Ihrer Meinung nach sind Investoren unbedingt nötig. „Weder die Regierungen, noch die NGOs, noch Philanthropen können langfristig diese Herausforderungen managen.“

Zahlreiche Investoren haben sich dieser Themen jedoch angenommen, nicht nur in Luxemburg. Praktische Beispiele schilderte Jérôme Wittamer, Gründer und Partner von Expon Capital, das in die Lese-Share-Plattform „Glose“ oder den Programmierer-Upgrading-Service „Catalyte“ investiert. Andere Einblicke kamen von Clément Chenost, „Investment Director“ beim Moringa Fund, den er mitgegründet hat.

Weiterer Partner des 2010 gegründeten Fonds sind „Edmond de Rothschild Private Equity“, das zur Rothschild-Gruppe gehört, und ONF International. Letzterer ist eine Filiale des „Office National des Forêts“ (ONF), der nationalen Forstverwaltung in Frankreich. Moringa investiert 84 Millionen Euro unter anderem in Lateinamerika und Landstrichen südlich der Sahara in Afrika. „Die Menschen brauchen Nahrung, ihre Zahl wächst. Wir wollen die Qualität der Nahrung, aber auch die des Lebens der Landbevölkerung verbessern“, erläutert Chenost. Der in Frankreich und der Schweiz ansässige Fonds verlangt für das größere Risiko höhere Renditen. Jedoch folgt Moringa nicht der Idee, möglichst große Farmen zu unterstützen, sondern setzt im Gegenteil auf kleine, lokale Unternehmen.

Bei Moringa beispielsweise ist es Cafetalera Nica-France, ein kleiner Kaffeebauer aus Nicaragua. „Wir wollen Arbeitsplätze schaffen“, versichert Chenost. „Wir unterstützen 20.000 Kleinbauern.“ Aber auch Asante, eine kenianische Baumschule für tropische Hölzer, der Cashew-Nuss-Verarbeiter Tolaro Global in Benin oder der brasilianische Holz- und Lebensmittelproduzent Floresta Viva, bekannt für Palmherzen, gehört zum Portfolio. Damit die „ESG“-Ziele stimmen, folgt Moringa Richtlinien. Und auch die UN darf nicht fehlen: Zehn der 17 Ziele will der Fonds erreichen - und sieht sich auf einem guten Weg.