Der 1988 gegründete luxemburgische Fondsverband ALFI hat seit kurzem erstmals eine Frau an der Spitze. Die aus Boston stammende US-Amerikanerin Denise Voss kam einst für geplante zwei Jahre nach Luxemburg. Daraus wurden mittlerweile 25 Jahre. Voss, die sich beim europäischen Fondsverband EFAMA für Investmentwissen und Nachhaltigkeit stark macht, möchte auch die luxemburgische Branche dafür sensibilisieren - und sieht noch viele andere Herausforderungen.
Investmentwissen und Ausbildung gehört zu Ihren Spezialitäten?
Denise Voss Exakt. Wir haben erkannt, dass wir beim Thema „Wissen rund um Investmentfonds“ einen Schwerpunkt setzen und dem normalen Privatanleger dieses Wissen näher bringen müssen. Als ersten kleinen Schritt hatte der luxemburgische Fondsverband darum „Investor Center“ auf der Alfi-Webseite geschaffen, das sich an Nicht-Professionelle Investoren richtete, sowie die erste Serie an Podcasts gestartet, die Basiswissen vermitteln sollen und auf einiges Interesse gestoßen sind.
Nach einiger Zeit, um mehr potenzielle Investoren zu erreichen, haben wir dann eine eigene Webseite „understandinginvesting“ geschaffen, wobei wir als Verband Wert darauf legen, so neutral wie möglich zu sein. Es geht nicht um Produkte, sondern um das Mittel, mit Investmentfonds zu sparen und Geld anzulegen. Eine zweite Serie an Podcasts, die wir dann starteten, handelt nicht von speziellen Investmentthemen, sondern behandelt die vier Lebenszyklen: Studenten, junge Erwachsene, Menschen im mittleren Lebensalter, Pensionäre. Anhand dieses generellen Profils wird dem Interessierten geholfen zu analysieren, welche Investments für dieses Lebensalter infrage kommen könnten. Um transparent zu sein, reden wir auch von den Kosten und Risiken, die Investitionen ja stets auch haben.
Eine der größten Herausforderung für unsere Branche in Europa wird die kommenden Jahre die sein, dass der Fondsvertrieb bislang nicht direkt war und nie der Endkunde direkt angesprochen wurde, sondern alles über Banken oder Versicherer lief.
Fonds wollen sich also jetzt direkt an den privaten Anleger wenden?
Voss Wir haben da gar keine Wahl. Das ist, wie die Menschen jetzt investieren. Üblicherweise ging man zu seiner Bank und fragte, was man zur Altersabsicherung oder für die Ausbildung seiner Kinder tun kann oder wie man Geld zum späteren Hauskauf anlegen kann. Das ändert sich aber, sogar schneller als wir denken. Wenn ich an meine 15jährige Tochter denke: Sie wird Fondsanteile mit dem iPhone kaufen. Sie wird dazu keine Bank betreten.
Die Branche ist zu dem Schritt auch gezwungen, da mit Alibaba, Google und anderen auch neue Wettbewerber aufgetaucht sind?
Voss Ja, und diese neuen Akteure sind da, weil sich das Kundenverhalten geändert hat und erst recht der Kunde von morgen danach verlangt. Viele mögen jetzt sagen, ja, das wird später einmal geschehen. Aber es fängt jetzt schon an. Im Vereinigten Königreich, wo viele Menschen sich sträuben, einen Finanzberater zu bezahlen, haben sich schon sogenannte „Robo-Adviser“ im Internet etabliert, die Investmentempfehlungen geben. Wir haben also unser Geschäft auf die herkömmliche Weise genauso zu tun wie auch auf diese neue Art. Als Alfi-Vorsitzende sehe ich es als eine meiner Hauptaufgaben an, dass unsere Mitglieder und alle Akteure in Luxemburg verstehen, dass wir jetzt daran arbeiten müssen. Eine Möglichkeit übrigens, die uns dabei hilft, ist die Zusammenarbeit mit FinTech-Unternehmen. Die letzten Jahre hatten uns die staatlichen Reglementierungen und deren Umsetzung sehr beschäftigt, jetzt ist es an der Zeit, diese Herausforderung anzunehmen, erst recht, wo die Kapitalmarktunion ansteht und es darum geht, durch Investitionen Europas Wirtschaft einen Schub zu verleihen und Arbeitsstellen und Wirtschaftswachstum zu schaffen.
Die steigenden Zahlen zeigen ja, dass Fonds durchaus beliebt sind
Voss UCITs sind tatsächlich ein sehr attraktives Mittel, längst auch schon außerhalb der Europäischen Union. Traditionell sind diese Fonds bei Privatanlegen beliebt, aber auch bei institutionellen Investoren, ob Versicherungen oder Pensionsfonds. Ein Vorteil neben dem starken Anlegerschutz ist die Tatsache, dass UCITS als Umbrellafonds aufgelegt sein können, deren Subfunds verschiedene Investoren ansprechen. Eingedenk der Tatsache, dass jeder Unterfonds auch noch diverse Anteilsklassen - zum Beispiel mit verschiedenen Währungen - haben kann, bieten UCITs tatsächlich eine große Spannweite. Aber auch die alternativen Investmentfonds gewinnen sicherlich nach der AIFMD-Regulierung weiter an Zuspruch.
Dennoch ist der Anteil der Leute, die Fondsanteile haben, in Europa noch eher gering.
Voss Ja. Und hier kommt der zweite wichtige Faktor ins Spiel: Die „älter“ werdende Gesellschaften, was notwendig macht, dass die Menschen mehr und mehr sich auch selbst um die Altersvorsorge kümmern müssen. Hier sind Investmentfonds das ideale Werkzeug, dieses Ziel zu erreichen. Lasse ich mein Geld auf dem Bankkonto oder unter der Matratze, passiert nichts, während ich mit Investmentfonds der Realwirtschaft nütze.
Understandinginvesting.org


