LUXEMBURG
DR. ANDREAS KÖNIG

Die von der „anonym Glécksspiller“ asbl getragene Beratungsstelle „ausgespillt“ bietet Beratung und ambulante Therapie sowie Selbsthilfegruppen sowohl für Betroffene als auch für Angehörige im Bereich nicht-stoffgebundener Süchte an. Der Arbeitsschwerpunkt liegt im Bereich Glücksspiel- und Mediensucht. Darüber hinaus betreibt sie Präventionsarbeit und bietet Fortbildungen an. Diplompsychologe Dr. Andreas König hat die Leitung der Beratungsstelle in diesem Jahr übernommen.

„PC, Tablet oder Smartphone sind aus unserem Alltag in Freizeit, Schule und Beruf nicht mehr wegzudenken. Ein kompetenter Umgang damit ist sozial in vielerlei Hinsicht wünschenswert und erzeugt auch viele Erfolgserlebnisse und positive Emotionen. Die Selbstverständlichkeit der oft intensiven und alle Lebensbereiche durchdringenden Nutzung macht es für Betroffene und Außenstehende schwierig zu erkennen, wann im fließenden Übergang die Grenze zu einer problematischen oder gar pathologischen Grenze überschritten wird.

Im Bereich der dysfunktionalen Nutzung internetfähiger Medien wie Smartphones liegen für Luxemburg mittlerweile repräsentative Zahlen für den Kinder- und Jugendbereich vor. Mit 10,1 Prozent problematischem und 3,4 Prozent süchtigem Nutzungsverhalten bzw. 7,1 Prozent und 2,2 Prozent bei Computerspielen liegen die Zahlen auf ähnlichem Niveau wie im europäischen Ausland, nur dass dort, wie auch im Bereich der Glücksspielsucht, mehr getan wird. Bei Erwachsenen zwischen 25 und 64 Jahren weist die repräsentativste europäische Studie zur Internetsucht auf eine Prävalenzrate von 0,7 Prozent hin. Bei Computerspielen schwanken die Studienergebnisse bei Erwachsenen zu stark, um verlässliche Aussagen zu machen.

Was Glücksspielsucht angeht, gehen wir konservativ geschätzt von über 2.000 Fällen in Luxemburg aus, wenn wir die Zahlen unserer Nachbarländer zugrunde legen. Davon findet allerdings nur ein Bruchteil in eine Beratung oder Therapie.

Obwohl wir inhaltlich durchaus Anerkennung für unsere Expertise und geleistete Arbeit im Schnittpunkt der Zuständigkeit verschiedener Ministerien (Gesundheit, Erziehung und Familie) erhalten, gibt es noch immer keine staatliche Finanzierung einer Stelle, so dass unsere Arbeit bislang nur durch finanzielle Zuwendungen der Oeuvre Nationale de Secours Grande-Duchesse Charlotte und großes ehrenamtliches Engagement von Mitgliedern des Verwaltungsrats gewährleistet werden konnte. Zwar übernimmt das Gesundheitsministerium die laufenden Kosten unserer Einrichtung. Um eine fachgerechte Versorgung von Betroffenen und deren Angehörigen überhaupt dauerhaft gewährleisten zu können, ist und bleibt das wichtigste kurzfristige Ziel aber eine Sockelfinanzierung für entsprechende Stellen. Wir müssen hier dringend auf einen Versorgungsschlüssel kommen, mit dem sich ein so wohlhabendes Land nicht vor seinen Nachbarn schämen muss.

Mittelfristig möchten wir insbesondere dem dringlichen und steigenden Bedarf im Bereich exzessiver Mediennutzung angemessen begegnen und uns als dezidierte Anlaufstelle bekannter machen. Denn unsere Klienten berichten, dass sie zwar zuvor von anderen Suchthilfeeinrichtungen gehört haben, diese aber nicht aufsuchen würden, weil sie sich in ihrem Selbstverständnis oft explizit von stoffgebundenen Süchten distanzieren.“

ausgespillt.lu