LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Mit Nairy Baghrmian und Adam Linder startet das Mudam sein künstlerisches Programm 2019

Die Werke der ersten beiden Künstler, mit denen das Mudam sein künstlerisches Programm der Winter-/Frühlingssaison 2019 startet, machen deutlich, wie vielfältig zeitgenössische Kunst sein kann. Weder beschränkt sie sich auf eine Ausdrucksform, noch auf das Innere eines Museums. Zum einen wäre da die Künstlerin Nairy Baghramian, die 1971 in Iran geboren wurde und seit ihrer Flucht im Jahre 1983 in Berlin lebt. Drei unterschiedlich bemalte Bronzeskulpturen der Serie „Privileged Points“ werden derzeit präsentiert: eine davon im Mudam und zwei weitere im „Park Dräi Eechelen“. Zum anderen wäre da die Ausstellung der fünf „Choreographic Services“ des Tänzers und Choreografen Adam Linder, der 1983 in Sydney geboren wurde und nun in Los Angeles lebt.

„Das Mudam legt Wert auf die vielfältigsten Formen des zeitgenössischen Kunstschaffens. Mit den Werken von Nairy Baghrmian möchten wir unseren Willen untermauern, die Türen des Museums nach außen und zur Stadt hin zu öffnen. Und mit den choreografischen Arbeiten von Adam Linder möchten wir unsere Zielsetzung verdeutlichen, unser Programm in alle Richtungen zu öffnen und zeitgenössische Kunst in all ihren Formen zu zeigen“, erklärt
Mudam-Direktorin Suzanne Cotter.

Mehr Sichtbarkeit für die Sammlung

Auch das Bestreben, seiner Sammlung mehr Sichtbarkeit zu verleihen, wird einmal mehr erfüllt: Das erste, was dem Besucher im „Grand Hall“ ins Auge sticht, ist eine Skulptur der iranischen Künstlerin, die im letzten Jahr vom Mudam erworben wurde. Nairy Baghramian selbst spricht von einem „monumental welcome to the museum“. Die anderen beiden Skulpturen der Serie „Privileged Points“ - alle drei sind kreisförmig in ihrer Gestaltung und haben einen Durchmesser von etwa fünf Metern - befinden sich außerhalb der Museumsmauern. Damit wird gleichzeitig der Wunsch des Museums symbolisiert, ein Konzept für Kunst im öffentlichen Raum zu erstellen. Obwohl die drei Werke der gleichen Serie angehören und sich demnach in ihrer geschwungenen Form sehr ähneln - sie wirken dynamisch, schwerelos und versinnbildlichen Lebenskraft -, sind sie jede für sich einzigartig. Noch dazu ändern Wahrnehmung und Wirkung je nach Umfeld.

Fast die gleiche Skulptur im Kontext eines Museums und vor der einzigartigen Kulisse der Stadt, demnach im Zusammenspiel mit dem kulturellen und gesellschaftlichen Umfeld zu sehen, ist eine interessante Erfahrung. Im Museum betrachtet man sie mit den Augen, im Außenbereich ist sie deutlicher in das alltägliche Leben eingebunden, wird zweifelsohne angefasst und sogar als Sitzgelegenheit genutzt, dessen ist sich auch die Künstlerin bewusst. „Ohnehin kann man das bei Werken im öffentlichen Raum nicht kontrollieren oder verhindern“, sagt sie. Die hängenden Farbtropfen sind derweil nicht zufällig entstanden, vielmehr sollen sie die Idee des Temporären widerspiegeln. „Sie sollen den Eindruck vermitteln, als würde die Skulptur schmelzen, als wäre sie in Bewegung“, bemerkt die Künstlerin.

Choreografierte Ausstellung

Zurück ins Museumsinnere: Zum ersten Mal ist Adam Linders choreografierte Ausstellung - ein Zyklus von fünf Stücken unter dem Titel „Full Service“ - in Europa zu sehen. Suzanne Cotter beschreibt ihn als „einen der interessantesten Choreografen und Tänzer unserer Zeit“. Seit einigen Jahren schaffe er choreografische Werke speziell für Darbietungen abseits der Bühne, jenseits des Theaterkontextes demnach, insbesondere im Dialog mit den Künsten. Damit unternimmt das Mudam einen weiteren Schritt im Streben nach Multidisziplinarität. Linder reflektiert in seiner Arbeit über die Bedeutung der Performance in dienstleistungsorientierten Ökonomien. Im Mudam werden die fünf „Dienstleistungen“ - also „Full Service“ - bis zum 3. März aufgeführt. „Privileged Points“ läuft bis zum 22. September.


Alle weiteren Infos unter www.mudam.lu