Es muss die Hölle gewesen sein, als in der Weihnachtswoche 1683 Tag und Nacht Bomben und Granaten auf Luxemburg niedergingen. Der Moment war von den Franzosen, die bereits seit Ende November vor den Toren standen und seit dem Frühjahr 1681 plündernd durch das Herzogtum Luxemburg gezogen waren, strategisch gewählt: Das Dauerfeuer hielt die Besatzung der Festung auch davon ab, das Weihnachtsfest in Ruhe zu feiern. Zusätzlich zur permanenten Todesangst, den immer wieder entstehenden Feuersbrünsten und der Lebensmittelknappheit ein weiterer Schlag gegen die Moral. Es sollte allerdings noch bis zum 3. Juni 1684 dauern, bis Ludwig XIV. am Ziel war und die spanische Garnison vor Marschall François de Créquy und dem Kommandanten der Belagerung, Sébastien Le Prestre de Vauban kapitulierte.
Pfaffenthal: Abgeriegelt
Wer etwa vom Fort Obergrünewald aus auf die Stadt blickt, kann sich ausmalen, welche Szenen sich während der Belagerung in der Festung abgespielt haben müssen. Spuren von dem Angriff gibt es heute kaum mehr - außer der Eisenkugel, die auch mehr als 340 Jahre danach noch im Turm der St. Michel-Kirche auf dem Fischmarkt steckt. Wer gut hinschaut, entdeckt sie an der linken Turmecke, etwa auf der Höhe des Fensters unter der Uhr. Dort beginnen wir unsere Tour auf den Spuren von Ludwig XIV. und seinem berühmten Militärarchitekten Vauban, der Luxemburg nach der Einnahme in knapp drei Jahren zu einer der stärksten Festungen Europas ausbaute und dessen Werk das Gesicht der Hauptstadt bis heute prägt. Unser Weg führt uns meist über den „Vauban“-Rundweg, der eigentlich am Bockfelsen beginnt und zunächst an den mittelalterlichen „dräi Tiirmchen“ vorbei ins charmante Pfaffenthal führt - vor 1684 eine Schwachstelle in der Befestigung -, das Vauban durch zwei wuchtige Türme und eine Brückenmauer („Béinchen“ genannt) verriegeln ließ.
Dem Feind nicht die Höhen überlassen
Vom „Siechentor“ aus steigen wir nach oben zum 1685 errichteten Fort Niedergrünewald und anschließend zum Fort Obergrünewald, oberhalb dessen das Fort Thüngen oder „Dräi Eechelen“ steht. Von dort aus hat man einen einmaligen Blick auf die Stadt. Den Feinden diesen Blick eben nicht zu gewähren, war eines der Ziele Vaubans, der die Bedeutung der Befestigung der Höhen um eine Stadt erkannt hatte. Runter geht’s nach Clausen, wo einst das ebenfalls von Vauban verstärkte Mansfeldtor den Zugang zur Festung von Nordosten her versperrte. Hier bieten sich zwei Optionen: Entweder man wandert unter der Eisenbahnbrücke an der Jugendherberge vorbei und steigt dann direkt zum Bockfelsen hinauf.
Abstecher auf die „Rhum“
Oder - unsere Wahl - man steigt über die Tour Jacob-Straße auf das „Plateau du Rham“ hoch, wo Vauban Kasernen errichten ließ. Heute befindet sich dort ein Alters- und Pflegeheim. Die nächste Etappe führte uns an der Abtei Neumünster vorbei und auf das Heilig-Geist-Plateau hinauf, das der Militärarchitekt einst zu einer mächtigen Zitadelle ausbauen ließ, die im Falle des Falles vom Rest der Stadt getrennt werden konnte. Vieles ist bei der Schleifung der Festung 1867 und bei späteren Bauarbeiten natürlich verschwunden. Was genau, das kann sich der Wanderer auf den zahlreichen Informationstafeln anlesen. Wer sich dafür Zeit nimmt, ist allerdings schon einen ganzen Nachmittag auf dem „Circuit Vauban“ unterwegs, der neben gutem Schuhwerk auch einiges an Ausdauer fordert. Aber es lohnt sich auf jeden Fall.
Die Streckenführung: tinyurl.com/
circuitvauban - Reservierung für geführte Touren: www.lcto.lu




