CONTERN
CORDELIA CHATON

CHAMP Cargosystems und die japanische CCSJ machen Cargofracht verfolgbar wie Päckchen

Die Gästeliste zeigte schon, dass es ein ganz besonderer Event war: Der japanische Botschafter Shigeji Suzuki und sein erster Sekretär Takami Osaki waren ebenso da wie Robert Dennewald, Vizepräsident der Handelskammer und Patrick Nickels, Leiter der Generaldirektion des Wirtschaftsministeriums. Auch Maxim Straus, Finanzvorstand der Cargolux International, war am Dienstagvormittag in die Räume von CHAMP Cargosystems gekommen, ebenso wie Malik Zeniti, Manager des Clusters for Logistics.

Offiziell war der Anlass einfach: Die Cargolux-Tochter CHAMP Cargosystems und das japanische Unternehmen „Community Cargo System Japan“ (CCSJ) haben am Dienstag einen Vertrag über einen cloudbasierten Cargonachrichtensystem bei CHAMP Cargosystems im Gewerbegebiet „Weiergewan“ in Contern unterzeichnet.

Lokaler Platzhirsch und globaler Riese

Dahinter steckt allerdings weit mehr - was auch die Anwesenheit der rund 30 Gäste erklärt. Zum einen ist da CCSJ. Dabei handelt es sich um das einzige System in Japan, das alle Beteiligten - Frachtflieger, Fluglinien, Handling-Dienste und Speditionen - miteinander verbindet. CSSJ ist das System für Fracht schlechthin in Japan. Damit passt es ideal zum global agierenden CHAMP Cargo.

„Wir decken 80 Prozent des weltweiten Marktes mit unserem Informationsnetz ab“, betonte Arnaud Lambert, CEO von CHAMP Cargo, in seiner Rede. „Die Kombination aus dem heimischen japanischen Angebot, kombiniert mit unserer globalen Reichweite, wird Mehrwert schaffen.“ Der weltweite Markt sei zu 80 Prozent digital. „Durch den Deal erhalten wir Zugang zum japanischen Markt und können die globale Logistikkette ausweiten und komplett digitalisieren“, unterstreicht Lambert. Bislang verfügt er über einen Mitarbeiter in Japan und Büros in Singapur und Malaisia. „Wir werden in Japan auch ein Büro mit lokalen Mitarbeitern eröffnen“, ist Lambert überzeugt. Zur Feier des Tages schenkte er seinem Geschäftspartner einen handbemalten Villeroy&Boch-Teller, auf dem die Namen der Vertragspartner festgehalten sind.

Ein stiller Riese im Cargo-Bereich

CHAMP Cargosystems ist eigentlich nur Insidern ein Begriff. Doch tatsächlich hat CHAMP Cargosystems hat den weltweit größten Messengerdienst samt Plattform im Cargo-Bereich. Das Unternehmen beschäftigt rund 500 Mitarbeiter und setzt 65 Millionen Euro pro Jahr um. CHAMP Cargosystems wurde 2004 als Cargolux-Tochter gegründet, ein Jahr später wurden 51 Prozent an die britische Tochter des Schweizer Anbieters Sita verkauft. Sita ist die „Internationale Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt-Telekommunikation“ und der weltweit führende IT- und Kommunikations-Spezialist für Luftverkehr. CHAMP Cargosystems kaufte Unternehmen zu und gründete 2014 seine eigene Tochter CHAMP Forwarding Systems SA..

Weltweit betreibt CHAMP Cargosystems sieben eigene Büros. Zu den Kunden der Buchungsplattform gehören Airlines wie Cathay Pacific, China Airlines, Lufthansa Cargo und Ethihad Cargo. Zu den Abwicklern am Flughafen Swissport, Skyport und der Wiener Flughafen, im Frachtbereich sind unter anderem Schenker und Kühne+Nagel Kunden. Über den Dienst laufen mehr als 300 Millionen Nachrichten jährlich, er wird von rund 15.000 Nutzern eingesetzt.

Fracht wie Päckchen verfolgen

Der Zusammenschluss ermöglicht in der Luftfahrtbranche das, was bei Privatpersonen längst üblich ist: Die Verfolgung der Fracht bis zur Ankunft. Das läuft wie die Verfolgung eines Päckchens, auf das ein Käufer wartet. Solche Projekte wurden zwar immer wieder angedacht, lagen in der Luftfracht aber in den letzten Jahren auf Eis. Jetzt aber kann CHAMP Cargosystems zumindest in Japan diesen Service anbieten. „Wir sind sicher, dass das erfolgreich sein wird“, betonte Kazo Hirabayashi, Präsident von CCSJ. Er unterstrich, dass sein Unternehmen schon lange mit CHAMP Cargosystems zusammen arbeite. Auch Handelskammer-Vizepräsident Dennewald ging in seiner kurzen Rede darauf ein, dass diese Unterschrift die Dynamik der japanisch-luxemburgischen Beziehungen zeige und diese stärke. Cargolux-Finanzvorstand Straus scherzte: „Ich bin überzeugt, Cash ist King. Aber Data ist auch King“!

Wirtschaftsmission nach Japan wichtig

Doch nicht nur Daten sind entscheidend, sondern auch Kontakte. Für beide Unternehmen war die Wirtschaftsmission Ende November 2017 nach Japan ein wichtiges Ereignis, das zur jetzigen Unterschrift geführt hat. Mit dabei waren neben Großherzog Henri auch Wirtschaftsminister Etienne Schneider, der sich sehr zufrieden über die Unterschrift zeigt, aber auch Finanzminister Pierre Gramegna, der selbst zuvor Botschafter Luxemburgs in Japan gewesen war. Gramegna hatte schon damals auf mehr Austausch hingearbeitet. Als Präsident der Luxemburger Handelskammer von 2003 bis 2013 saß er in verschiedenen Aufsichtsräten - unter anderem bei der Cargolux - und kannte daher die Sorgen des Unternehmens. Gleichzeitig wusste er, wie wichtig den Japanern langfristige Beziehungen sind.

Kooperation: Tokio 33 Jahre später

Diese Anstrengungen und die Wirtschaftsmission wurden am Dienstag Abend mit einem besonderen Ereignis belohnt: Erstmals hob vom Findel eine Cargolux-Maschine zum Narita Airport nach Tokio ab, 33 Jahre nach dem ersten Flug nach Fukoka, bei der Nippon Cargo Airlines (NCA) auch Fracht zubuchen konnte. Denn Cargolux kooperiert jetzt mit NCA im Cargobereich zwischen Japan und Europa. So fliegt Cargolux ab dieser Woche einmal wöchentlich vom Findel nach Japan und lässt NCA zuladen, während umgekehrt NCA von Frankfurt/Hahn nach Tokio fliegt und Cargolux auf dieser Strecke zubuchen lässt. Das wird dadurch vereinfacht, dass beide Airlines mit einem Boeing 747 fliegen. An Bord ist nicht viel Platz für Passagiere mit nur sechs Sitzen und zwei Betten. Aber Cargolux-Aufsichtsratspräsident Paul Helminger, CEO Richard Forson und Straus fliegen mit.