LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Fedil mahnt zur Vorsicht, freut sich über den Beschäftigungspakt und will mehr Flexibilität

Arbeitsorganisation und die Sorgen der Betriebe beschäftigen den Industrieverband Fedil. Bei der traditionellen Rentrée-Pressekonferenz gestern ging es der Fedil darum, zu mahnen. „Noch sind wir nicht da, wo wir 2010 standen“, unterstreicht Fedil-Direktor Nicolas Soisson. „Die internationalen Perspektiven bleiben unsicher, geopolitisch wie auch sonst.“ Er sieht die Produktivität der Betriebe nicht so positiv und will deren Konkurrenzfähigkeit stärken. „Das ist ein fragiles Umfeld, da dürfen wir nicht die Früchte des Wachstums verteilen, bevor sie nicht sicher sind“, sagte er in der Handelskammer.

Außergewöhnlicher Pakt

Fedil-Präsident Robert Dennewald zeigte sich sehr erfreut über die Regierung, die ihre Zusagen, die Steuern und Sozialabgaben nicht zu erhöhen, gehalten habe. „Das Partenariat pour l´emploi, das wir mit der Regierung geschlossen haben, ist einzigartig in der luxemburgischen Geschichte“, freute er sich. „In drei Jahren werden über 5.000 Leute eingestellt.“ Laut dem Fedil-Präsidenten zeige dies, dass sich etwas erreichen lässt, wenn alle an einem Strang ziehen. Bei dem von ihm angesprochenen Programm hatten die Unternehmen sich die Fedil-Mitglieder verpflichtet, in diesem Zeitraum 5.000 Mitarbeiter über die Adem einzustellen. Viele von ihnen hatten die Zusammenarbeit mit der Adem aus Frust aufgegeben. Dennewald verwies allerdings auf die Modernisierung der Arbeitsvermittlungsagentur. Die Adem hatte sich denn auch im Gegenzug verpflichtet, ihre Dienstleistungen den Bedürfnissen der Unternehmen anzupassen. Nun melden die Betriebe offenbar mehr Stellen. Dennewald verwies auf 17.150 Arbeitssuchende im August, die mit diesem Wert deutlich unter den 19.468 Arbeitssuchenden im Januar lagen. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Stellenangebote von 4.130 auf 1.969. Auch Soisson unterstrich: „Die Zahl der angebotenen Arbeitsplätze stieg um 20 Prozent.“ Die Fedil wolle selbstverständlich weiter mit der Adem zusammen arbeiten. „So können wir zusammen etwas gegen die Arbeitslosigkeit tun“, sagte der Fedil-Direktor.

Mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit

Ein großes Thema mit politischem Sprengstoff-Potential ist die Organisation der Arbeitszeiten, die zur Zeit diskutiert wird. Dabei geht es um die mögliche Abweichung von der 40-Stundenwoche und einen Ausgleich von Spitzen innerhalb einer bestimmten Zeitspanne. Diese Zeitspanne - Referenzperiode genannt - beträgt derzeit in Luxemburg vier Wochen.

„Im internationalen Vergleich stehen wir damit nicht gut dar“, warnte Soisson. „In Frankreich sind es drei Monate, in Deutschland sechs Monate, in Ländern wie Griechenland oder Österreich vier Monate.“ Angesichts der konjunkturellen Stoßzeiten für die Produktion bestimmter Produkte macht das auch mehr Sinn. „Wir schlagen vier Monate vor. Das entspricht der europäischen Direktive“, ergänzte Dennewald.

Der zweite Punkt zum Thema Flexibilisierung, der den Industrievertretern am Herzen lag, ist der Plan für die Arbeitsorganisation. Bislang muss jeder Betrieb, in dem mehr als 40 Wochenstunden gearbeitet werden, einen Plan für zwei Wochen festlegen, aus dem hervorgeht, wer wann arbeitet. Das ist der Fedil zu eng. „Wenn etwas Unerwartetes geschieht, muss ein Unternehmen kurzfristig reagieren können“, findet Soisson. Er sei durchaus für Flexibilität und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Aber für Soisson ist gesunder Menschenverstand und Rücksicht auf die persönliche Situation der eine Selbstverständlichkeit, die sich nicht in allen Einzelheiten mit Paragraphen per Gesetz festhalten lässt.

Die Fedil hätte diese Frage gern im Rahmen der Tripartite gelöst. „Aber die wurde am 5. Oktober kurzfristig abgesagt“, bedauert Soisson.

Mitglieder wollen mehr Flexibilität

Die Frage der Flexibilität und der Zeitarbeitskonten gewinnt an Brisanz vor dem Hintergrund, dass in Frankreich Smart bei einer unternehmensinternen Umfrage die Abkehr von der 35- zur 39-Stundenwoche von den Mitarbeitern zugesichert bekam, während die Gewerkschaften sie ablehnen. Eine solche Diskrepanz sehen die Fedil-Vertreter auch zwischen hiesigen Gewerkschaften einerseits und Belegschaften andererseits. Der Sozialdialog sei zu sehr von Ideologie geprägt.

In einer Umfrage unter ihren Mitgliedern, die die Fedil gemeinsam mit der UEL durchführten, steht das Thema Flexibilität ganz oben auf der Agenda der Betriebe. Das ist verständlich, gab es doch in Deutschland schon vor über 20 Jahren Zeitarbeitskonten mit einer Referenzzeit von einem Jahr..