LUXEMBURG
PAUL HAMMELMANN

Im Rahmen der Verkehrssicherheit hat die französische „Sécurité Routière“ einen großen Maßnahmenkatalog vorgestellt, um die Zahl der Verkehrstoten auf Frankreichs Straßen drastisch zu reduzieren. Ein Tempolimit von 80 Stundenkilometern auf Landstraßen, ein konsequenter Führerschein-Einzug beim Telefonieren am Steuer, das Installieren von Alkoholtest-Immobilisatoren bei Wiederholungstätern und schärfere Kontrollen bei Fußgänger-Übergängen und auf den Landstraßen sollen 350 bis 400 Leben pro Jahr retten. Auch in Luxemburg wurden zuletzt Rufe nach einem neuen Tempolimit und anderen Maßnahmen laut. Dabei könnten die neuen Regelungen in Frankreich auch hierzulande Schule machen, wie Paul Hammelmann, Präsident der „Sécurité routiére“ erklärt.

 

„Die neuen Maßnahmen Frankreichs schätze ich sehr positiv ein. Frankreich hat trotz guter Resultate in der Vergangenheit jahrelang – wohl aus Gründen der Terrorismusbekämpfung – die Straßensicherheitsproblematik vernachlässigt; es hat sich somit ein bekanntes Phänomen von erneuter Rücksichtslosigkeit („incivisme“) durchgesetzt, die Statistik beweist es. Die neue Maßnahme wird sicherlich ihre Früchte tragen, ihr waren lange und ausführliche Studien und Testphasen vorausgegangen. Die französische Aussage, die Regel im Fall eines ausbleibenden Rückganges der Verkehrstoten wieder außer Kraft zu setzen, ist natürlich Populismus pur, es sei denn, wir könnten in absehbarer Zeit auf ein komplett automatisiertes Fahren zurückgreifen. Nicht umsonst haben Länder wie Dänemark, Holland, Schweiz oder Norwegen die gleiche Geschwindigkeitsbegrenzung schon seit Längerem eingeführt (Schweden hat beispielsweise ein Limit von 70 km /h!), nicht zufällig die Länder mit den wenigsten Verkehrstoten! Die Maßnahme macht also absolut Sinn - auch in Luxemburg, noch immer und trotz Verbesserung, der schlechteste Schüler europaweit. Die diese Woche in der Presse veröffentlichten Stellungnahmen hierzu schlagen dann aber dem Fass den Boden aus. Die Aussage eines ACL in seiner „freie Fahrt für freie Bürger“- Ideologie ist nachvollziehbar; wenn allerdings ein Verein wie die AVR („Association des victimes de la route“), also die am schlimmsten betroffenen Verkehrsopfer schlechthin, einer solchen Maßnahme in Luxemburg ablehnend gegenüber tritt, und somit die oben genannten Länder und deren positive Resultate in punkto Verkehrssicherheit Lügen straft, grenzt dies an eine bodenlose Unverschämtheit.

Luxemburg soll und muss sich absolut am Ausland orientieren, insbesondere bei unseren direkten Nachbarn! In Luxemburg wurde dieselbe Maßnahme schon seit Längerem von der „Sécurité Routiére“ gefordert; sie entspricht einem starken Signal in punkto Verbesserung der Verkehrssicherheit und Bekämpfung der Hauptursache schwerer Unfälle. Anstatt jetzt stellenweise die Straßeninfrastruktur begutachten zu lassen und somit unseren Schilderwald noch zu vergrößern, sollten wir ebenfalls ein allgemein gültiges Limit von 80 km/h durchsetzen. Dies wird mit der Zeit genauso akzeptiert wie 50 km/h anstatt 60 km/h innerorts. Alles andere ist bloße Makulatur und zusätzliche Verkehrsschilder tragen zur zusätzlichen Verunsicherung der Verkehrsteilnehmer bei. Geschwindigkeit ist nicht mehr cool!“