LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Zwei Angeklagte müssen sich jetzt für Messerattacke vor Gericht verantworten

Ende Mai letzten Jahres sorgte die Nachricht für viel Aufsehen und Unruhe in Hollerich: Am 29. Mai 2016, kurz nach 5.30, war eine 20 Jahre alte Frau auf offener Straße mit einem Messer niedergestochen und lebensgefährlich verletzt worden. Die Täter flüchteten.

Bei den mutmaßlichen Messerstechern handelt es sich um eine 33-jährige Frau, Ana Paula L., und um einen 34-jährigen Mann, Jonathan L. Seit Mittwoch stehen die mutmaßlichen Täter vor der Kriminalkammer und mussten sich zu ihrem Motiv äußern. Beide bestreiten die Tat vor Gericht. Die Frau behauptet, sich beim Streit nur mit ihren Schuhen gewehrt zu haben. Bei der Tatwaffe soll es sich um ein einfaches Küchenmesser handeln.

Blutend zurückgelassen

Das Opfer lag nach der Tat mit einer tiefen Stichwunde auf dem Bürgersteig und drohte zu verbluten. Türsteher der umliegenden Bars waren der Frau zu Hilfe gekommen. Zeugen stoppten eine vorbeifahrende Polizeistreife und fragten nach Hilfe. Zeugen hatten die Täter gesehen.

Die 20-Jährige kam mit schweren Stichverletzungen oberhalb der Brust in ein Krankenhaus. Sie überlebte die Attacke nur knapp, sagte am Mittwoch der medizinische Gutachter. Weil sich Blut in der Brusthöhle angesammelt hatte, wurde die Frau notoperiert. Der Gutachter schätzte die Verletzung als lebensbedrohlich ein. Außerdem war die Leber verletzt. Wie die Ermittlungen ergaben, wurden die Stichwunden von einem Rechtshänder ausgeführt.

Die Hintergründe der Bluttat waren zunächst völlig unklar, wie der Ermittler am Mittwoch mitteilte. Doch konnte durch einen Zeugen und durch Videoaufnahmen schnell in Erfahrung gebracht werden, dass es zwischen den drei Personen an diesem frühen Sonntagmorgen zu einem lautstarken Streit auf offener Straße gekommen war. Die zwei mutmaßlichen Messerstecher wurden von der Polizei in einem nahegelegenen Lokal überrascht und festgenommen. Das Messer wurde der Polizei vom Eigentümer des „King-Place“, war aber mittlerweile buchstäblich durch mehrere Hände gegangen.

In den gezeigten Videoaufnahmen vor Gericht ist zu sehen, wie sich gegen 5.29 auf dem Bürgersteig der Hollericher-Straße die Tat abspielte. Nach der Tat sieht man mehrere Leute, die sich dann um das Opfer kümmern. Vor der Tat kam es auf dem ehemaligen Parkplatz Müller Wegener zu einer Schlägerei, an der mehrere Leute teilgenommen hatten. Die Ermittler vermuten, dass die Messerstecherei ein Racheakt ist.

Das heute 21-jährige Opfer musste aus dem Gerichtssaal geführt werden. Sie konnte die Video-Szene nicht anschauen.Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.