LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Die Initiative „My Pledge“ setzt sich für mehr Vielfalt bei öffentlichen Veranstaltungen ein

Wer kennt das nicht: Auf Podien und Panels sitzen regelmäßig Männer. Dort sind sie unter sich - und spiegeln damit nicht gerade eine Gesellschaft wieder, in der Frauen ebenfalls arbeiten, Expertinnen sind und Abteilungen oder Unternehmen leiten. Mehr noch: Im Zuge eines veränderten Zeitgeistes kommt das nicht nur bei Frauen schlecht an, sondern auch bei Männern selbst.

Hier setzt die Initiative „My Pledge“ an, die bei öffentlichen Veranstaltungen für mehr Vielfalt sorgen will. Teilnehmer verpflichten sich, dass wenn sie selbst zu einer öffentlichen Veranstaltung eingeladen sind, sie sich dafür einsetzen, dass der Veranstalter für Vielfalt auf dem Podium sorgt. Sie erklären sich bereit, auch geeignete Frauen für solche Anlässe vorzuschlagen, wenn der Veranstalter keine findet. Allgemein unterstützen die Unterzeichner gemischte Podien und ein Miteinander von Frauen und Männern. Bislang haben neun Unternehmen unterzeichnet (siehe Kasten), weitere sind im Gespräch mit den Organisatoren.

Liste mit Expertinnen und Gratis-Schulung

Damit genug interessante, kompetente Ansprechpartnerinnen da sind, gibt es eine Datenbank in Form einer LinkedIn-Gruppe. Bislang weist sie mehr als 150 weibliche Sprecher auf. Bis Ende des Jahres sollen es 300 sein. Darüber hinaus sind 30 Unternehmensbotschafter direkte Ansprechpartner. Kostenlose Präsentationskurse für Sprecher und Experten, die sich auch an guten Beispielen aus Norwegen und Italien inspirieren, werden ebenfalls organisiert - von Equilibre.

Equilibre selbst versteht sich als Think Tank, der die Förderung der Komplementarität der Geschlechter bei der Arbeit zum Ziel hat. Das Ziel sind konkrete, umsetzbare Lösungen. Dahinter stehen verschiedene Persönlichkeiten aus der Unternehmenswelt. Neben Programmen arbeiten die Macher auch mit Forschern und holen sich Ideen aus anderen Ländern. Die Leitung hat die Unternehmerin und Investorin Larissa Best inne.

Diese präsentierte gestern die „My Pledge“-Initiative im Mudam - und hatte gleich Unterstützer vor Ort. So erklärte Keith O´Donnell, Managing Partner von Atoz, warum sein Unternehmen mitmacht: „Es beeinflusst das Bild unserer Geschäfts. Mein Team ist gut gemischt. Aber auf der Ebene der Partner haben wir nur Männer. Dabei sind genug kompetente Frauen da. Und doch ist es auf jedem Kongress das Gleiche: Nur Männer auf den Podien. Wir wollen unseren Beitrag leisten und machen deshalb mit.“ Genau so sieht es Véronique de la Bachelerie, Administrateur délégué der Société Générale Bank & Trust in Luxemburg: „Wir wollen eine neue Normalität. Seit mehr als zehn Jahren setzte ich mich für mehr Gender-Vielfalt ein, denn in den Verwaltungsräten und auf Podien sitzen fast immer weiße Männer. Darüber hinaus geht es hier um die Zusammenarbeit mit Männern, nicht um Konkurrenz. Das ist ein positiver, neuer Ansatz.“

Aude Lemogne, die als Traderin ihre Karriere in New York begann, sieht auch Männer als Profiteure der Aktion: „Wenn ein Mann sich lieber um die Familie kümmert, sollte er dafür nicht lächerlich gemacht werden.“ Sie sitzt genau wie Raymond Schadeck im Verwaltungsrat von Equilibre. Der Manager kennt das Problem aus der Praxis: „Ich komme aus einem Big 4. Wir haben mindestens 50 Prozent Frauen eingestellt und die waren nach zehn Jahren weg. Das ist ein enormer Verlust. Mit gefällt an der Initiative, dass es um Komplementarität geht.“ Und dann erinnert er sich noch an einen Spruch, über den er schmunzeln musste: „Wenn eine Frau dem Mann gleichgestellt sein will hat sie keinen Ehrgeiz.