COLETTE MART

Ein Rückblick auf den internationalen Frauentag offenbart, dass die Thematik der Emanzipation die Öffentlichkeit, die Politik, die Gemeinden und gemeinnützige Vereinigungen mobilisiert. Der Frauentag greift jedoch auch in unseren Alltag über und Geschäfte schenken den Frauen Blumen. War er noch vor zehn Jahren ein rein feministisches Ereignis, so mutierte er jetzt zu einem gesellschaftlichen Event, das seine fordernden, aber auch seine geselligen Aspekte hat. Eine sehr wichtige Entwicklung um den 8. März besteht darin, dass die Probleme der Frauen weltweit stärker thematisiert werden, dass also in einer globalisierten Welt auch eine internationale Solidarität entsteht, Tabus gebrochen werden, und auf dramatische Tatsachen hingewiesen wird. Zwangsehen kleiner Mädchen, soziale Ächtung vergewaltigter Frauen, Vergewaltigung als Kriegswaffe, Genitalverstümmelung, Entführungen von Schülerinnen, Ausbeutung von Kindern in der Prostitution und der Pornographie, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, Zwangsprostitution in armen und reichen Ländern sind soziale Dramen, die heute niemand mehr einfach unter den Teppich kehren kann.

Positiv sind in diesem Zusammenhang die Initiativen, die hier bei uns von Nichtregierungsorganisationen ausgehen, und auf spezifische Probleme von Frauen in armen Ländern hinweisen.

Analysiert man die Entwicklung der Position der Frauen weltweit in den letzten Jahrzehnten, so muss man feststellen, dass wohl in einigen Ländern die Rechte und die Würde der Frauen gefestigt werden konnten, es aber trotzdem zu einer Verrohung der Lebensbedingungen für viele Frauen der Welt gekommen ist. Sexuelle Ausbeutung von Flüchtlingsfrauen, Vergewaltigung als Kriegswaffe zwecks Zerstörung familiärer Bande, Homophobie, Abtreibungsverbot, ungleicher Zugang von Mädchen zur Schulbildung sind nur einige Phänomene, die wir im Auge behalten müssen, wenn wir eine weitere Humanisierung der Weltgemeinschaft anstreben.

Hier in Luxemburg kreist die Debatte um die Emanzipation häufig um die Präsenz von Frauen in der Politik und auf Führungsposten in der Wirtschaft. Eine solche Position gründet oft auf soliden Netzwerken, und hier sind Männer nach wie vor besser als Frauen. Frauen unterstützen nicht unbedingt andere Frauen, unterschätzen die Vernetzung, und helfen nicht einmal unbedingt mit, Frauen in führende Positionen zu wählen. Letztere ernten oft Neid von Männern und von Frauen, die Luft kann also durchaus dünn werden, je höher man auf der Karriereleiter steigt. Dies müssen die Frauen dann emotional verkraften können, und der dauernde Kampf in der Arena der Macht kann zu einer inneren Vereinsamung führen.

Hinzu kommt, dass Frauen in führenden Positionen sich auch für andere Frauen einsetzen müssten. Diesen Einsatz kann man allerdings auch bei verschiedenen Männern finden, derweil Frauen durchaus gleichgültig auf die Probleme ihres Geschlechts reagieren können.

Der Kampf um die Emanzipation ist also keineswegs gewonnen, und es wäre sinnvoll, wenn sich auch die Gender-Forschung verstärkt für gesellschaftliche Kohäsion auf diesem Gebiet einsetzen könnte und die diesbezüglichen Verstrickungen verständlicher machen könnte.