LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Maud Majerus hat ein Projekt gestartet, das bislang rund 200 Unternehmerinnen in 27 Ländern geholfen hat

Maud Majerus hätte ganz zufrieden sein können. Sie hat einen schönen Job als Budget Officer bei der Europäischen Investitionsbank, ist glücklich verheiratet und Mutter einer achtjährigen Tochter. Und doch: Seit Jahren suchte sie nach etwas, das sie selbst der Gesellschaft zurückgeben kann, etwas, das sinnvoll ist und gleichzeitig Frauen hilft, die es wirklich schwer haben. Vor drei Jahren realisierte sie ihre Idee „sparkles.lu“. Was als kleines Projekt mit eigenen Ersparnissen anfing, ist zu einem Mikrofinanz-Projekt mit fast 100.000 Euro Volumen geworden, für das Majerus bereits ausgezeichnet worden ist. Hier erzählt sie, was sie macht und noch vorhat.

Frau Majerus, wieso haben Sie „sparkles.lu“ gegründet?

Maud Majerus Die Idee kam mir beim Joggen, da habe ich immer gute Einfälle. Ich habe schon lange nach etwas gesucht, was Sinn macht. Jeder von uns will, glaube ich, im Leben etwas dazu beitragen, dass es anderen auch gut geht. Vor drei Jahren habe ich dann die türkische Autorin Elif Shafak gehört, die während eines Vortrags im Rahmen des Internationalen Frauentages in Luxemburg war. Das hat mich sehr inspiriert und meine Kreativität geweckt. Ich wollte Frauen stärken und nicht einfach nur Geld geben. Die Idee ist, Frauen in Entwicklungsländern über Mikrofinanzplattformen Geld zu leihen zu null Prozent Zinsen.

Wie haben Sie angefangen?

Majerus Ganz klein! Mein Mann, eine Freundin und ich haben im ersten Jahr 5.500 Euro an 13 Projekte verliehen, im zweiten waren es 11.000 Euro für 51 Projekte, im dritten 31.000 Euro für 68 Projekte. In weniger als vier Jahre werden wir die 100.000 Euro-Schwelle erreichen! Das ist ein Erfolg, auf den wir sehr stolz sind. Das Geld wird immer wieder verliehen. Durch das Volumen ist auch „sparkles.lu“ gewachsen, wir sind jetzt neun statt drei, die mitmachen. Das Beste: Bislang haben wir rund 200 Frauen in 27 Entwicklungsländern erreicht.

Es gibt doch schon viele Organisationen für Frauen. Warum noch eine?

Majerus Organisationen wie ADA helfen nicht Frauen direkt, sondern Institutionen, die diese Frauen unterstützen. Das ist auch sehr gut. Aber ich wollte einen direkten Draht. Darüber hinaus will ich Frauen helfen, weil die es immer schwerer haben als Männer. Gleichzeitig denken sie mehr an den Nachwuchs. Frauen reinvestieren bis zu 80 Prozent wieder in ihre Kinder. Der Ansatz war, Unternehmerinnen direkt etwas zu leihen.

Wie kommen Sie an das Geld?

Majerus Das ist schwer (lacht)! Vergangenes Jahr haben wir bei den „ING Solidarity Awards“ gewonnen. Das war großartig und half auch finanziell. Dann gibt es Menschen, die vielleicht 50 oder 60 Jahre alt werden und sich zum Geburtstag statt Geschenken eine Spende an uns wünschen. Oder die einen Teil ihres Pensionsfonds verschenken . Die Kinder der Europaschule haben für uns bei einer Aktion selbst Gebasteltes verkauft und sind so auf die stolze Summe von 2.500 Euro gekommen! Bei der Schecküberreichung waren die Kinder so froh, dass sie mich samt Riesenscheck fast umgerannt haben. Es war toll! Eine weitere Geldquelle ist übrigens „The MLE Brand“. Dort kann man T-Shirts kaufen, die meine Freundin Emily, die nach Kamerun ausgewandert ist, dort in ihrem Designergeschäft führt (http://www.mleempoweringapparel.com). Eine weitere Einnahmequelle waren die Zumba-Kurse oder andere Wohltätigkeitsverkäufe, die ich in der Europäischen Investitionsbank organisiert habe. So kommt am Ende viel zusammen. Wir stellen das auf die Kiva Microfinanzplattform und geben jenen, die einen Kredit geben, genaues Feedback.

Wie sieht das aus?

Majerus Für die Europaschule habe ich beispielsweise sechs Unternehmerinnen gesucht, die alle Mütter sind. Die Geschichte der Frauen mit Foto und dem, was sie mit dem Geld machen wollen, habe ich dann online gestellt. Es ist erstaunlich, wie viel man schon mit kleinen Summen erreichen kann. Ich habe ein Projekt gehabt, da konnten wir für nur 2.000 Euro 29 Frauen zu Näherinnen ausbilden. Das verändert deren Leben. Die Summen, die wir verleihen, sind gering. Sie liegen zwischen 125 und 1.500 Dollar.

Hat Sie Ihr Engagement verändert?

Majerus Man wird selbst Unternehmerin! Ich brauche ja ständig Geld und habe immer neue Kontakte. Im Moment organisiere ich ein Golf-Turnier und frage mich jeden Tag, wen ich da noch einbinden könnte als Sponsor oder Spieler. Manchmal denke ich, das hat etwas mit meiner Vergangenheit zu tun. Mein Urgroßvater und Großvater waren beide Unternehmer. Vielleicht spielt das eine Rolle. In jedem Fall treffe ich mehr Entscheidungen.

Was haben Sie noch vor?

Majerus Im Moment bin auf der Suche nach Leuten, die auf ihren Reisen bei meinen Unternehmerinnen vorbei fahren und Filme, Porträts, Berichte und Fotos machen - sozusagen Korrespondenten der guten Sache. Aber das Aktuellste ist unser Wohltätigkeits-Golfprojekt!

Am 29. September veranstaltet sparkles.lu im „Golf du Luxembourg“ ab 10.00 ein Benefiz-Turnier, zu dem rund hundert Golfer - Anfänger und Könner - erwartet werden. Gesponsert wird das Turnier unter anderem von BMW Mussolini und KPMG. Einschreibungen gegen eine Gebühr von 50 Euro für die Teilnahme an der Golf-Klinik für Anfänger oder 100 Euro für das Turnier unter www.sparkles.lu