COLETTE MART

Die Berichterstattung um den internationalen Frauentag fokussierte sich bei uns auf die stets aktuelle Debatte über Frauen in Chefetagen, sowie auf die damit verbundene Frage, ob man diese mit oder ohne Quoten promovieren sollte. In diesem Zusammenhang wurde erneut festgestellt, dass Mädchen allgemein bessere Schüler sind als Jungen, dass auch die Mehrzahl der Studierenden Mädchen sind, aber in den Chefetagen der Wirtschaft und der Politik Frauen eine Minderheit bleiben.

Über Jahre wurde über die gläserne Decke philosophiert, die Frauen fast unsichtbar auf der Karriereleiter bremst. Familienpflichten, jedoch auch Vorurteile gegen Frauen in Chefetagen spielten in dieser Debatte eine Rolle. Interessanterweise argumentierte der deutsche Zukunftsforscher Matthias Horx (wort.lu) jetzt, dass viele Karrierefrauen gar keine Kinder haben und auch ihre Freunde verlieren, und dass eine solche Perspektive Angst macht. Diese Feststellung verdient ein näheres Hinsehen. Tatsächlich bedeutet ein Karrieresprung, oder ein karriere-orientiertes Leben oft einen radikalen Einschnitt in alle Lebensbereiche. Der Partner muss die Karriere der Frau mittragen, respektive auch verkraften, er darf sie nicht als Konkurrentin sehen, was nicht alle Männer schaffen.

Innerhalb eines Freundeskreises kann der Karrieresprung einer Frau eine Neudefinierung der Freundschaften, respektive auch ihr Ende bedeuten. Auch hier spielen Rivalitäten und Eifersucht eine Rolle. Die Frau, die Karriere macht, kann plötzlich feststellen, dass sie ihre Erfahrungen nicht mehr mit Freundinnen teilen kann, dass sie Strategien im Alltag entwickeln muss, die sie bei ihren Freundinnen nicht mehr lernen kann, und dass sie sich nicht mehr verständlich machen kann. Die Luft wird also dünner, je höher Frauen die Karriereleiter erklimmen, und es wird schwerer, die alten Freunde zu behalten, derweil sich bei neuen Freunden die Frage des Opportunismus stellt. Höher oben auf der Karriereleiter kommen Menschen auf die Frauen zu, weil sie ihnen nützlich sind, und es ist ein kompliziertes Unterfangen, herauszufinden, wo denn jetzt noch wahre Freundschaft, und wo handfeste Interessen ausgemacht werden können. Horx stellte weiterhin fest, dass Karriere zeitaufwendig ist und beinhaltet, dass viele Karriere-Frauen keine Kinder haben. Der Preis der Karriere erscheint demgemäß vielen Frauen als hoch.

Neben dem tatsächlichen Verlust von Freundschaften, respektive dem Verzicht auf Familie oder auf ein ruhiges Familienleben impliziert die Karriere ebenfalls eine Veränderung der Verhaltensweisen und der Werte. In den Chefetagen der Wirtschaft und der Politik kann jedes Wort schwer wiegen, jede falsche Geste, auch in der Körpersprache, fatal werden, gegen die Frau verwendet werden, und die Codes, die hier regieren, müssen unbedingt beherrscht werden, ansonsten die Karrierefrau dann doch wieder gegen die gläserne Decke stößt, ohne zu wissen, wie dies passieren konnte. Nicht-verbale Kommunikation und gesellschaftliche Codes bestimmen das Miteinander in den Chefetagen, und dies ist eine Wissenschaft, die immer noch Angst macht.