MONACO/LUXEMBURG
MARCO MENG

Yves Bouvier steht unter Betrugsverdacht im Kunsthandel

Der schweizerische Geschäftsmann Yves Bouvier und zwei seiner Landsleute wurden in Monaco in Polizeigewahrsam genommen, wie gestern die Justizbehörde des Fürstentums mitteilte. Sie werden des Betruges am russischen Milliardär Dmitri Rybolowlew, der seit 2011 in Monaco lebt, beschuldigt. Bouvier wird verdächtigt, zehn Gemälde von Großmeistern wie Picasso, Modigliani, Gauguin, Degas und da Vinci der Familie Rybolowlew verkauft zu haben, und zwar zu vermutlich übertriebenen Preisen oder mit falschen Dokumenten, wie die Nachrichtenagentur AFP den monegassischen Staatsanwalt Jean-Pierre Dreno zitiert. Die Summe, um die es bei dem mutmaßlichen Kunstbetrug gehen soll, wurde nicht genannt.

Groß im Kunsthandel

Pikant ist der Vorwurf vor allem deswegen, weil Bouvier für sein Geschäft im Kunsthandel und für die Lagerung insbesondere von Kunstwerken in Zollfreilagern in Genf, Luxemburg und Singapur bekannt ist. Sein Unternehmen Natural Le Coultre ist der Initiator, Erbauer und Betreiber des Freeports am Findel. Zollfreilager sind eine Besonderheit im Steuerrecht: Dort gelagerte Güter - Luxuswaren, zumeist Kunstwerke oder Antiquitäten - können dort unversteuert gelagert werden, bis sie in das Bestimmungsland ausgeliefert werden. Das Zollfreilager in Luxemburg war von Bouvier im Beisein von Großherzog Henri, Wirtschaftsminister Etienne Schneider, Finanzminister Pierre Gramegna sowie zahlreichen Abgeordneten und weiterer Persönlichkeiten eröffnet worden. Wird der Ruf des Freeports durch die Affäre in Monaco nun einen Imageschaden erleiden?

„Nachdem sie seit mehr als zehn Jahren mit Herrn Bouvier gearbeitet haben, hat die Familie Rybolowlew eine Information über einen möglichen Betrug und eine Manipulierung der Kunstmarktpreise durch Herrn Bouvier und seine Komplizen erhalten“, erklärte die Anwältin Rybolowlews, Tetiana Bersheda. Rybolowlew, einer der reichsten Russen und bekannter Kunstsammler ist auch Besitzer des Fußballclubs AS Monaco. Bouvier und seine mutmaßlichen Komplizen waren Mittwoch Morgen in Polizeigewahrsam genommen worden. Dieser war am Donnerstagmorgen um weitere 24 Stunden verlängert worden.