CLAUDE KARGER

Da hatte sich in der Escher Kanalstraße wohl jemand etwas verhört: freies Wifi in allen europäischen Großstädten bis 2020 versprach EU-Kommissionsboss Jean-Claude Juncker am Mittwoch in seiner Rede zur Schieflage der EU und nicht „Freibier für alle“, wie das „Tageblatt“ gestern fett auf seinem Cover schlagzeilte.

Wobei das mit dem Freibier gar nicht mal so eine schlechte Idee wäre: Sicher läge die europäische Idee dann sogar auf den Stammtischen plötzlich wieder hoch im Kurs, wäre so mancher Streit zwischen den Mitgliedstaaten besänftigt. Zwiste in der Union gibt es derzeit jedenfalls mehr als genug, wie man heute beim informellen Gipfel der Staats- und Regierungschefs in Bratislava wird beobachten können. Wie knatschig wohl die Ungarn angesichts des Rundumschlags unseres Chefdiplomaten dort auftreten werden? In der „Stuttgarter Zeitung“ klagte gestern der ungarische Botschafter in Berlin an: „Asselborn führt über die deutschen Medien mit einem Tsunami von Interviews de facto einen Kommunikationskrieg gegen mein Land“. Na, mal sachte, nicht wahr! Was da in letzter Zeit so alles aus Budapest gegenüber „Brüssel“ zu hören war, war manchmal noch einen Deut aggressiver. Ob das alles noch bei einem Bierchen deeskaliert werden kann? Wir hoffen es.