LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Europäischer Ideenwettbewerb für „Wunnquartier Stade“ gestartet

Zehn Hektar nicht weit vom Stadtzentrum entfernt, vorzüglich durch den öffentlichen Transport angebunden und in Zukunft noch besser dank der für nach 2035 ins Auge gefassten Tramtrasse Place de l‘Etoile-CHL-Strassen: Das Areal an der Arloner Straße, das seit den 1930ern vom Fußballnationalstadion dominiert wird, ist eines der letzten auf dem Territorium der Hauptstadt, auf dem ein großes urbanistisches Projekt entstehen kann. Eine erste Etappe dafür ist nun genommen: nach mehrmonatigen Vorbereitungsarbeiten kündigten Hauptstadtbürgermeisterin Lydie Polfer und Bautenschöffe Serge Wilmes gestern den Start des europäischen urbanistischen Ideenwettbewerbs für das „Wunnquartier Stade“ an. „Es ist außerordentlich wichtig, dass hier ein angenehmes Wohnviertel entsteht“, unterstrich die Bürgermeisterin. Es gibt zwar ein dickes Lastenheft für die Bewerber, aber „die Kreativität hat erstmal freie Hand“, sagte Lydie Polfer auf die Frage, wie viele Wohnungen und wie viele Gebäude in welcher Höhe Voraussetzung sind.

Verwirklichung in Etappen

Die Stadt, die eine Jury aus nationalen Entscheidungsträgern und internationalen Experten zusammen gestellt hat, will bis kommenden Februar eine Auswahl von maximal 15 Projekten haben, die dann auch öffentlich ausgestellt - allerdings ohne die Autoren zu verraten - und im Gemeinderat präsentiert werden sollen. Im Februar 2021 soll dann der Gewinner gekürt werden. Polfer und Wilmes wollen die Bürger eng in den Auswahlprozess einbinden. Das neue Viertel, das nach und nach entstehen wird, soll „ein Viertel der kurzen Wege sein, das hohe Lebensqualität bietet“, wie Serge Wilmes unterstrich und trotzdem erschwinglichen Wohnraum bieten.

Obwohl die genaue Zahl erst in den letzten Etappen geklärt wird - nach der Projektauslese braucht es eine Umänderung des Allgemeinen Bebauungsplans der Hauptstadt und dann einen Teilbebauungsplan, was insgesamt noch anderthalb Jahre in Anspruch nehmen dürfte -, könnten laut Lydie Polfer „ohne Problem tausend Wohnungen“ auf dem Areal entstehen, das übrigens zu 83 Prozent der Stadt Luxemburg gehört. Die restlichen liegen vor allem in der Hand des Franziskanerordens. Das Franziskanerkloster hinter dem Recycling-Center soll noch in diesem Jahr abgerissen werden. Wann das „Stade Josy Barthel“ weichen wird, ist noch nicht sicher, allerdings soll das neue Nationalstadion auf „Cloche d‘Or“ spätestens im Herbst 2020 fertig werden. Wann ein neues Leichtathletikstadion als Ersatz für die Anlagen an der Route d’Arlon zur Verfügung stehen wird, ist noch ungewiss. Die Feuerwehrkaserne dürfte ab 2021 leer stehen, wenn das neue Rettungszentrum am „Rond Point Gluck“ fertig gestellt ist.

Ob die Kaserne an der Route d‘Arlon dann abgerissen wird, ist noch nicht sicher. Hier könnte eine Kulturinfrastruktur entstehen. Das neue Viertel soll ja nicht nur Wohnungen, sondern auch Begegnungsstätten bieten, einen Kinderhort, sowie auch Einkaufsmöglichkeiten. Hygienedienst und Recycling-Center der Hauptstadt an der Route d‘Arlon werden um 2024 herum eine neue Bleibe in der Gegend des Friedhofs von Merl finden. Erhalten werden, weil denkmalgeschützt, müssen auf dem Areal die historischen Pferdeställe der Hauptstadt am Recycling-Zentrum.

Der Umbau an der Route d‘Arlon wird natürlich auch Konsequenzen auf die Umgebung haben. So wird, wie Lydie Polfer erwähnte, das Parkhaus gegenüber dem Stadion überflüssig, wenn hier nicht mehr im großen Stil gekickt wird.

Auch in den ehemaligen Co-Labor-Gärten an der Route d‘Arlon wird sicher etwas neues entstehen. Die Hauptstadtbürgermeisterin hofft auf zahlreiche interessante Vorschläge für das „Wunnquartier Stade“. Möglichst auch von Fachleuten aus Luxemburg.