LUXEMBURG/DÜDELINGEN
INGO ZWANK

Architektenbüro „STEINMETZDEMEYER“ gewinnt ersten Baulückenwettbewerb in Düdelingen

Wohnraum und Bauland sind bekanntlich in Luxemburg recht knapp. 995 Hektar wurden im Großherzogtum als „Baulücken“ innerhalb der ausgewiesenen Bebauungspläne ermittelt, 82,2 Prozent sind in privater Hand, 11,7 Prozent in der Hand von Gesellschaften, Firmen oder Vereinen. 4,3 Prozent sind im Besitz der Gemeinden. Mit wissenschaftlichen Instrumenten wurden die Gemeinden aufgefordert, ihre Baulücken so zu erfassen und eventuell für die Bebauung zu erschließen.

„Refina“ Vorbild aus Deutschland

Vorbild war hier unter anderem „Refina“, wie Wohnungsbauminister Marc Hansen ausführte. Bei der „Forschung für die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme und ein nachhaltiges Flächenmanagement“ des deutschen Bundesministeriums für Bildung und steht ein effizienter Umgang mit Grund und Boden im Vordergrund. Ziele hierfür sind die Reduktion der derzeitigen täglichen Inanspruchnahme von Boden für neue Siedlungs- und Verkehrsflächen auf 30 Hektar pro Tag sowie eine vorrangige Innenentwicklung bis zum Jahr 2020 mittels Flächenmanagement mit der Vision eines Flächenkreislaufs durch Flächenrecycling. So müssen die Gemeinden nun ihre Hausaufgaben machen, und auch „der Staat schaute genau hin, wo Baulücken sind. Das Problem ist aber, dass der absolute Großteil nun einmal in privater Hand ist“, sagte gestern Hansen, der zusammen mit dem Bürgermeister von Düdelingen, Dan Biancalana, den ersten Gewinner des „Baulücken-Wettbewerbs“ vorstellte. So wurde in Düdelingen eine Lücke von rund 40 Ar auserkoren, „Um Bierenger Haff“, die in einen Wettbewerb integriert wurde, damit man ein Plus für den sozialen Wohnungsbau erzielen könnte.

Sieben Architektenbüros wurden berücksichtigt. Aus diesem Wettbewerb ging das „STEINMETZDEMEYER“ als Sieger hervor. Für Biancalana war es ein interessantes Projekt vom Bauherren „Fonds du Logement“. „Es sollte ein Projekt realisiert werden, bei dem man schnell eine Baugenehmigung erteilten konnte.“ So sollte ein Bereich mit interessanten Wohnungen, aber auch ein öffentlicher Platz errichtet werden, dies in einem historischen Viertel. Es sollte geschaut werden, ob es zu einem Abriss oder Teilabriss des alten Hofs kommen sollte. „Aber die Teilnehmer hatten hier eben freie Hand“, betont der Bürgermeister. Aspekte wie der Platz oder auch öffentliche Gärten sollten berücksichtigt werden: „Alles im Hinblick auf eine moderne Stadtentwicklung.“

Im Siegerprojekt bleibt der Hof komplett enthalten, der Wohnraum weist eine sehr hohe Qualität auf. Es gibt einen Grünbereich, der eine passende Trennung hervorruft und der Platz zeige eine gutes Zusammenspiel mit dem Wohnraum, erläuterte Jurypräsident Tom Beiler.

Nico Steinmetz vom Sieger-Architektenbüro betonte, dass explizit der alte Dorfkern hervorgehoben werde sollte. „Es sollte ein Konflikt entstehen, der Mensch ist uns sehr wichtig. Dem wollten wir Lebensqualität geben. Es sollte ein Identitätsmoment erhalten bleiben“, sagte Steinmetz mit Blick auf den Hof. So wurde der große Hof als gemeinsamer Nutzungsraum für alle Bürger erhalten, mit „Repair-Café“, Ateliers, Waschraum oder auch einem Kiosk, unter der Aufsicht eines Koordinators.

„Für Musikveranstaltungen geeignet, vor allem für die Leute vor Ort.“ Eine Küche wurde eingerichtet, die Außenräumlichkeiten sollen vielleicht als Kirmes- oder Marktplatz genutzt werden können, aber immer im Einklang mit dem Hof oder auch den vorhandenen Nuss- und Kastanienbäumen, sagte Christian Weier vom Planungsteam. Die Wohnräume würden sich hierbei ganz leicht in ihren Größen anpassen lassen, wie Steinmetz betonte, alles werde in Holzbauweise entstehen.

Hansen unterstrich, dass auch entsprechendes „Augenmerk auf Qualität im sozialen Wohnungsbau“ gelegt wurde. Sala Makumbundu vom „Ordre des Architectes et des Ingénieurs-Conseils (OAI)“ lobte diesen Ansatz, den das Ministerium hier mit der Gemeinde eingeschlagen hatte. „Dies ist ein Weg, mit Qualität ein Zeichen zu setzen“, sagte Makumbundu mit Blick auf die Jury, die mit Fachleuten um Jurypräsident Beiler besetzt war. „Dieses Projekt kann man daher sicherlich auch auf andere Baulücken anwenden.“ Der OAI sei auch gewillte, weitere Aktionen entsprechend zu unterstützen.

Neue Lücken im Blick

Andere Baulücken in Petingen oder auch Differdingen, die im Besitz des Staates sind, werden entsprechend angegangen, wie Hansen sagte. Zusammen mit dem OAI soll auch ein Workshop durchgeführt werden, damit sich der Sektor noch intensiver mit dem Thema beschäftigen kann.

Wie Hansen auf Nachfrage hin ausführte, seien auch Gemeinden wie die Stadt Luxemburg als Vorreiter oder auch die Mersch und Diekirch auf dem Weg, ihre Baulücken, „also die, die im Besitz der Gemeinden sind“, entsprechend zu erschließen.