LUXEMBURG
NIC. DICKEN

Nachher ist man immer schlauer. Nur wenige Tage nach der zaghaften Rückkehr in eine als Rückkehr in die Normalität empfundene Lockerung von Begegnungs- und Ausgangsbeschränkungen glauben jetzt immer mehr Menschen zu wissen, was man nicht alles hätte anders machen oder einfach ganz vermeiden können. Ja, es war nicht unbedingt ein guter Reflex der EU-Staaten, als erste Reaktion auf den Ausbruch der damals noch als Epidemie bezeichneten Corona-Krise die Grenzen zu den Nachbar- und Partnerstaaten zu schließen, es war nicht unbedingt notwendig, auf unbestimmte Zeit alle Schul- und Versorgungseinrichtungen völlig ersatzlos zu schließen, und es war sicher auch ein Fehler, die Insassen von Pflegeeinrichtungen quasi hermetisch von ihren Angehörigen wegzuschließen und allenfalls elektronische Kontakte weiter zuzulassen.

Das mutmaßlich von China aus verbreitete Virus sorgte innerhalb weniger Tage nach seinem Auftreten in Europa, mit dem schnell jene dramatischen Bilder aus dem italienischen Bergamo und dem elsässischen Mulhouse in Verbindung gebracht wurden, für eine Art Panik, bei deren Bewältigung und Eindämmung zunächst jeder Staat sich selbst der Nächste war. Die Einschränkung persönlicher Freiheiten, geprägt durch Kontakt- und Ausgangssperren wurden nur in den ersten Tagen allgemein als notwendig anerkannt. Schon kurze Zeit später wurden die in den Grundgesetzen demokratischer Staaten verankerten persönlichen Freiheiten bemüht, um auf Lockerung der von den einzelnen Staaten verordneten Maßnahmen zu drängen, auch wenn zu diesem Zeitpunkt noch kaum gesicherte Erkenntnisse bestanden über die Art und Geschwindigkeit, mit der sich das Virus in der Bevölkerung verbreitete.

In dieser Hinsicht hatte es China einfacher: Die dort verfügten Sperren wurden mit letzter militärischer Konsequenz durchexerziert, mit dem bekannten Resultat, dass innerhalb weniger Wochen die Verbreitung quasi vollständig gestoppt wurde. Das aber wollte und will in Europa und anderen demokratisch geprägten Staaten niemand wirklich. Man setzt auf Einschränkungen, die allerdings eine gewisse Bewegungs- und Kontaktfreiheit zulassen, in der Hoffnung, dass jeder Einzelne damit verantwortlich und solidarisch umgehen würde.

Quod non! Auf anfängliche Hamsterkäufe, die im Nachhinein als absolut lächerlich und unbegründet entlarvt wurden, folgten die ominösen Corona-Partys, mit denen sich die Hartgesottenen als (wagemutige) Schmäher jeglicher Infektionsbedrohung gebärdeten, ohne sich über ihre Rolle als potentielle Überträger des Virus auf weniger resistente Bevölkerungsgruppen bewusst zu sein, oder diese gar billigend in Kauf nahmen.

In dieses Bild passt die quasi überall, in Geschäften wie in Bussen und auf öffentlichen Plätzen, feststellbare Weigerung zum Anlegen der mittlerweile hinreichend verfügbaren Masken als zusätzlichem Schutz vor weiterer Corona-Verbreitung.

Wer Freiheit für sich und andere verlangt, sollte auch die Fähigkeit beweisen, verantwortlich und rücksichtsvoll damit umzugehen.