LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Ex-Bürgermeister soll unter anderem wegen Geldwäsche verurteilt werden

Der 72-jährige Charel Unsen, Ex-Bürgermeister von Sandweiler, muss sich seit Dienstag wegen unerlaubter Einflussnahme, Korruption, Fälschung und Geldwäsche verantworten („das „Journal“ berichtete“). Am gestrigen Mittwoch wurde der Prozess fortgesetzt.

Die Vorwürfe gegen den Ex-Bürgermeister wiegen schwer: Beim Kauf mit Grundstücken soll nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein. Unsen soll Grundstücke mit einem hohen Abschlag gekauft haben und sich laut Anklage dadurch bereichert haben. Die Gemeinde Sandweiler hatte dem ehemaligen LSAP-Lokalpolitiker ein Fehlverhalten beim Kauf eines Grundstücks unterstellt. Die Gemeinde soll für ein Ar Land 70.000 Euro, Privatmann Unsen aber nur 16.500 Euro für den Ar bezahlt haben.

Beschuldigt wird neben Unsen auch die 46-jährige Habiba Z., sie ist wegen Korruption angeklagt.

Verteidigung beantragt Freispruch

Der zweite Verhandlungstag war mit Spannung erwartet worden und brachte auch gleich bahnbrechenden Erkenntnisse.

Dass Me Albert Rodesch, Verteidiger von Charel Unsen, wütend auf die Ermittler ist, hat Gründe - die Ermittler seien keine Experten. Kein Wunder also, dass der Verteidiger den Verkaufspreis von 776.000 Euro, den die Ermittler für die Grundstücke festgelegt hatten, massiv kritisierte. Er kenne niemand, der einen so hohen Preis für ein Stück Land bezahle. Experten, die am 5. Januar 2014 vom Untersuchungsrichter beauftragt wurden, legten einen Preis von 5.000 Euro den Ar fest, etwa auf 45.400 Euro, sagte Rodesch.

Sein Mandant sei ein erfahrener Rechtsanwalt, den jeder in Luxemburg kenne. Dass er Habiba Z. 100.000 Euro überwiesen habe, sei unvorsichtig gewesen, gibt der Verteidiger zu. Unsen sei ein intuitiv, kommunikativer Gefühlsmensch und hätte nichts versteckt. Die unvorsichtige Haltung würde sogar für ihn sprechen, sagte Me Rodesch.

Die Frau hätte das Geld gebraucht, um Steuern nachzuzahlen. Sein Mandant hätte ihr mit dem Geld helfen wollen. Er beantragte Freispruch für seinen Mandanten. Die Verteidigerin von Habiba Z. beantragte Freispruch oder eine Aussetzung des Urteils für ihre Mandantin Z.

Die Staatsanwaltschaft in Person von Jean-Paul Frising, „Procureur d’Etat“, sprach von einer „sensiblen Affäre.“ Er sei überzeugt, dass Unsen hinter den Machenschaften stehe. Es handele sich um eine „getarnte Donation.“ Frising beantragt für die Fälschung eine Verfahrenseinstellung. Die unerlaubte Einflussnahme, passive Korruption und Geldwäsche sind für den Staatsanwalt erfüllt. Frising wirft Z. Korruption und Geldwäsche vor. Für beide fordert er eine Freiheitsstrafe sowie eine Geldstrafe, die im Ermessen des Gerichts liegen.

Das Urteil ist für den 8. Mai vorgesehen.