SIMONE MOLITOR

Künstlerresidenzen sind begehrt und Teil vieler Kulturinstitutionen. Bereits im 17. Jahrhundert wurden indes in Frankreich Stipendien an Maler und Bildhauer sowie später Architekten vergeben, um ihnen einen Aufenthalt in Rom zu ermöglichen, dies mit dem Ziel, im Nachhinein im eigenen Land von der gesammelten Erfahrung, dem neuen Wissen und der ausgefeilten Technik der Künstler zu profitieren. Das Prinzip hat sich bis heute nicht wesentlich geändert.

Tatsächlich ist „Künstlerresidenz“ aber ein dehnbarer Begriff, der ganz willkürlich genutzt wird und noch dazu oft für Verwirrung sorgt, weil es keine festen Regeln gibt. Entsprechend vielfältig ist das Angebot, auch in Luxemburg. Oft beschränkt es sich auf die Zurverfügungstellung von Atelier und Unterkunft. Ein Tapetenwechsel kann zwar sehr bereichernd und inspirierend sein, doch erst wenn eine finanzielle Unterstützung Teil der Residenz ist, wird sie richtig interessant. Die Bedingungen sind dann optimal, wenn der Künstler, Autor oder Musiker ohne finanzielle Sorgen und ohne Produktionszwang kreativ sein kann. Im Klartext: wenn Zeit, Raum und Ressourcen geboten werden.

Im Kulturministerium ist man indes gerade dabei, an einem neuen Konzept für seine Residenzprogramme zu arbeiten. Details soll es in Kürze bei einer Pressekonferenz geben. In diesem Kontext will Jo Kox, Erster Regierungsrat im Kulturministerium und zuvor langjähriger Präsident des Focuna, dann auch ein Rahmendokument rund um die Terminologie „Résidence d’artiste“ vorstellen. Kein Regelwerk, sondern vielmehr eine Reihe an Anregungen. Was bedeutet es, einen Künstler in seiner Struktur zu empfangen? Wie steht es um die Bezahlung? Welche Pflichten hat der Gastgeber, welche der Gast? Es besteht Klärungsbedarf. „Eine Künstlerresidenz ist kein Airbnb“, stellt Kox uns gegenüber schon mal klar.

Als Vorreiter in diesem Bereich kann zweifelsohne das Kulturzentrum neimënster genannt werden, wenngleich man in diesem Kontext durchaus das Wort „Airbnb“ ins Spiel bringen darf. Nicht weniger als 10.000 Kulturschaffende haben seit der Eröffnung im Jahr 2004 von dem dortigen Residenzprogramm profitiert. Oft handelte es sich dabei um Künstler, die mit Produktionen in anderen Häusern gastierten. Das Angebot beschränkte sich also häufig auf die Unterbringung sowie die Nutzungsmöglichkeit der kreativen Schaffensräume. Das will Direktorin Ainhoa Achutegui ändern und neimënster zu der Referenz in Sachen Künstlerresidenz in Luxemburg machen. Mit der Choreografin Anne-Mareike Hess hat man nun erstmals eine „artiste associée“ präsentiert und damit einen entscheidenden Schritt getan, der anderen Institutionen als Vorbild dienen sollte. Ihr wird eine Residenz über drei Jahre angeboten, inklusive Bezahlung, mit viel Freiraum zur künstlerischen Entfaltung, Zeit zum Experimentieren, Recherchieren und Reflektieren.

Solche Initiativen, die natürlich mit Kosten verbunden sind, verfehlen ihre Wirkung nicht. Im Endeffekt profitieren beide Seiten davon. Und genauso kann das „Ökosystem Kulturresidenz“ nachhaltig gestaltet werden. Deutlich wird gleichzeitig, dass es in der Kunst eben nicht auf den rein kommerziellen Aspekt ankommt. Denn letztlich fördert vor allem Freiraum die künstlerische Qualität.