Die holländisch-belgisch-luxemburgische Koproduktion „Oorlogsgeheimen“ (Secrets of War) von Dennis Bots feierte im Rahmen des 5. Luxembourg City Film Festivals seine heimische Premiere. Produzent und Regisseur Donato Rotunno koproduzierte den Film für seine Firma Tarantula. Das rundum ausgezeichnet inszenierte und gespielte Kriegsdrama nach einem Buch von Jacques Vriens ist die bis dato zweifelsohne beste luxemburgische Koproduktion aller Zeiten.
Die Kriegswirren durch Kinderaugen sehen
Ein kleines holländisches Dorf in der Nähe von Maastricht leidet unter der deutschen Besatzung. Die etwa zwölf Jahre alten Jungen Tuur (Maas Bronkhuyzen) und Lambert (Joes Brauers) sind allerbeste Freunde, bis Maartje (Pippa Allen) in die Schule kommt. Maartje wohnt vorübergehend bei Holtermans (Helmert Woudenberg), einem Verwandten. Zuerst fährt Lambert auf das Mädchen ab, ehe dadurch im eifersüchtigen Tuur unbekannte Gefühle aufsteigen und auch er sich zu ihr hingezogen fühlt. Im Umfeld der Jungen geschehen zudem Dinge, die sie nicht verstehen. In einer Grotte, ihrem geheimen Versteck, entdecken die beiden ein Nachtlager. Nachts schleichen sich Tuurs Vater (Loek Peters) und Bruder Leo (Nils Verkooijen) aus dem Haus und verschwinden im Wald. Lamberts Bruder Roeland seinerseits (Beau Schneider) stolziert in der Uniform der Hitlerjugend mit anderen Jugendlichen durchs Dorf. Lamberts Vater (Stefan de Walle) ist ein Kollaborateur und verrät alle unlauteren Machenschaften der Dorfbewohner an den deutschen Offizier Baumhaken (Luc Feit). Aus Eifersucht auf Tuur, dem Maartje nur mehr Aufmerksamkeit schenkt, erzählt Lambert seinem Vater, dass auf dem Hof von Holtermans heimlich ein Schwein versteckt wird; die Landwirte waren verpflichtet, den Nazis ihre Schweine zu überlassen. Das versteckte Schwein hat zur Folge, dass Maartje und die Familie Holtermans von den Deutschen abtransportiert wird in Richtung Konzentrationslager. Tuur ist wütend auf Lambert und setzt alles daran, Maartje zu befreien.
Clevere Wendungen
Sehr eindrucksvoll beschreibt Drehbuchschreiberin Karin van Holst Pellekaan die Kriegswirren aus der Sicht der Kinder, die keine Antworten auf ihre Fragen erhalten. Tuur weiß, dass die Deutschen Juden hassen, aber nicht warum oder was mit ihnen geschieht. Seine kindlichen Gefühle sagen ihm jedoch, dass diese Einstellung schlecht ist. Lambert merkt, dass die Haltung seines Vaters und seines Bruders von den anderen Dorfbewohnern missbilligt wird, er selbst muss sich in der Schule Anschuldigungen seiner Mitschüler anhören. Aus purer kindlicher Eifersucht verrät er Holtermans, nicht ahnend, was die Konsequenzen sein werden. Er erkennt aber aufgrund der Reaktion seines Freundes Tuur, dass er falsch gehandelt hat, und dass Menschen riskieren getötet zu werden. Er versucht seinen Fehler wieder gut machen, indem er seinem Vater den braven Jungen vorspielt und Tuurs Familie, den die Nazis auf die Schliche gekommen sind, die Flucht durch ein Tunnelsystem ins benachbarte Belgien ermöglicht. Dies ist ein äußerst cleverer und unerwarteter Dreh im Drehbuch.
Die drei Kinder sind einfach fantastisch in ihren Rollen, realistischer kann man diese Jungen und Mädchen nicht spielen. Ein ausgezeichneter Kamerachef in der Person von Rolf Dekens fängt alle ihre Regungen ein und bleibt ihnen bei ihren Abenteuern auf den Fersen. Die Musik von André Dziezuk passt einwandfrei sowohl zur ausgelassenen Stimmung der Kinder, als auch zu den dramatischen Szenen zum Schluss. Dieses kleine Meisterwerk sollte niemand verpassen.
Lesen Sie unser Interview mit „Secrets of War“-Filmkomponist André Dziezuk auf Seite 16



