PATRICK WELTER

Für den gewesenen Papst, den 16. Benedikt, dürfte das dräuende Jubiläumsjahr 2017 kein Grund zum Feiern darstellen, wahrscheinlich nicht einmal Mahnung sein. Anders bei seinem Nachfolger Franziskus. Der gewesene Jesuit hat eine Einstellung zu Apparat und Auftreten der römischen Kirche, die der eines ehemaligen Augustiner-Mönchs nicht unähnlich ist. Man kann sich durchaus vorstellen, dass der südamerikanische Franziskus dem Mönchlein Martin Luther die Nägel angereicht hätte, als dieser seine Thesen an die Kirchentür in Wittenberg nagelte. 1517 fehlte der Kirche jede Demut. Zur Finanzierung des Petersdoms in Rom erfand sie Vergebung in klingender Münze, den Ablass. Das brachte das Fass zum überlaufen und los ging es mit der Reformation. Nicht ohne Irrungen und Wirrungen, vom Bauernkrieg über die Wiedertäufer bis hin zu einer Unzahl evangelikaler Sekten. Blut und Tränen flossen auch jenseits des Katholizismus.

Zurück in die Gegenwart. Nach dem konservativen Roll-back unter dem charismatischen Polen Johannes-Paul II. und dessen Nachfolger, dem Theologie-Nerd Prof. Ratzinger, haben wohl einige Bischöfe insbesondere im deutschsprachigen Raum, alimentiert durch die Kirchensteuer, geglaubt, es sei jetzt wieder Zeit für Hermelinmäntel und Paläste. Lateinische Messen nicht zu vergessen. Nichts gegen barocke Pracht, die Schönborns haben als Bischöfe viel für die Kunstgeschichte getan, aber die Feudalzeiten sind vorüber.

Offenbar hat jemand vergessen, dies dem Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, zu sagen. Ein theologisch konservativer Kleriker ist das Eine, ein grotesk pseudo-adlig auftretender Bischof, der sich mal schnell eine Residenz bauen lässt und ansonsten fern von der Herde der Gläubigen ist, etwas anderes. In dem Städtchen in den nassauischen Stammlanden, vor kurzem von Guillaume von Luxemburg-Nassau besucht, und vor allem in den Großstädten des Bistums hat der Kirchenfürst und First-Class-Flieger für einen Aufschrei der Entrüstung gesorgt. Nicht nur des Prunks wegen, sondern auch wegen einer Personalpolitik die jeden Abweichler und Missliebigen kalt stellte. Auf die Liberalität seines Vorgängers, folgte fürstliche Kälte, berufen von Papst Ratzinger.

Pech, dass der 16. Benedikt das Altenteil gesucht hat. Noch übler für den hessischen Kirchenfürsten war, dass das Konklave diesen Jesuiten aus der Dritten Welt zum Nachfolger Petri berufen hat. „Franziskus“ war von vorne herein Programm und Warnung an alle Kirchenfürsten - egal ob im Vatikan oder an der Lahn.

Papst Franziskus, der Luxuslimousinen ablehnt, Prunk hasst und bewusst im Gästehaus des Vatikans lebt, um unter Menschen zu sein, ist kein Freund der Tebartz-van Elst dieser Welt. Deutliches Zeichen ist die Entsendung eines päpstlichen Visitators nach Limburg. Was harmlos klingt ist schon fast die diplomatische Höchststrafe. Franz-Peter dürfte sich als Titularbischof eines Kaffs in Kleinasien wiederfinden. Unterstützung unter seinen Amtsbrüdern findet er keine und sein einziger Freund, der eiserne Kardinal Meisner, ist kurz vor der Rente.

Franziskus steht, selbst aus Sicht eines Kirchenkritikers, in der Tradition innerkirchlicher Reformer, von den Cluniazensern bis zu Johannes XXIII., die immer wieder versuchten, ihre Kirche aus dem Brokatmantel zu stoßen.