Die Greater Region Business Days auf der Luxexpo gingen gestern zu Ende. Die zweitägige Wirtschaftsmesse, die sich am Mittwoch unter anderem mit der „dunklen Seite des Bizz“ beschäftigt hatte - Stichwort: IT-Sicherheit - sowie die Geschäftsmöglichkeiten für kleine und mittlere Unternehmen in Afrika und Asien aufzeigte, befasste sich gestern mit Berufsaus- und Weiterbildung sowie Marketing.
Eine Diskussion, die gestern auf der Messe ebenfalls im Mittelpunkt stand, war die um Start-ups; junge, innovative Unternehmen, die als Pfeiler der europäischen Wirtschaft von morgen bezeichnet wurden.
Wie aber können sie gefördert werden, damit sie das wirklich werden, wurde Nicolas Buck, Geschäftsführer von Seqvoia Luxembourg und auch Präsident des Nyuko gefragt. Der Verein, hervorgegangen aus der Fusion von Business Initiative und The Impactory, fördert Start-ups in der Frühphase. Zehn Jahre zurück waren Vokabeln wie „Business Angels“ oder „Start-up-Inkubator“ mehr oder weniger unbekannt, heute sind sie in aller Munde. Warum? Unternehmertum, erklärt Buck, hat sich nicht geändert, denn es geht darum, in Problemen Möglichkeiten zu erkennen, und für die dann Lösungen zu finden. Was sich aber in den letzten zehn Jahren geändert habe, sei das Umfeld, die Rahmenbedingungen. Auch sei heute, merkt Buck an, die Verwirklichung einer Geschäftsidee ungleich einfacher als das früher der Fall gewesen war, genügen doch dazu eine gute Idee und ein PC. Was sich ebenfalls geändert hat, ist das Funding, die Finanzierung neuer Geschäftsideen, was dazu geführt hat, dass junge Unternehmen selbst schon zu einem gewissen Markt geworden sind. Diesen Markt wollen Initiativen wie Nyuko effizienter machen.
Hedda Pahlson-Moller, die an der Sacred Heart University Luxemburg Entrepreneurship lehrt, weiß, dass sich auch die Akzeptanz von Jungunternehmertum geändert hat und in Europa größer geworden ist. Das führte dazu, dass heute Städte, Regionen und ganze Länder Startups aktiv fördern. Ein Manko indes, das dennoch bleibe, sei, dass man unternehmerisches Scheitern nicht als notwendiger Schritt begreift, sich zu verbessern: Das Scheitern einer jungen Idee sei normal und müsse auch so begriffen werden.
Das Finanzierungsproblem
Pahlson-Moller verweist auf Untersuchungen, wonach 32 Prozent der Gelder für Unternehmen in der Entwicklungsgelder in den ICT-Bereich investiert werden, danach folgen Biotech, Mobilität und Produktion. In Europa seien das letzten Jahr eine Summe von 7,5 Milliarden Euro gewesen, wovon nur zwei Milliarden von Risikokapitalgebern (oft Fonds) kamen, der Rest kam durch Crowdfunding zusammen. Das heißt, Crowdfunding (oft private Kapitalgeber, die von der Idee überzeugt sind) ist für Start-ups in der Anfangsphase der wichtigste Kapitalmarkt. Hierzu erklärt Syed Naqvi von der Universität Birmingham, dass hier auch große Unternehmen ihre Chance sehen und in die Innovation von Start-ups investieren sollten.
Netzwerke wichtig
Wie jemand, der eine neue Geschäftsidee hat, diese umsetzen kann, ist stets die erste Hürde, die genommen werden muss. Dabei sei der Geschäftsplan zwar wichtig, aber eine Powerpoint-Präsentation sei nur die halbe Wahrheit, erklärt Buck. Erst Kunden zeigten einem, ob das, was man anbiete, wirklich gefragt sei. Umgekehrt sei für Start-ups, wie Pahlson-Moller zu bedenken gibt, Geld allein kein Garant für Erfolg: Es komme auch darauf an, wie es eingesetzt werde. „Niemand kann perfekt in allem sein, darum ist Beratung wichtig und die Fähigkeit, Kompetenzen zu entwickeln“. Ähnlich wie es auf dem Weg zur Internationalisierung laut Buck Cluster unerlässlich ist. Netzwerke seien essentiell wie auch die Kompetenzen im Umfeld eines Start-ups: Ein Start-up zu promoten, das „in the middle of nowhere ist, das wird sehr schwer“, so Buck. Hier können Star-ups beispielsweise auch von Partnerschaften mit Universitäten profitieren.
Verrückte Ideen?
Innovativ sein, bedeutet oft auch, ungewöhnliche Ideen zu denken. Als ein Beispiel für eine Idee, die man erst vielleicht als „verrückt“ belächeln möchte, könnte Maikel Beerens Start-up Xilloc Medical B.V. stehen. Der Niederländer macht anhand von 3-D-Scannern Nachbildungen von Körperteilen und ist überzeugt, dass diese Prothesen wie auch andere medizinische Hilfen, die man so herstellen kann, den Medizinsektor schon in naher Zeit signifikant ändern werden, wie er gestern auf der „Greater Region Business Days“ erklärte. „Heute wird dieser Markt von einer Hand voll großer Konzerne beherrscht, die Standardprodukte herstellen. In Zukunft werden viele Kleine maßgeschneiderte Produkte anbieten“, sagt Beerens.
Warum aber gibt es so wenig Start-ups, so wenig gute Ideen? „Weil viele talentierte Leute nicht an Entrepreneurship denken“, sagt Buck. Diese Leute müsse man gewinnen, ihre Ideen mit Unternehmertum in die Realität umzusetzen. Es bleibt also noch einiges zu tun.Mehr auf Seite 29



