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Steckbrief Frisingen

Vier Kandidatenlisten im Rennen

Zum zweiten Mal nach 2011 wird am 8. Oktober in Frisingen nach dem Proporzsystem gewählt. In der 1.843 Hektar großen Gemeinde im Kanton Esch, die eine lange Grenze mit Frankreich hat und aus den Ortschaften Frisingen, Aspelt und Hellingen besteht, wohnten 2011 3.750 Bürger, heute sind es 4.557. Lange Zeit (1982-2005) war der ADR-Mitbegründer und Abgeordnete (seit 1989) Gast Gibéryen Bürgermeister von Frisingen. Nach seinem Rücktritt formierte sich „Är Equipe“ um seinen Nachfolger Claude Wiltzius. Auch Gibéryens Tochter Tania ging 2011 auf der „Är Equiphe“-Liste in die Gemeindewahlen. Im Anschluss fand sich allerdings eine CSV/LSAP-Majorität. Seitdem steht Bürgermeisterin Marie-Louise Aulner (CSV) an der Gemeindespitze, sekundiert von den Schöffen Lucien Settinger (LSAP) und Aloyse Schiltz. Die CSV zählt vier Mandate, die LSAP drei, während „Är Equipe“ fünf Sitze im Rat besetzt.

Comeback nach 30 Jahren: Erstmals seit den 1980ern mischt die DP nach der Neugründung einer Sektion im Juli wieder im Gemeindewahlkampf in Frisingen mit. Ein Gespräch mit Sektionspräsident Mike Varnier über die Beweggründe dafür.

Herr Varnier, wie kam es zur Gründung der DP-Sektion Frisingen?

MIKE VARNIER Ich bin seit 20 Jahren Mitglied in der DP und habe einen guten Kontakt zu DP-Politikern wie Eugène Berger, Max Hahn oder auch Lex Delles, der Bürgermeister unserer Nachbargemeinde Mondorf, und trug mich schon lange mit dem Gedanken, wieder eine DP-Sektion in Frisingen aufzubauen. Ich bin der Meinung, dass die Politik hier einen neuen Wind braucht und ich bin da nicht alleine. Carlo Raus, unser Spitzenkandidat hatte die gleiche Idee und wir fanden schnell Gleichgesinnte, die vor Ideen nur so sprudeln. Dass es durchweg positive Reaktionen auf die Neugründung der Sektion und die Erstellung einer jungen und dynamischen DP-Wahlliste gibt, bestärkt uns in unserer Annahme, dass eine politische Alternative in Frisingen begrüßt wird.

Sie selbst kandidierten mehrmals für „Är Equipe“. Was hat sie zum Wechsel bewogen?

VARNIER Nun, zuerst einmal bin ich dankbar für die Erfahrungen und das Wissen was mir Leute wie ein Gast Gibéryen vermittelt haben. Allerdings bin ich nicht als Mitläufer geboren und ich wünschte mir, Teil einer Formation zu sein, wo die Informationen an die Mitglieder größer geschrieben werden.

Für mich heißt vor den Wahlen ist nach den Wahlen aber danach hat man kaum mehr etwas über die politische Arbeit gehört. In einer Gemeinde welche sich rasant weiterentwickelt bin ich auch eher für ein Miteinander als ein Gegeneinander. Das bringt die Gemeinde nicht weiter. Auch deshalb muss es eine Alternative wie die DP geben. Wir möchten auf jeden Fall nach vorne blicken und eine objektive und konstruktive Politik zugunsten der Bürger machen. Das politische Model in Mondorf gefällt mir zum Beispiel sehr gut. Es wurde also Zeit für mich meine Idee umzusetzen.

Ich habe im Übrigen mit jeder politischen Sektion in der Gemeinde ein klares und respektvolles Verhältnis.

Und wie sieht die aus, welche sind die drei wichtigsten Akzente?

VARNIER Mehr Information, Transparenz und mehr Bürgerbeteiligung, konkrete Lösungen für unser Verkehrsproblem wo man dran bleiben muss und die Förderung unserer Geschäftswelt. Wir sind der Meinung, dass die Bürger viel mehr Informationen über die politischen Entscheidungen auf Gemeindeniveau erhalten sollten. Es reicht in unseren Augen nicht, wenn ein paarmal im Jahr ein Gemeindebulletin erscheint mit wenig Hintergrund zu den Entscheidungen.

Nein, das muss schneller vermittelt werden, auch mithilfe der neuen digitalen Kommunikationsmittel. Und wir werden die Bürger bereits enger einbinden, ehe Entscheidungsprozeduren beginnen. Die Bürger und Geschäftsleute wissen wo der Schuh drückt, man sollte ihnen zuhören.

Wie wollen Sie die Verkehrslage entschärfen?

VARNIER Wir werden eine komplette Analyse der Lage und vor allem der Gefahrenpunkte vornehmen, von denen es einige in Frisingen gibt. Beispielsweise die Einfahrt ins Dorf von Alzingen aus, die oft mit einer Autobahn verwechselt wird. Das werden auch manche Nebenstraßen, die bei Staus auf den großen Achsen als Ausweichwege benutzt werden. Das müssen wir unterbinden, gleichzeitig aber dafür sorgen, dass der Verkehr flüssiger läuft. Da die am meisten belasteten Straßen in Frisingen Staatsstraßen sind, müssen wir Lösungen zusammen mit dem zuständigen Ministerium ausarbeiten.

Da heißt es dann: dran bleiben. Ich denke, das wurde nicht genügend getan, so wie man wohl auch zu zögerlich war, um Initiativen für die Verkehrsberuhigung und Verkehrssicherheit zu treffen. Allein die Verbesserung der Beschilderung, die Austestung von Spiegeln oder Ampeln an unübersichtlichen Stellen in Hellingen könnte schon was bringen. Da hat aber der Mut bislang gefehlt, wie es scheint.

Und wie möchten Sie die Geschäftswelt fördern?

VARNIER Wir zählen sage und schreibe 239 Firmen in der Gemeinde. Darunter sind eine Menge toller Handwerksbetriebe und wohl auch einige, die nicht ansässig sind. Wir möchten auch mit ihnen in einen systematischen Dialog treten, um über ihre Anliegen zu diskutieren und gemeinsam Lösungen zu finden mit denen Frisingen als Wirtschaftsstandort attraktiver werden kann.

Wir wollen auch gezielt Start ups hier ansiedeln, leerstehende Geschäftsräume in „Popup Stores“ verwandeln und den Künstlern vor Ort Möglichkeiten bieten, ihre Werke auszustellen. Wir möchten mehr Events in der Gemeinde schaffen und zwar in allen Ortschaften. Ich bin der Meinung, dass es Zeit für einen Geschäftsverband wird.

Das wird ja dann auch zum Bevölkerungswachstum in der Gemeinde beitragen. Reichen die derzeitig verfügbaren Infrastrukturen heute aus, um dem Bedarf der Bürger gerecht zu werden?

VARNIER Fakt ist, dass wir eine neue, moderne Sporthalle haben. Fakt ist aber auch, dass wir zusätzliche Betreuungsplätze brauchen. Der aktuelle Gemeindesitz könnte für einen Ausbau der „Maison Relais“ zur Verfügung gestellt werden, so aktuelle Diskussionen, wenn die Verwaltung ins Aspelter Schloss umziehen würde. Ich bin da sehr vorsichtig. Denn um so etwas ins Auge zu fassen braucht man ein klares Konzept und vor allem Diskussionsbereitschaft mit allen Beteiligten, insbesondere mit der Vereinigung der Schlossfreunde. Wir möchten das jedenfalls ausloten.