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Wie der Ex-Banker Harald-Sven Sontag Tuki Fruits gründete

Harald-Sven Sontag ist Banker. Besser gesagt, er war Banker, 13 Jahre lang. Doch am Ende befriedigte ihn die Arbeit nicht mehr: Immer schon lockte den Franzosen das Unternehmertum, weshalb er schließlich 2012 die Firma Tuki Fruits gründete, mit der er Fruchtsaft aus Kolumbien verkauft.

Vom Banker zum Safthändler, eine ungewöhnliche Karriere...

Harald-Sven Sontag Meine Frau und ich wollten uns mit einem eigenen Unternehmen selbstständig machen. Da wir beide einen kolumbianischen Hintergrund haben und dort auch oft und gerne sind, wollten wir Kolumbien mit Europa und Luxemburg verbinden und dachten über verschiedene Geschäftsmöglichkeiten nach. Zuerst liegt bei Kolumbien natürlich Kaffee, Blumen oder Smaragde nahe, aber das machen schon viele und ist nichts Besonderes. Bis uns dann einmal auffiel, dass wir dort in Kolumbien immer gerne den hausgemachten, frisch gepressten Saft trinken. Diese Fruchtsäfte sind in Kolumbien eine eigene Kultur: Wenn man dort an den Strand, ins Restaurant oder Hotel geht, bekommt man stets den hausgemachten Fruchtsaft. Das ist es, sagten wir uns. Denn es ist etwas typisch Kolumbianisches und auch hier noch nicht besonders bekannt. Also überlegten wir uns, ob und wie es möglich wäre, diesen Saft mit der gleichen Qualität auch in Europa anbieten zu können, und gleichzeitig machten wir uns auf die Suche nach Lieferanten für das Rohmaterial in Kolumbien.

Wie ist das mit der von Ihnen angesprochenen Qualität?

Sontag Dazu benutzen wir „High Pressure Processing“ oder auch „Pascalisation“ genannt, eine sichere und natürliche Art der Konservierung. Das lassen wir in den Niederlanden von einer Fachfirma machen. Mit dieser Hochdruckpasteurisierung wird der abgefüllte Saft, der durch Pressung aus dem Obst gewonnen wurde, mittels Hochdruck bei vier Grad Celsius, also ohne jegliches Erhitzen, haltbar gemacht. Der Effekt durch dieses Verfahren ist, dass danach der Saft den gleichen Geschmack und die gleiche Frische hat und keine Vitamine verloren gehen. Der Fruchtgehalt liegt je nach Sorte bei 30 bis 60 Prozent.

Das ganze Projekt zu organisieren samt Importerlaubnis und so weiter, war das nicht sehr schwer?

Sontag Als wir das Projekt planten, machte ich tatsächlich eigens deswegen auf dem damaligen CRP Henri Tudor, heute LIST, einen „Master in Logistics“. Heute haben wir eine gut funktionierende Lieferkette, angefangen von unseren Rohstofflieferanten in Kolumbien bis zu den Verkaufsstellen in verschiedenen Geschäften in Luxemburg. Seit 2014 werden unsere Säfte auch in der VIP Lounge von Luxair angeboten. Einer unserer ersten Kunden war übrigens das Mudam.

In Luxemburg und einigen Ländern Europas vertreiben wir unsere Säfte mittlerweile zudem über das Internet. Das Feedback, das wir bekamen, ist sehr gut, so dass wir versuchen, auch in Deutschland, Belgien und Frankreich Marktanteile zu gewinnen, dafür aber noch Kapitalgeber suchen. Aber um auf die Frage zurückzukommen: Eine Firma zu finden, die die Pressung und Abfüllung macht, das war schon recht kompliziert, darüber könnte ich ein Buch schreiben… (schmunzelt). Die erste Fabrik erklärte, sie könne das machen, aber die Mindestmenge sei eine Million Flaschen im Monat.

Jetzt haben wir einen Abfüller, bei dem das Minimum 7.000 Flaschen pro Produktion beträgt, wenn also eine neue Lieferung aus Kolumbien kommt. Und das funktioniert sehr gut. Bis es soweit war, fuhr ich aber anderthalb Jahre ständig zwischen Luxemburg und den Niederlanden hin und her, begutachtete die Produktion, testete die Flaschen, testete den Saft und so weiter. Das war schon eine anstrengende Zeit.

Wäre es da nicht einfacher gewesen, Banker zu bleiben?

Sontag Ich war immer schon begeistert von Projekten, in denen man etwas entwickeln konnte. Mag sein, dass „Entrepreneurship“ zuerst auch viel Stress und weniger Geld bedeutet, aber ich mache das, was ich jetzt tue, sehr gerne. Es hat auch damit zu tun, dass wir mit unserer Firma ein bisschen Werbung für Kolumbien machen können, ein Land, das wir sehr mögen. Und mit unserem Geschäft wollen wir dort auch etwas bewirken, an der Entwicklung des Landes teilnehmen und zum Beispiel den Obstbauern etwas Gutes tun, indem sie uns beliefern können.

Meine Frau arbeitet nach wie vor im Finanzsektor, aber wir hoffen natürlich, dass wir vielleicht nächstes Jahr von unserem Geschäft leben können. Es ist herausfordernd, denn wir brauchen natürlich auch Geld, um das Unternehmen zu entwickeln und das Produkt bekannter zu machen, auf der anderen Seite macht es auch Spaß, ein Unternehmen zu leiten, denn ich lerne jeden Tag viel Neues. Und von Kunden zu hören, „dein Produkt ist gut“, das schmeichelt natürlich sehr.