LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Von Bach bis Zante: Pianistin Sabine Weyer spielt beim „Festival International“ in Echternach

Schon als kleines Kind gingen ihr diese schwarzen und weißen Tasten nicht mehr aus den Gedanken und der Klang der kleinen Hammer an die Saiten nicht mehr aus den Ohren: Sabine Weyer wollte als Fünfjährige unbedingt das Klavierspiel lernen. Der Beginn einer innigen Leidenschaft, die sie zum Musikstudium nach Brüssel und zum Konzert in Royal Albert Hall geführt hat. Am Sonntag steht die Luxemburgerin in Echternach auf der Bühne. Woher ihr Musikwunsch kam und was sie für ihre zweite CD in petto hat, berichtet sie im Interview.

Du hast mit sieben am Konservatorium mit Klavier begonnen. Wie sah Dein Alltag als Kind mit dem vielen Üben aus?

SABINE WEYER Ich habe schon ab vier oder fünf darum gebettelt, Klavierspielen zu lernen, ein Jahr war ich bei einem privaten Lehrer und mit sieben oder acht bin ich ins Konservatorium gewechselt. Ich musste viel üben und bin oft nicht mit anderen Kindern raus zum Spielen gegangen, weil ich am Klavier saß. Aber das war kein Zwang, sondern für mich mit Spiel und Freude verbunden.

Woher kam der Wunsch?

SABINE Es gab in meiner Familie keinen Musiker, aber es lief sehr oft klassische Musik daheim und ich habe das Piano schon früh als Instrument im Radio herausgehört und mir gewünscht, dieses Instrument zu spielen, es war ein innerer Drang.

Wie sucht man sich dann die Hochschule aus?

SABINE Ich bin bei der Wahl nach dem Lehrer vorgegangen. Ich war vorher in Kontakt mit einem Privatlehrer aus Bulgarien, der mir viel Positives über Alexandar Madzar erzählt hat und schließlich habe ich bei ihm am Flämischen Konservatorium in Brüssel gelernt.

Was war das Wichtigste, das Du dort gelernt hast?

SABINE Das ist schwer zu formulieren. Zwischen 18 und 23 waren meine Reifejahre, in denen es viel um musikalische Gestaltung und Interpretation ging und in denen ich meine künstlerische Identität gefunden und weiterentwickelt habe. Zuvor hatte ich eher an der Technik gearbeitet.

2015 war ein besonderes Jahr: Du bist in der Royal Albert Hall aufgetreten. Was bedeutet das für einen Musiker?

SABINE Ich bin dort aufgetreten, weil ich den Wettbewerb „Grand Prix Virtuoso“ gewonnen hatte. Das war ein sehr schöner Moment. 2015 ist auch meine erste CD erschienen und eine Agentur hat Konzerte für die Bewerbung der Platte organisiert. Es war ein sehr produktives Jahr und der offizielle Start in die Karriere, denn von da ging es schnell aufwärts.

Am Sonntag spielst Du zum ersten Mal beim „Festival International“ in Echternach. Hast Du das Programm selbst ausgewählt?

SABINE Ja, das war frei und ich wollte ein abwechslungsreiches Programm anbieten, eben auch, weil ich zum ersten Mal bei dem renommierten Festival auftrete und da will ich mich in all meinen Facetten präsentieren. Das Programm reicht vom Barock mit Bach über Debussy bis heute, das letzte Stück stammt von dem zeitgenössischen Komponisten Romain Zante.

Warum Zante?

SABINE Er ist ein Studienkollege aus Brüssel und wir haben bereits einige Projekte zusammen unternommen. Ich leite in Mamer im Kinneksbond auch ein Festival, bei dem ich Musik von ihm spiele.

Unter Bach und Debussy kann man sich etwas vorstellen. Aber wie würdest Du Zantes Musik beschreiben?

SABINE Ein bisschen debussyartig, von der Tonsprache sehr impressionistisch und doch geht es schon ein bisschen weiter. Seine Musik ist noch tonal, sie passt gut zu Debussy, der vorher im Programm steht.

Von der Kritik wird dir eine „von innen kommende - also nie aufgesetzte - Empfindsamkeit“ attestiert. Was denkst Du über solche Kritiken?

SABINE Ich habe gedacht, dass das sehr gut passt. Es ging dabei um die erste CD und auf der zeige ich keine Virtuosität, sondern es ist eine sehr empfindsame und einfühlsame CD und das ist eh ein Charakterzug und ein musikalischer Aspekt, der mich auszeichnet, sodass ich mich damals sehr mit dieser Kritik identifiziert habe.

Für die zweite CD nimmst Du Stücke von Bach und Mendelssohn auf. Wie weit ist die Arbeit fortgeschritten?

SABINE Die CD wird Anfang Juli erscheinen, es sind Stücke von Bach und Mendelssohn mit dem Berliner Camerata Ensemble. Das ist ein bewusster Kontrast zu meiner ersten CD. Denn die Bachkonzerte sind sehr sprudelnd und frisch.

Und mit diesen frühen Werken wollte Mendelssohn seinen Zeitgenossen beweisen, dass er sowohl komponieren als auch spielen konnte, wodurch die Stücke jugendlichen Überschwang und viel Energie verbreiten.

Bach und Mendelssohn sind beliebte Starkomponisten der Klassik. Wie kann man dennoch neue Interpretation umsetzen?

SABINE Komplett anders als alle anderen kann man es nicht machen, aber jeder hat einen anderen Ansatz. Man spielt immer mit seiner Persönlichkeit und seiner Empfindsamkeit. Am Piano lässt sich das aber einfacher ausdrücken als mit Worten.


Konzert am Sonntag, 20.00, in der St. Peter-und-Paul-Kirche in Echternach, mit Werken von Bach, Beethoven, Chopin, Debussy und Zante
Weitere Infos unter www.echternachfestival.lu und

www.sabine-weyer.com