LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Druck durch die Nachbarn: Produzentenverband will flexiblere Filmförderung

Bäume, Banken und Burgen: Die luxemburgische Landschaft wird nicht nur den Touristen als vielseitig angepriesen, sondern auch den Filmproduzenten. Aber auch wenn schon Weltstars wie Emma Watson, Catherine Deneuve und Isabelle Huppert in Luxemburg vor der Kamera standen, lässt sich hier eben doch nicht alles drehen: „Manchmal ist es schwierig ein Set zu finden“, erklärt Nicolas Steil. „Die historischen Sets haben sich seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts sehr verändert, zudem ist Luxemburg ein reiches Land und viele Sets hat man auch schon gesehen.“ Der Firmenchef von Iris Productions und Generalsekretär des Produzentenverbandes ULPA tritt für ein neues System der Filmförderung ein. Obwohl die Zusammenarbeit zwischen Filmförderung und Produzentenverband von Anfang an „immer sehr gut“ verlief.

„Wir haben das Ganze im Dialog aufgebaut.“ Es ging um ein System, das Luxemburg die Möglichkeit gibt, international zu arbeiten und luxemburgische Regisseure zu entwickeln. „Wir haben die Filmindustrie in Luxemburg ex nihilo geschaffen“, erklärt der Produzent und ergänzt, „wir sind noch eine junge Industrie, haben uns aber sehr schnell in der europäischen Szene eingerichtet.“ Das wäre ohne die Filmförderung nicht möglich gewesen. Allerdings hat die junge Filmindustrie in dem kleinen Land mit Problemen zu kämpfen: Anders als in Deutschland oder Frankreich gibt es keine großen Fernsehsender wie ZDF oder TF1 oder große Verleiher, welche sich aktiv an der Finanzierung der Filme beteiligen. Aber nicht nur aus diesem Grund stehen die nächsten Herausforderungen schon längst vor der Studiotür Schlange: Die Zeiten haben sich einfach geändert.

Zu schwach im Wettbewerb

„Vor drei Jahren haben wir gemerkt, dass etwas schiefgehen würde, obwohl wir sehr gute Projekte in Luxemburg hatten“, erinnert sich Steil. „In den vergangenen fünf Jahren sind 35 Prozent mehr Produzenten in die Produktionsgesellschaft gekommen, wodurch nicht mehr nur 14, sondern 21 aktive Gesellschaften zu fördern sind.“ Doch das Budget, das auf drei Jahre gewährt wird, ist dasselbe geblieben. Allerdings brauchen die gestandenen Produktionsfirmen eine bestimmte Zahl von Filmen im Jahr, um ihr Team und ihr erworbenes Know-how zu erhalten. Auf der anderen Seite haben junge Filmschaffende ohne ausreichende Finanzen nicht genug Entwicklungschancen.

Als weitere Herausforderung kommt die digitale Revolution hinzu. „Kino macht man heute nicht mehr wie vor fünf Jahren und die Kinogänger sind nicht mehr die gleichen, sondern Teenager, die hunderte von Millionen schwere Effekte sehen wollen.“ Und das ist nun mal nicht die Art von Filmen, die in Luxemburg gemacht werden, wo man eher auf Autorenfilme und Milieustudien mit einem Budget zwischen zwei und zehn Millionen setzt. Neben der digitalen Revolution sind die Veränderungen, die Akteure wie die Streamingdienste Netflix und Amazon in den Markt und in die Zuschauererwartungen bringen, eine weitere Herausforderung, auf welche die Branche reagieren muss.

Das dritte Problem geht von Luxemburgs Nachbarländern aus: Frankreich, Belgien und Deutschland - Länder, mit denen Luxemburgs Filmemacher bisher viel zusammengearbeitet haben -, haben ihr System der Filmförderung geändert und die Beihilfen erhöht. Mit dem Effekt, dass das System der luxemburgischen Filmförderung, nach dem es unter anderem Punkte für Zusammenarbeit mit luxemburgischen Technikern oder Drehorte in Luxemburg gibt, nach Ansicht von Steil „kein kompetitives System mehr“ ist. Koproduktionen mit Frankreich kommen daher kaum noch zustande. „Das ist ein großes Problem für uns, wir brauchen mehr Geld, um nicht zu verlieren, was wir in den vergangenen Jahren aufgebaut haben.“

Mehr Gegengeschäfte

Die Produzenten wollen ein neues System, das flexibler sein und mehr Zusammenarbeit mit den Nachbarregionen ermöglichen soll. Daher will der Produzentenverband seine Lösungsvorschläge Anfang Juli an die Filmförderung schicken, damit das neue System schnell die politischen Instanzen durchläuft. „Hoffentlich haben wir zu den nächsten Filmfestspielen von Cannes ein neues Gesetz.“ Das neue System soll dem alten folgen, aber flexibler sein. „Wie heute werden wir das bekommen, was wir in Luxemburg ausgeben“, erklärt Steil. „Das neue System nimmt Luxemburg nichts weg, es ist nur besser.“ Es solle nicht mit den Nachbarn gekämpft, sondern das Geld gemeinsam clever angelegt werden. Der Unterschied soll in der Kooperation liegen: Wenn aus künstlerischen oder wirtschaftlichen Gründen weniger Filmszenen in Luxemburg entstehen können und stattdessen in einer Nachbarregion gedreht wird, soll der „luxemburgische Produzent weniger bekommen, aber die Möglichkeit in der Koproduktion mitzumachen“ erhalten. Dass Frankreich sein Vergabesystem ändert, war abzusehen, nur liegt es nicht an der luxemburgischen Filmbranche, warum die Anpassung noch aussteht: „Wir haben früher reagiert, manchmal braucht es Zeit gehört zu werden.“

Ein weiteres Vorgehen, dass Steil in Zukunft ausbauen möchte, sind Gegengeschäfte wie etwa mit Québec und Irland, wobei man wechselseitig Filmprojekte luxemburgischer, kanadischer und irischer Regisseure unterstützt. „Aber das ist ein langer Weg, keiner wartet auf dieser Welt auf luxemburgische Regisseure, denn jeder will seine Regisseure unterstützen, weil es den Förderquoten entspricht.“ Es kommt also nicht von ungefähr, dass die Produzenten eine flexiblere Filmförderung, die auch Gegengeschäfte erleichtern könnte, anstreben und die Nachbarregionen - und vor allem auch deren Sets - mehr einbauen wollen.