LUXEMBURG
DR. FRÄNZ D’ONGHIA

Der Welttag der psychischen Gesundheit am 10. Oktober hat gleich mehrere Ziele. Eines davon ist die Sensibilisierung: Psychische Krankheiten sollen nicht länger ein Tabuthema sein. Viel Handlungsbedarf besteht außerdem, was die Betreuung und Behandlung betroffener Personen anbelangt, wie Dr. Fränz D’Onghia von der „Ligue Luxembourgeoise d’Hygiène Mentale“ meint.

„Ein wichtiges Ziel des Welttags der psychischen Gesundheit ist die Entstigmatisierung. Es ist immer noch schwer, über psychische Krankheiten zu sprechen. Deshalb ist es wichtig, zu erklären, dass eine psychische Erkrankung eine Krankheit ist wie jede andere auch. Sie hat einen Anfang, einen Ablauf und ein Ende. Psychische Krankheiten jedoch werden immer noch mit einer gewissen Schwäche in Verbindung gebracht, in der Arbeitswelt beispielsweise, wo man in einem solchen Fall als weniger leistungsfähig eingestuft wird. Solche Meinungen können dazu führen, dass es Betroffenen schwer fällt, Hilfe aufzusuchen. Wenn man einen Schnupfen hat, geht man zum Arzt, bei einer Depression zögert man dagegen. Wie bei jeder Krankheit gilt indes auch hier: Je länger man wartet, desto schwerer wird es, da wieder rauszukommen.

Da die Bevölkerung jedes Jahr um zwei Prozent wächst und wir noch dazu immer älter werden, ist es normal, dass auch die Zahl der Personen steigt, die unter psychischen Krankheiten leiden. Ein hohes Risiko besteht auch im hohen Alter, weil man viele Verluste hinnehmen muss, an Autonomie verliert und so weiter. Das sind Stressfaktoren, die nun einmal im Allgemeinen meist am Anfang einer psychischen Krankheit stehen. Wenn der Alltagsstress bei der Arbeit oder zuhause so groß wird, dass man ihn nicht mehr bewältigen kann, oder aber wenn ein akuter Stressfaktor auftritt, etwa durch eine Aggression, einen Missbrauch oder einen schweren Unfall, kann dies Folgen für die mentale Gesundheit haben. Prävention ist wichtig. Man kann selbst einiges tun, um gesund zu bleiben: sich nicht zu viel vornehmen, sich nicht zu sehr unter Druck zu setzen, zwischendurch Pausen einlegen, sich bewegen… Was die politische Seite anbelangt, so wird wohl einiges auf präventiver Ebene getan, um psychischen Krankheiten vorzubeugen. Es könnte aber durchaus noch mehr unternommen werden, etwa schon in der Schule zu lernen, wie man besser mit Stresssituationen umgeht, wie man über Emotionen kommuniziert, wie man Konflikte löst.

Was die Behandlung anbelangt, so besteht aber definitiv Handlungsbedarf. Zu sehr wird noch die medikamentöse Behandlung favorisiert. Seit 2015 gibt es das Psychotherapeutengesetz, das die Psychotherapie reglementiert. Die logische Folge müsste sein, dass die Behandlungen aller Psychotherapeuten, die vom Gesundheitsministerium anerkannt sind, rückerstattet werden. Das ist immer noch nicht der Fall. Ein Termin bei einem Psychotherapeuten, der 100 Euro oder mehr kostet, kann ein Grund sein, keine Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die CNS muss endlich die nötigen Mittel bekommen, um die Rückerstattung zu garantieren.

Darüber hinaus dauert es oft lange, bis man einen Termin bei einem Professionellen bekommt, sodass eine schnelle Hilfe überhaupt nicht möglich ist. Die frühe Intervention ist jedoch von großer Wichtigkeit. Außerdem muss eine Kontinuität in der Betreuung garantiert sein, etwa nach einem temporären Krankenhausaufenthalt. Die Politik ist demnach auf vielen Ebenen gefordert, um in Sachen Prävention, Früherkennung und Betreuung für die notwendigen Verbesserungen zu sorgen.“

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