MAMER
CORDELIA CHATON

Wie ein Mittelständler aus Mamer sich in der Coronavirus-Krise organisiert

Hitec ist mit 52 Mitarbeitern ein mittelständisches Unternehmen in Mamer, das auf über dreißig Jahre Geschichte zurückblicken kann und mehr als hundert Kunden in über 30 Ländern bedient. Wie geht es einem solchen Unternehmen, das über sechs ganz unterschiedliche Geschäftsfelder verfügt, in der Coronavirus-Krise? Darauf antwortet CEO Yves Elsen. Er ist nicht nur Geschäftsführer und übt verschieden Mandate in Verwaltungsräten aus, sondern ist auch in der Forschung aktiv. Seit 2016 ist er Vorsitzender des „conseil de gouvernance“ der Universität Luxemburg.

Herr Elsen, Sie sind im Rußtestgeschäft für die Kautschukindustrie aktiv, fertigen Antennensysteme, stellen für Notfälle und extreme Einsätze Kommunikationsausrüstungen zur Verfügung und entwickeln Software. Aber auch Verkehrsleitinfrastrukturprojekte samt Wartung gehört zu Ihrem Portfolio. Wie trifft Sie die Krise?

Yves Elsen Wie alle sind auch wir von der Pandemie betroffen, sowohl auf dem luxemburgischen wie auch auf dem internationalen Markt. Ein Projekt, bei dem wir hier in Luxemburg ein Autobahnnetz warten, läuft seit dem 20. März dank einer Freistellung. Dort arbeiten wir von Mamer aus. Es handelt sich um Instandsetzungs- sowie Wartungsarbeiten an den Autobahninfrastrukturen, für das während dieser Jahreszeit Teams in Nachtschicht in den Autobahntunnels unterwegs sind. Nachdem der Premier Xavier Bettel die Maßnahmen am 15.3. bekannt gegeben hat, arbeiten von unseren 52 Mitarbeitern 44 im Homeoffice. Hier am Sitz in Mamer ist ein Grundteam von fünf Mitarbeitern damit beschäftigt, das Tagesgeschäft aufrecht zu erhalten, Pakete und Post zu bearbeiten sowie die Informatik in Stand zu halten. 45 Prozent unserer Mitarbeiter kommen aus dem Grenzgebiet. Für diese 24 Leute wäre es angesichts der Beschränkungen teils sehr schwierig, herzukommen. Bei Projekten mit Ingenieurleistungen im Bodensegment können wir uns jedoch online mit Partnern austauschen.

Wie organisieren Sie die Arbeit von zu Hause aus?

Elsen Das Homeoffice ist eine große Herausforderung. Wir von der Geschäftsführung achten darauf, dass wir mit allen Teams regelmäßig in Kontakt sind. Morgens und abends finden ein Briefing und ein Debriefing statt. Die menschliche Komponente ist sehr wichtig. Für einige ist die Situation nicht so einfach. Skype oder Visiokonferenzen mit Webex sind etwas anderes, als an der Kaffeemaschine oder in der Kantine miteinander eben auch viel Informelles zu besprechen. Da ist die Geschäftsführung gefordert, für ein entsprechendes Umfeld zu sorgen. Anders sieht es bei Laborgeräten für Rußmessungen aus: Hier sind wir weltweit unterwegs, in Asien, Europa und den USA. Da liegt alles flach. Wir haben nicht alles auf Lager, weil wir gewisse Komponenten von außen herein holen. Allein das bremst. Aber: Wir wären keine Unternehmer, wenn wir nicht Optimisten wären.

Wie stellen Sie den Schutz und die Zeit danach sicher?

Elsen Wir gehen sehr zügig voran, überarbeiten sanitäre sowie betriebliche Prozeduren und bereiten in Mamer schon mal eine Lockerung des Lockdowns vor. Wir sind sehr froh, dass bislang kein Mitglied der Belegschaft an COVID-19 erkrankte. Wer krank ist, muss das natürlich der Personalabteilung melden. Bei den Masken gab es eine schnelle Hilfe: Bei einem Nähstudio in Junglinster haben wir Masken bestellt und verteilen sie jetzt an alle Mitarbeiter. Wir waren da proaktiv und haben uns rechtzeitig umgehört. So konnten wir schnell beliefert werden. Unsere Großraumbüros werden wir neu aufteilen, einige Kollegen können dann von zu Hause aus weiterarbeiten. Damit die schützenden Gesten berücksichtigt werden, haben wir Plakate und Hinweise aufgehängt. Wir sind sehr zufrieden mit unserer Belegschaft. Dort gibt es große Solidarität. Beispielsweise haben Mütter der Mitarbeiter für die Nachtschicht in den Autobahntunnels Schutzmasken genäht. Die Leute rücken zusammen.

Jetzt ist auf den Straßen nichts los. Da könnten doch wunderbar Instandhaltungsarbeiten an Tunneln und Brücken durchgeführt werden, oder?

Elsen Dieses Thema wird auch in Luxemburg diskutiert. Für eine Brückensanierung sind jedoch Ausschreibungen notwendig. Das ist schon schwierig, aber ich denke, es gibt eine allgemeine Überlegung dahin. Doch es wird ein Leben nach Corona geben. Da werden sich neue Arbeitsprozesse durchsetzen. Work at home wird integraler Bestandteil in jeder Firma werden. Bei uns war das schon der Fall dank des Laptops und einer entsprechenden Organisation. Darüber hinaus haben wir ab dem 11. März schrittweise auf Homeoffice umgestellt. Durch die Krise wird sich viel ändern. Auch für Familien wird es neue Arbeitsmodelle geben. Für uns Unternehmer gilt es, sich diesen Herausforderungen zu stellen.

Nutzen Sie die Hilfe der Regierung?

Elsen Einige Mitarbeiter befinden sich im Familienurlaub, für drei Kollegen in der Werkstatt haben wir Kurzarbeit angemeldet, weil dort keine Komponenten vorliegen. Was Hilfen angeht, sollte man nicht vergessen, dass es nicht nur um den Lockdown geht, sondern auch um die Zeit danach. Da erwarte ich, dass die Regierung mit Vorschlägen kommt. Es muss für Industrie und Wirtschaft einen neuen Marshallplan geben. Das könnte eine Chance sein, Europa neu zu definieren. Anders als bei der Finanzkrise sind jetzt alle betroffen.

www.hitec.lu