LUXEMBURG
JEFF KARIER

Luxemburgischer Schwimmsport entwickelt sich gut - Trotzdem gibt es Verbesserungsbedarf

Das Wasser übt auf uns Menschen seit jeher eine besondere Faszination aus und so sind Wassersportarten weiterhin sehr beliebt. Und es kommen von Jahr zu Jahr immer neue Sportarten oder Disziplinen hinzu. Das ändert aber nichts daran, dass das Schwimmen der König unter den Wassersportarten bleibt und etwa bei den Olympischen Spielen mit seinen vielen Disziplinen zu den Sportarten zählt, die die größte Aufmerksamkeit genießen. In Luxemburg ist es die „Fédération Luxembourgeoise de Natation et de Sauvetage“, die sich um den Schwimmsport kümmert, darüber hinaus aber auch der nationale Dachverband für Wasserball, Kunst- und Turmspringen sowie Synchronschwimmen verantwortlich zeichnet. „Eigentlich gehört auch noch ‚Natation en eau libre’ über Distanzen von fünf, zehn und 25 Kilometer dazu. Diese Disziplin ist allerdings in Luxemburg kaum entwickelt“, erklärt Marco Stacchiotti, der Präsident der FLNS. In Weiswampach im See gibt es zwar einmal im Jahr einen Wettkampf, der auch viel Zulauf kennt, jedoch nehmen eher Freizeitsportler teil oder auch Triathleten.

Spielerischen Ansatz beim Schwimmenlernen

„Wir als Verband verzeichnen von Jahr zu Jahr eine leicht steigende Zahl an Lizenzsportlern. Wir bewegen uns da in einem Bereich von etwa fünf Prozent.“ Ein klarer Zulauf zeichne sich jedoch in den Schwimmschulen der aktuell 14 Schwimmklubs des Landes wieder. In diesen wird das Schwimmen nach einer ausgefeilten Methode beigebracht. Dabei wird sich an schweizerischen Vorbildern orientiert. „Die Kinder lernen hier die korrekte Technik. Dabei verzichten wir auf Schwimmflügel und andere Hilfsmittel und versuchen über einen spielerischen Ansatz den Kindern das Schwimmen beizubringen“, erklärt der Präsident. Dabei sei es wichtig, den Kindern auch die Furcht vor dem Wasser zu nehmen. Nach etwa zwölf Stunden könnten diese dann schwimmen. Allerdings würde der Zulauf an den Schwimmschulen nicht unbedingt bedeuten, dass die Kinder später auch im Verein bleiben und Schwimmsport betreiben. Im Jugendalter würden viele die Lust am Schwimmen verlieren. Da spielt auch der Erfolg luxemburgischer Schwimmer auf internationaler Ebene eine kleine Rolle. Zwar wäre das Interesse an der Person und dem Sport in dem Moment groß, aber laut dem Präsidenten treten dadurch nicht unbedingt mehr Mitglieder den Klubs bei.

Um aber in Zukunft immer weiter Nachwuchs in die Klubs zu bringen, ist die Jugendarbeit enorm wichtig. Besonders im Wasserball, wo es in den letzten Jahren eher mager aussah. „Hier wird sich in diesem Jahr einiges tun“, betont Stacchiotti. Im Zentrum wie auch im Süden werde mit einer gezielten Jugendarbeit begonnen, um mehrere Wasserballmannschaften aufstellen zu können. Das sei zugegebenermaßen eine nicht ganz leichte Aufgabe, „da man immerhin eine gewisse Mannschaftsgröße erreichen muss, damit das überhaupt funktionieren kann.“ Bislang gibt es im Großherzogtum nur Seniorenmannschaften.

Einen positiven Effekt hatte auch die Entwicklung im Sportlyzeum auf den Wassersport, wo Jugendliche bereits ab der 7. Klasse lernen und trainieren können, vorausgesetzt sie schließen den Aufnahmetest erfolgreich ab. „Hier muss man bereits in einem jungen Alter eine große Leistung erbringen, um aufgenommen zu werden.“ Hinzu kommt der Jugendnationaltrainer, der den Nachwuchs auf der nationalen Ebene betreut und fördert. „In Zukunft wollen wir als Verband gemeinsam mit dem Sport- sowie dem Bildungsministerium in den Grundschulen beim Schwimmunterricht helfen, damit auch dort die Methode, die wir bereits in unseren Schwimmschulen anwenden, zur Anwendung kommt“, führt Stacchiotti aus. So würde vermieden werden, dass die Kinder sich eine falsche Schwimmtechnik angewöhnen, die später nur schwer wieder abzutrainieren ist.

Für gewöhnlich beginnen die Kinder mit etwa vier Jahren das Schwimmen in den Schwimmschulen zu lernen. „Ab acht oder neun Jahren beginnen sie aber erst damit Längen zu schwimmen und auch an ersten Wettkämpfen teilzunehmen.“ Diese sind aber extra auf die Kinder zugeschnitten, um sie nicht zu überfordern. Drei Wettkämpfe dieser Art organisiert die FLNS pro Jahr. Mit dem steigenden Alter steigt auch das Trainingspensum.

Das beginnt bei dreimal die Woche und geht hin bis zum täglichen Training. „Eliteschwimmer absolvieren neun oder zehn Trainingseinheiten in der Woche“, erklärt der Präsident. Neben dem Training im Wasser wird auch außerhalb des Schwimmbeckens trainiert.

„Die Kinder lernen etwa, sich vor dem Schwimmen aufzuwärmen. Später kommt Training mit Bändern und Bällen dazu, um ihre Muskulatur zu stabilisieren bis hin zum individuellen Muskeltraining.“ Dabei kommt es auch darauf an, ob der Schwimmer kurze oder lange Distanzen schwimmt.

Fortschreitende Professionalisierung des Sports

Für die Zukunft des Wassersports spielen aber auch die Infrastrukturen eine große Rolle. „Hier wurde in den letzten Jahren viel getan. Viele neue Schwimmbäder wurden eröffnet und einige auch renoviert“, erklärt Stacchiotti. Allerdings gibt es auch noch einige Bäder, die dringend renoviert werden müssten. „Etwa das Schulschwimmbad in Echternach, die auch vom örtlichen Schwimmklub genutzt wird.“ In dieses dürfen laut Gewerbeinspektion aber nur noch 100 Personen hinein, wodurch es nicht mehr möglich ist, hier einen Wettkampf zu organisieren und die Zukunft des Klubs in Gefahr ist. Schließlich gehen dem Verein so Einnahmen verloren und seine Attraktivität sinkt ebenfalls. Außerdem wären mehr 50-Meter Becken im Großherzogtum wünschenswert, besonders im Norden des Landes.

„Wenn ein neues Schwimmbad gebaut wird, werden wir als Verband leider sehr selten miteinbezogen. Das wäre aber wichtig, damit diese neuen Infrastrukturen auch den Bedürfnissen des luxemburgischen Sports entsprechen“, unterstreicht der Verbandspräsident. Das bedeute aber keinesfalls, dass diese Projekte dann teurer würden. Sie würden dadurch einfach funktioneller werden, so dass die Kapazitäten etwa für einen Wettkampf mit Zuschauern gegeben seien. Hier wäre mehr Zusammenarbeit angebracht.

Als positiv empfindet Stacchiotti die fortschreitende Professionalisierung des Sports in Luxemburg. Besonders das „Luxembourg Institute for High Performance in Sports“ (LIHPS) in der „Coque“ freut den Verbandspräsidenten. „Wir sind die ersten, die davon profitieren und können nun unter Bedingungen trainieren, die im Ausland gang und gäbe sind.“