LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Mehrsprachige Frühförderung: Erzieher suchen Antworten auf Expertenkongress

Noch stellen sich vielen Erziehern Fragen zur mehrsprachigen Frühförderung, die ab diesem Herbst in den Kinderkrippen eingeführt werden soll. Fragen, auf die sie sich gestern auf einer Expertenkonferenz mit Workshops im „Forum Geesseknäppchen“ Antworten erhofften. Die vom Ministerium für Bildung, Kindheit und Jugend organisierte Konferenz richtete sich an den Kinderbetreuungssektor und war mit 350 Teilnehmern ausgebucht.

Im Gespräch mit einigen Erzieherinnen zeigt sich, dass verschiedene Einrichtungen mit der Ausarbeitung eines Konzepts begonnen oder sich zumindest schon einmal Gedanken über Sprachaktivitäten gemacht haben. Für eine Erzieherin ist es beispielsweise wichtig, dass es bei spielerischen Aktivitäten bleibt. Die Idee hinter der mehrsprachigen Frühförderung sei „nicht verkehrt“, müsse aber richtig umgesetzt werden und die Kinder dürften nicht überfordert werden. Eine andere Erzieherin weist darauf hin, dass es unterschiedliche Ansichten zum Konzept gibt und bedauert das Fehlen einer Studie. Eine andere Erzieherin ist wiederum der Ansicht, dass das Luxemburgische im Vordergrund stehen sollte und äußert auch Bedenken im Hinblick auf das Alter. Sprachliche Aktivitäten für ein Kind mit vier Jahren kann sie sich gut vorstellen, bei jüngeren zeigt sie sich hingegen skeptisch.

Eine Mitarbeiterin einer privaten Kinderkrippe befürwortet den frühen Sprachenkontakt, sieht allerdings auch zusätzlichen Arbeitsaufwand auf kleinere Einrichtungen zukommen, die nicht über die Mittel einer Unternehmensgruppe verfügen, zum Beispiel bei der Freistellung von Mitarbeitern für Weiterbildung oder bei der Suche nach geeignetem Personal. Zuspruch findet indes, dass es mit den „agents régionaux“ einen Ansprechpartner für Fragen zur Umsetzung des Konzepts gibt. Bislang wurden 19 Personen für diese Funktion rekrutiert, weitere fünf stehen noch aus, heißt es hierzu auf Nachfrage aus dem Bildungsministerium. Insgesamt sind 22 „agents régionaux“-Posten vorgesehen.

Bereichernder Sprachkontakt

Minister Claude Meisch (DP) ging bei der Eröffnung der Konferenz noch einmal auf die Zielsetzung des Projekts ein, nämlich die im Alltag beobachtete Mehrsprachigkeit in Kinderkrippen oder in der Vorschule „zur Normalität werden zu lassen.“ Die Wissenschaft sage, dass es gerade in den frühen Kindheitsjahren auf den Sprachkontakt ankomme, wenn Sprachen auf Muttersprachlerniveau beherrscht werden sollen. Außerdem sei es durchaus möglich, mit mehreren Sprachen parallel in Berührung zu kommen. Meisch sprach von einem „wichtigen Zeitfenster“, indem Kinder über den frühen Kontakt mit verschiedenen Sprachen ein „solides Fundament“ für ihre weitere sprachliche Entwicklung legen. Die Antwort darauf, dass heute manche Kinder Schwierigkeiten haben, sich in ihrer Muttersprache auszudrücken, könne nicht lauten, „weniger Sprachen zu machen“, sondern sei eher auf einen Mangel an Sprachenerfahrung und Sprachpräsenz im Alltag zurückzuführen. Ziel müsse demnach ein bewussterer Umgang mit Sprachen sein. Für das Konzept der mehrsprachigen Frühförderung will das Ministerium die übergeordneten Ziele definieren, den Akteuren vor Ort aber Freiraum lassen, sich bei der Umsetzung nach den Bedürfnissen der Kinder zu richten. Die damit verbundene Gesetzesvorlage soll noch vor der Sommerpause im Parlament zur Abstimmung kommen.


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