SANKT GALLEN
CHRISTIAN SPIELMANN

Weltpremiere des Frank Wildhorn-Musicals „Artus“ in Sankt Gallen

Ob es den legendären britischen König Artus gab oder nicht, ist bis heute ungewiss. Es gibt zahlreiche Bücher, Filme, wie unter anderem John Boormans „Excalibur“ (1981) oder Antoine Fuquas „King Arthur“ (2004), sowie musikalische Werke, u a. Richard Wagners Oper „Parsifal“ (1882) oder das Musical „Camelot“ (1960) (Musik: Frederick Loewe, Texte: Alan Jay Lerner), wo auf den Mythos eingegangen wird. Der amerikanische Komponist Frank Wildhorn („Jekyll & Hyde“) nahm sich erneut der Legende an und komponierte das Musical „Artus“, das am Samstag im Theater Sankt Gallen (Schweiz) seine Weltpremiere feierte. Ivan Menchell schrieb das Original-Buch und Robin Lerner die Texte. Die deutsche Fassung stammt von Nina Schneider. Regie führt die renommierte amerikanische Theater-Regisseurin Francesca Zambello („The Little Mermaid“, „Rebecca“).

Das Schwert im Stein

Loth von Orkney (Robert Johansson) tyrannisiert im 6. Jahrhundert Britannien. Der Zauberer Merlin (Thomas Borchert) stößt das Schwert Excalibur in einen Felsen, mit der Verkündung, dass derjenige, der das Schwert herauszuziehen vermag, der rechtmäßige König des Landes sein wird. In einem Kampf gegen Orkneys Soldaten gelingt es Artus (Patrick Stanke), Excalibur aus dem Stein zu ziehen. Schnell scharen sich kampferprobte Männer um ihn, wie sein bester Freund Lancelot (Marc Seibert), Lucan (Gero Wendorff) oder sein Vater Ector (Alexander Bellinkx). Merlin offenbart Artus seine wahre Herkunft. Er ist der uneheliche Sohn von König Uther Pendragon. Artus‘ heile Welt bricht zusammen, ehe er sich seiner Berufung bewusst wird. Er hat sich in Guinivere (Annemieke van Dam) verliebt, die er auf Schloss Camelot heiratet, zum Leid von Lancelot, der die junge Frau auch liebt. Zudem taucht Morgana (Sabrina Weckerlin) auf, Artus‘ Halbschwester, die ihren Racheplan mit Hilfe der schwarzen Magie schmiedet.

Erstklassige Besetzung

Patrick Stanke, Thomas Borchert und Marc Seibert gehören zur ersten Garde von Deutschlands Musical-Sängern. Stimmlich und schauspielerisch sind sie erste Sahne. Sabrina Weckerlin ist vielleicht Deutschlands beste Musical-Sängerin. Sie verleiht Morgana viel teuflischen Sex-Appeal und singt kraftvoll ihre Lieder, wie u. a. „Sünden der Väter“. Annemieke van Dam, ihr weibliches Gegenstück, hat auch eine sehr gute Stimme, die ihrer Rolle angemessen zarter klingt, wie z. B. in „Ein wahrer Held“ im Duett mit Artus. Wildhorns Musik hört sich sehr gut an, auch wenn dem Musical etwas mehr Erzählstruktur gut getan hätte. So reiht sich stellenweise Song an Song, in dieser Geschichte, in der die Liebe zwischen Guinivere und Artus, respektive Lancelot, im Mittelpunkt steht.

Das Bühnenbild von Peter J. Davison besteht u. a. aus beweglichen Seitenteilen mit Kreuzen, welche die Fassade von Camelot darstellen, stilisierten Bäumen, einem Thron und der legendären runden Tafel. Mit den Videoprojektionen von Katy Tucker werden die Rückblenden, welche u. a. Artus‘ Herkunft betreffen, auf den Bühnenhintergrund projiziert. Die Kostüme von Sue Willmington sind eine Mixtur aus historischen und modernen Kleidern, wie zum Beispiel Negligés und Nylonstrümpfe.

Reizvolle Musik und eine Top-Besetzung erheben „Artus“ zu einem überaus sehenswerten Musical, das den Weg nach Sankt Gallen wert ist, und vielleicht mit einem Besuch eines Fußballspiels mit Luxemburger Beteiligung verbunden werden kann.


Informationen und Tickets unter www.theatersg.ch