LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Pianistin Sabine Weyer nutzt die Zeit zur Vorbereitung neuer Projekte

Der Terminkalender der Luxemburger Pianistin Sabine Weyer war von März bis Mai richtig gut gefüllt. Ein Konzert mit den „Solistes Européens, Luxembourg“ in der Philharmonie, Beethoven mit dem „Summer Orchestra Luxembourg“ im „Mierscher Kulturhaus“, Mozart mit Orchester in Trier… Alles abgesagt. „Natürlich bringt das meine ganze Planung durcheinander. Es lässt sich auch nicht alles nachholen, weil die kommende Saison in den Konzerthäusern ja bereits geplant ist. Die Zeit nutze ich nun, um noch mehr zu üben und schon mal an einem neuen Konzertprogramm zu arbeiten, damit ich vorbereitet bin, wenn es wieder losgeht“, erzählt uns die Musikerin.

Auch ihre Klavierkurse am Musikkonservatorium musste Sabine Weyer der Situation anpassen. „Meine Schüler nehmen sich beim Spielen auf, ich analysiere das Video in Ruhe und schicke ihnen meine Kommentare dazu. Dann üben sie wieder drei Tage und schicken mir ein neues Video. Das funktioniert relativ gut“, freut sie sich. Diese Arbeit übt die junge Frau übrigens mit ebenso viel Leidenschaft aus wie ihre Tätigkeit als Konzertpianistin. „Ich bin sehr gerne in Kontakt mit Schülern, und es liegt mir sehr am Herzen, Musik weiterzuvermitteln. Für mich ist das genauso wichtig wie die Transmission im Konzertsaal. Wenn man Konzerte spielt, versucht man ja auch, die Musik an das Publikum weiterzugeben. In den Kursen ist es ähnlich. Diesen Austausch mit den Schülern, besonders ab einem gewissen Niveau, empfinde ich als bereichernd“, sagt sie.

Als Kind schon gepackt

Das Klavier als Instrument für sich entdeckt hat Sabine Weyer schon sehr früh. „Da war ich vielleicht gerade mal vier oder fünf Jahre alt. Meine Eltern haben immer viel Musik gehört, und als dann irgendwann Klaviermusik im Radio lief, stand für mich fest, dass ich genau dieses Instrument unbedingt lernen will. Am Anfang waren meine Eltern nicht sonderlich begeistert von der Idee. Gleich ein Klavier zu kaufen, kam jedenfalls nicht in Frage“, erinnert sie sich und lacht. Aufgeben kam aber auch nicht in Frage, und so hat sie immer wieder gequengelt, bis sie dann mit sieben endlich Privatunterricht nehmen durfte. Der Klavierlehrer erkannte ihr Talent und riet den Eltern, sie aufs Musikkonservatorium zu schicken. Somit war der Grundstein für ihre spätere Musikkarriere gelegt. „Dass ich diese Leidenschaft schließlich zu meinem Beruf gemacht habe, hat sich irgendwie ganz natürlich ergeben. Aktiv entscheiden musste ich das nicht“, bemerkt die Pianistin.

Was hat diese Faszination denn gleich von Anfang an ausgemacht? „Die Möglichkeiten und die Vielseitigkeit, die dieses Instrument bietet. Und natürlich der Klang“, antwortet Sabine Weyer. „An sich ist es ja nur ein Instrument, das jedoch klingen kann wie ein ganzes Orchester, weil es so vielseitig ist. Interessant ist für mich auch, dass man als Pianist genauso alleine spielen kann wie mit einem Orchester oder zusammen mit anderen Musikern. In fast jeder Formation gibt es auch immer ein Klavier“, fügt sie hinzu. Bevorzugt ist sie übrigens im klassischen Bereich unterwegs. „Als Schüler fängt man ja ohnehin mit Klassik an. Ich bin dabei geblieben. Ich habe klassische Musik immer gerne gehört, mehr als Jazz zum Beispiel, wo man ja auch viel improvisieren muss, und das war eigentlich nie so mein Ding“, gibt sie zu.

Keine Schublade

Auf etwas Bestimmtes hat sich Sabine Weyer ganz bewusst nie fokussiert oder gar spezialisiert. „Als ich nach dem Studium meine erste CD aufnehmen wollte, habe ich lange darüber nachgedacht, was ich darauf spielen würde. Es ist ja doch so, dass einen die Leute oft mit dem identifizieren, was auf dem ersten Album zu hören ist. Damals habe ich mich für französische Musik entschieden, weil ich sie mag und sie mir liegt. Damit ich aber nicht als ,die, die nur französische Musik spielt´ bekannt werde, habe ich ziemlich schnell danach eine nächste CD mit Bach und Mendelssohn, also deutschem Repertoire, aufgenommen, sodass diese Kategorisierung eben nicht entstehen konnte. Momentan arbeitete ich bereits an meiner fünften Aufnahme, und alle sind wirklich ganz verschieden“, unterstreicht die Pianistin. Einen bevorzugten Komponisten will sie deshalb auch nicht nennen. „Ich bin wirklich offen für alles. Nur ganz zeitgenössische Musik mache ich vielleicht weniger gern.“

Album Nummer fünf soll Anfang nächsten Jahres aufgenommen werden. „Ich arbeite jetzt schon daran, weil es ein sehr schweres Programm ist, mit zwei Sonaten vom russischen Komponisten Nikolai Miaskovsky und zwei Sonaten vom französischen Komponisten Nicolas Bacri. Die Stücke haben gewisse Gemeinsamkeiten, zum Beispiel die, dass sie alle furchtbar schwer und virtuos sind“, lacht Sabine Weyer. Die Aufnahme einer CD sei immer eine große Herausforderung und noch dazu mit einem hohen Aufwand verbunden. „Deshalb habe ich jetzt schon mal damit angefangen, damit das Ganze reifen kann“, fügt sie hinzu.

Herausforderung aus Leidenschaft

Wie viel Persönlichkeit kann man eigentlich in die Interpretation solcher Stücke stecken? „Natürlich muss man den Text respektieren, also das spielen, was auf dem Notenblatt steht, aber der ganze Rest ist doch sehr persönlich. Wie weit man im Ausdruck geht, was man musikalisch hineinlegt, hängt von jedem Interpreten ab. Genau das macht aber die Originalität aus“, erklärt Sabine Weyer. Ein paar Monate seien deshalb schon mal nötig, um ein neues Stück einzustudieren. „Zwischendurch lässt man es dann auch eine Zeit ruhen, damit es ein bisschen reifen kann“, fährt sie fort. Das gilt auch für die Sonaten von Miaskovsky und Bacri, mit denen sie sich momentan trotz des erwähnten Schwierigkeitsgrades beschäftigt. „Das passioniert mich. Ich mag es, mir diese Herausforderung selbst zu stellen und dann danach zu sehen, dass ich es hinbekommen habe. Wenn man das nicht gerne macht, hat man den falschen Beruf gewählt. Diese Aufregung, sich selbst zu übertreffen, gehört dazu. Man entwickelt sich ja als Musiker auch ständig weiter, genau das ist das Spannende, es ist tatsächlich ein Lifelong Learning“, meint sie.

Video für die Fondation EME

Eine nicht ganz so große Herausforderung bedeutete die Aufnahme, die Sabine Weyer nun für die Aktion „Concerts contre la solitude“ der Fondation EME beigesteuert hat. Die Stiftung hatte Musiker dazu aufgerufen, sich bei ihren Konzerten zuhause zu filmen, um die Videos anschließend an Alters- und Pflegeheime zu schicken und außerdem von apart TV ausstrahlen zu lassen, um auch in ihren Eigenheimen isolierte Menschen zu erreichen. „Was die Fondation EME macht, nämlich Musik zu den Menschen bringen, denen der Zugang fehlt, finde ich sehr schön und auch wichtig. Von dem Aufruf habe ich mich sofort angesprochen gefühlt und wollte meinen Beitrag leisten. Ich habe mich für Musik entschieden, die die Leute wahrscheinlich kennen, ruhigere Stücke von Chopin etwa. Ich denke, dass die älteren Menschen, die vielleicht gerade Angst haben oder sich nicht gut spüren, genau das jetzt brauchen“, ist sie sich sicher.