LUXEMBURG
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Wahlrecht, Chancengleichheit, Gesellschaftswandel: Es hat sich viel getan - aber es bleibt auch noch was zu tun

Hundert Jahre Wahlrecht - und jetzt? Sitzen in Luxemburg weniger Frauen im Parlament als in der vorigen Legislativperiode. Hat die patriarchalische Weltverschwörung durchgegriffen? Eher nicht. So ein Wandel braucht Zeit, und mit dem Wahlrecht allein ist noch längst nicht alles in Butter. Gleiche Chancen, gleiche Rechte, gleiche Pflichten- alles das ist eine langwierige Arbeit, die in mehreren Generationen erst Fuß fassen muss, bevor sie wirklich fruchtet. Umgehende Resultate zu erwarten, wäre töricht.

Vor etwas mehr als fünfzig Jahren war es praktisch gesellschaftlich verpönt, als verheiratete Frau noch weiter zu arbeiten, statt als Heimchen am Herd zu bleiben. Heute beträgt der Unterschied bei der Wahrscheinlichkeit, einer Beschäftigung nachzugehen, noch 26 Prozent. 70 Prozent der Frauen arbeiten lieber, als zuhause zu bleiben - und Männer finden das einem ILO-Bericht von 2017 zufolge auch inzwischen ähnlich normal.

Trotzdem bleiben Frauen ein seltener Anblick in Führungspositionen, besonders wenn sie Familie mit Kindern haben. Frauen, die sich bewusst für die Familie entscheiden, setzen meist ihre Karriere aufs Spiel. Neue Maßnahmen, die den Familien insgesamt stärker unter die Arme greifen, sollen dabei helfen - zum Vorteil beiderlei Geschlechts.

Es ist also eine Menge passiert - international wie auch im Großherzogtum - im Recht und in der Gesellschaft. Zu diesem Schluss kam auch eine Sitzung des CIPA von Sassenheim zusammen mit den Gymnasiasten des Lyzeums Belval: Früher war eben nicht alles besser. Umgekehrt heißt das auch: Es hat sich viel getan, auch wenn noch viel zu tun bleibt.

Eurostat, das Statistikamt der Europäischen Union hat hierzu einen interessanten Bericht erstellt. Frauen halten demnach EU-weit im Schnitt 30 Prozent der Sitze in den Parlamenten; ein Anstieg um ein Drittel im Vergleich zu 2003, als der Anteil nur 21 Prozent betrug. Vorreiter sind hier Schweden mit 47 Prozent Anteil, dicht gefolgt von Finnland (42), Belgien und Spanien (beide 40) und Österreich (37 Prozent). Lediglich elf Länder liegen über dem EU-Schnitt, Schlusslichter sind hingegen Ungarn (13), Malta (15) sowie Zypern und Griechenland (beide 18 Prozent). Luxemburgs Anteil liegt derzeit bei 21 Prozent, war aber zwischen 2011 (23 Prozent) und 2017 (28 Prozent) schon mal höher - 2011 und zwischen 2014 und 2017 lag das Großherzogtum gar über dem EU-Durchschnitt. Ein Blick in diese Zahlen der Vorjahre verrät aber auch: 2009 betrug der Anteil beim Schlusslicht-Beispiel Malta gerade einmal rund neun Prozent. Das wäre im Vergleich zu 2018 ein Anstieg um fast die Hälfte. In Slowenien (2009: 11 Prozent, 2018: 22 Prozent) hat sich der Anteil gar verdoppelt. Der Trend zeigt also insgesamt eindeutig nach oben, geht aber vielen Aktivisten noch nicht weit genug. Quotenregelungen könnten eine Zwangsmaßnahme sein - inwiefern das aber fruchtet, ist fraglich, immerhin führen die Kandidaten-Quoten wie im Großherzogtum nicht automatisch zu einem höheren Resultat.

Derweil hat sich der Anteil an weiblichen Regierungsmitgliedern in EU-Regierungen auf 30 Prozent erhöht. Auch hier ist Schweden mit 52 Prozent Anteil führend, Schlusslichter sind weiterhin Ungarn (7), Malta (12) oder Italien (17 Prozent). Auch hier ist Luxemburg kein Vorzeigeschüler, der Anteil beträgt 22 Prozent. Zwischen 2009 und 2015 lag das Großherzogtum jedoch mit 26 bis 28 Prozent durchweg über dem EU-Durchschnitt. Ein Grund für den Interessantes Detail: 2003 gab es überhaupt keine weiblichen Regierungschefs. Inzwischen sind es derer immerhin drei - ein Anteil von elf Prozent.